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Wertingen

12.04.2020

6000 Fans strömen zum Bezirksliga-Endspiel

Punktgleich mit dem TSV Rain beendete in der Saison 1974/75 die Mannschaft des TSV Wertingen die Saison in der Bezirksliga Nord. Trotz der 0:5-Niederlage im Entscheidungsspiel in Donauwörth, war es für die Zusamtaler ein Höhepunkt im Vereinsgeschehen. Unser Bild zeigt das Erfolgsteam vor 45 Jahren.
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Punktgleich mit dem TSV Rain beendete in der Saison 1974/75 die Mannschaft des TSV Wertingen die Saison in der Bezirksliga Nord. Trotz der 0:5-Niederlage im Entscheidungsspiel in Donauwörth, war es für die Zusamtaler ein Höhepunkt im Vereinsgeschehen. Unser Bild zeigt das Erfolgsteam vor 45 Jahren.
Bild: Zolleis

Rückblick: Entscheidungsspiel um die Fußball-Meisterschaft 1974/75 zwischen TSV Wertingen und Rain musste wegen großem Zuschauerandrang 30 Minuten später angepfiffen werden. Warum ein Wertinger Funktionär froh über die 0:5-Schlappe war.

Der Andrang an den Kassenhäuschen wurde 20 Minuten vor dem geplanten Anpfiff immer größer. Die parkenden Autos rund um den Sportplatz an der Augsburger Straße in Donauwörth waren kaum noch zu zählen. Was an jenem späten Nachmittag des 21. Juni 1975 auf den Zuschauerrängen und außerhalb der Anlage los war, kann Jakob Müller bis heute nicht vergessen. „So ein Gedränge hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Die Fahrzeuge standen fast bis nach Auchsesheim am Straßenrand“, ließ er sich berichten. Das Entscheidungsspiel seines TSV Wertingen gegen den TSV Rain um die Meisterschaft in der Bezirksliga Nord musste angesichts der heranströmenden Fans 30 Minuten später angepfiffen werden. An die 5000 Zuschauer hatten Eintritt bezahlt. Viele, so Müller, seien über die Barrieren gesprungen und kamen zum Nulltarif ins Stadion. Geschätzt dürften sogar an die 6000 Fans den 5:0-Sieg des TSV Rain gesehen haben.

Wertingen verliert, macht aber Kasse

Sportlich hatte der TSV Wertingen bei diesem Duell der punktgleichen Tabellenersten an diesem heißen Juni-Sonntag (33 Grad) keine Chance, zu stark präsentierten sich die Rainer um ihren dreifachen Torschützen Mandelmeier und Spielmacher Hofmockl. Die knapp 13000 Mark, welche die Wertinger als Anteil an den Einnahmen mit nach Hause nehmen durften, waren freilich mehr als ein Trostpflaster. Teile des Geldes wurden, so Müller, danach gleich in die Sanierung des ehemaligen Sportheims gesteckt. Dass die Partie in Donauwörth ausgetragen wurde, hatte im Vorfeld dem damaligen Ersten Vorsitzenden des TSV Wertingen, Karl Förg, nicht gefallen. „Er wollte in Meitingen spielen, weil man dort mit 400 bis 500 Zuschauern rechnen könne. Die Kulisse, die dann tatsächlich in Donauwörth vorzufinden war, habe ihm, Förg, fast die Sprache verschlagen.. Über die Niederlage gegen Rain waren weder Karl Förg noch Jakob Müller traurig: „Ein Landesligaaufstieg wäre angesichts der vielen weiten Auswärtsfahrten finanziell nicht zu stemmen gewesen“, war der TSV-Abteilungsleiter froh, auch in der nächsten Saison in der Bezirksliga an der Spitze mitgespielt zu haben. Wertingen wurde abermals Vizemeister.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen eine Runde zuvor zwischen Rain und Wertingen war am letzten Spieltag an Dramatik kaum zu überbieten. Beide Teams gingen punktgleich in Heimspiele. Und beide taten sich dabei unbändig schwer. Wertingen lag gegen die TSG Stadtbergen mit 0:1 zurück, konnte aber durch Werner Senser den 1:1-Ausgleich, der zugleich den Endstand bedeutete, erzielen. Dieses Ergebnis hätte zum Titelgewinn gereicht, denn Konkurrent Rain lag bis weit in die Nachspielzeit hinein gegen den VfR Jettingen mit 0:1 hinten. „Der Schiedsrichter hat zehn Minuten nachspielen lassen, bis die Rainer in der letzten Sekunde doch noch das 1:1 erzielten“, schildert Helmut Gumpp 45 Jahre später die packenden Geschehnisse im Fernduell seiner Wertinger Mannschaft mit dem TSV Rain.

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Der ehemalige Wertinger Torjäger Helmut Gumpp ist im fortgeschrittenen Alter oft und gerne mit dem Fahrrad unterwegs.
Bild: Herdin

Gumpp war damals gerade 18 Jahre alt und noch für die A-Jugend spielberechtigt. Das Talent des Stürmers hatte der damalige Trainer der ersten Mannschaft, Günter Albsteiger, jedoch schnell erkannt und baute das TSV-Eigengewächs sukzessive im Seniorenteam ein. Oft spielte Helmut Gumpp bei der „Ersten“ rotzfrech auf und erzielte manch wichtiges Tor. Im Entscheidungsspiel gegen den TSV Rain kaufte ihm jedoch ein gewisser Alex Schroder als beinharter Verteidiger schnell den Schneid ab. „Von ihm habe ich einiges auf die Socken bekommen“, so Gumpp über seinen damaligen Gegenspieler. Der wurde übrigens ein paar Jahre später beim TSV Wertingen sein Trainer.

Dass die Niederlage in Donauwörth so deftig ausfiel, hatte nach Gumpps Einschätzung mehrere Gründe. Mit Leonhard Kotter fehlte verletzungsbedingt ein jahrelanger Stammspieler und Torjäger Peter Szupak (27 Saisontreffer) ging angeschlagen in die Partie. „Er musste noch in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden, es ging einfach nicht“, erinnert sich Gumpp. Er selbst habe sich nicht nur wegen der Härte von Alex Schroder kaum in Szene setzen können, „ich war auch ganz schön aufgeregt“,blickt er analytisch zurück.

Trotzdem sei sein erstes Jahr bei den Senioren ein unvergessliches gewesen. Junge Kräfte wie er, Peter Friedrich oder Dieter Ortlieb hätten viel von Routiniers wie Otmar Huß, Rudolf „Billy“ Probst oder Werner Senser lernen können. Letzteren holte Abteilungsleiter Jakob Müller ebenso wie Huß und später Hernadi vom TSV Meitingen an die Zusam.

Erst drei Jahre vor der ersten Vizemeisterschaft in der Bezirksliga wurde Müller als Abteilungsleiter ins kalte Wasser geworfen. Bei einer Krisensitzung in der ehemaligen Gaststätte „Ochsen“ wurde bereits über eine eventuelle Auflösung der Mannschaft gesprochen. Keiner wollte Verantwortung übernehmen, bis sie zur vorgerückten Stunde den aus Mertingen zugezogenen Jakob Müller gefragt haben. Er saß bei jener Sitzung als Zuhörer in der hinteren Ecke der Wirtsstube. „Ich sagte spontan zu und habe es nicht bereut“, blickt Müller trotz eines schwierigen Starts ohne Trainer und ausgedünntem Spielerkader auf viele erfolgreiche Zeiten zurück. Das Duell gegen den TSV Rain in Donauwörth gehört vor allem wegen der prächtigen Kulisse zu seinen ganz besonderen Momenten.

So haben sie gespielt

TSV Wertingen: Reinhold Kotter, Otmar Huß, Franz Wetzstein, Alfred Laux, Josef Wagner, Sepp Steger, Werner Boos, Rudolf Probst, Werner Senser, Peter Szupak (39. Helmut Gumpp), Dieter Ortlieb, Peter Friedrich (75. Otto Simon)

Tore: 0:1 Hofmockl (6..),0:2 Mandelmeier (19.), 0:3 Mandelmeier (33.), 0:4 Seidemann (49.), 0:5 Mandelmeier (61.) – Schiedsrichter: Rainer Stelzer ( Augsburg) – Zuschauer: 5000 in Donauwörth

Aufruf Wenn Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, an ein unvergessliches Spiel Ihres Vereins, Ihrer Mannschaft erinnern, dann schicken Sie bitte eine E-Mail an: redaktion@donau-zeitung.de

Kennwort: „Spiele, die man nicht vergisst“ (Bitte Kontaktdaten, Vor- und Zuname, Telefonnummer etc. mit dazuschreiben).

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