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Was macht eigentlich...?: Ein Villenbacher durch und durch

Was macht eigentlich...?

Ein Villenbacher durch und durch

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    Otmar Ohnheiser war unter anderem Vorsitzender beim SV Villenbach, Gründungsmitglied des Vereins, aktiver Fußballer, Schiedsrichter und später auch Bürgermeister in der Zusamtalgemeinde.
    Otmar Ohnheiser war unter anderem Vorsitzender beim SV Villenbach, Gründungsmitglied des Vereins, aktiver Fußballer, Schiedsrichter und später auch Bürgermeister in der Zusamtalgemeinde. Foto: Günther Herdin

    Es gab und gibt Menschen, wenn man deren Namen hört, die sofort mit einem Ort assoziiert werden. Franz Beckenbauer zum Beispiel mit München, Christian Neureuther mit Garmisch Partenkirchen oder Franziska van Almsick mit Berlin. Auf lokaler Ebene wissen viele, dass Alfred Sigg ein Wertinger Urgestein ist, der ehemalige Landtagsabgeordnete Georg Winter mit Höchstädt in Verbindung gebracht wird oder Dr. Georg Barfuß ein Lauinger durch und durch ist. Das Gesicht aus Villenbach, der kleinen Gemeinde aus dem Zusamtal, verkörpert mit Otmar Ohnheiser ein Mann, dessen Herz seit Jahrzehnten für den örtlichen Sportverein schlägt, der aber auch als Kommunalpolitiker Spuren hinterlassen hat.

    Von 2008 bis 2014 stand der heute 74-Jährige als 1. Bürgermeister an der Spitze der Gemeinde, zuvor war er zwei Perioden Bürgermeister-Vize (1996 bis 2008) sowie 18 Jahre Gemeinderat (1978 bis 1996). Für die Kommunalpolitik habe er sich in allen Jahren gerne engagiert. Unter Ohnheisers Ägide als Bürgermeister wurden in Villenbach unter anderem ein neuer Kindergarten sowie das Bürgerhaus in Rischgau gebaut, aber auch ein Bürgerentscheid für eine Ortsumgehung durchgeführt. Diese wurde mehrheitlich abgelehnt. „Das Dorf war zu dieser Zeit sehr gespalten“, erinnert sich Ohnheiser an unruhige Zeiten, in denen er und seine Familie sogar persönlich angegriffen wurden,

    Emotional hat der Vater eines erwachsenen Sohnes und dreifache Opa diese Zeiten hinter sich gelassen, das Geschehen beim örtlichen Sportverein, dem SV Villenbach, lässt ihn in guten wie in schlechten dagegen überhaupt nicht kalt. Kein Wunder, war Otmar Ohnheiser 1968 Gründungsmitglied beim SVV und bewahrte diesen in Krisenjahr 1983 vor dem Aus. „Es gab Überlegungen, den Verein abzumelden, als niemand so richtig Bock hatte, den Vorsitz zu übernehmen“, erinnert sich der gelernte Schriftsetzer an turbulente Zeiten. Nach Absprache mit seiner Frau Regina ließ er sich schließlich 1983 zum Vorsitzenden wählen und übte dieses Amt fünf Jahre lang aus. Unter Ohnheisers Führung gründete der Verein im gleichen Jahr die Theaterabteilung, welche in den Folgejahren mit ihren zahlreichen Aufführungen auf der Freilichtbühne die Kulturszene in der Region beflügelte. „Pizza á la Schrapfing“ hieß das erste Stück, das in Villenbach aufgeführt wurde, lässt Ohnheiser die damalige Zeit Revue passieren. Ab der kommenden Woche stehen zahlreiche Laienspieler vom Sportverein beim modernen Märchen „Der Zauber von Oz“ erneut auf der Bühne, Ohnheiser wird das Stück als Zuschauer genießen.

    Als Vorsitzender des SV Villenbach überreicht Otmar Ohnheiser dem damaligen SSV-Kapitän Günter Dippel bei der Siegerehrung des Raiffeisenpokals eine Trophäe.
    Als Vorsitzender des SV Villenbach überreicht Otmar Ohnheiser dem damaligen SSV-Kapitän Günter Dippel bei der Siegerehrung des Raiffeisenpokals eine Trophäe. Foto: Günther Herdin

    Wenige Meter entfernt vom Freilichttheater liegt der Fußballplatz des SSV, den Ohnheiser wie seine eigene Hosentasche kennt. Schließlich hat er selbst einige Jahre für den SSV gespielt und sich als Jugendleiter intensiv um die Nachwuchsarbeit gekümmert. Er war dabei, als die erste Mannschaft nach ihrer Gründung das erste Spiel überhaupt bestritt. „Wir haben 2:3 gegen Blindheim verloren“, erinnert sich das Villenbacher Urgestein, das in seiner Kindheit in Wengen auf einer Wiese immer wieder mit anderen Buben vom Ort zum Bolzen ging und so seine Liebe zur schönsten Nebensache der Welt entdeckte. Zu Schüler- und Jugendzeiten spielte er für den VfL Zusamaltheim und TSV Wertingen als Verteidiger unter anderem mit Zusamtaler Fußballgrößen wie Heinz und Walter Nuber, Heinz Zub, Rudolf Probst oder Rudolf Lernhard zusammen.

    Mit knapp 22 Jahren nahm Ohnheiser an einem Schiedsrichter-Neulingskurs teil und leitete fortan als Unparteiischer zahlreiche Spiele im Landkreis und darüber hinaus. Der neue Pfeifenmann aus Villenbach machte schnell Karriere, durfte selbst Spiele bis zur Bezirksliga pfeifen und später als Beobachter Bayernliga-Referees beurteilen.

    An ein Spiel, das er geleitet hat, erinnert er sich noch heute, allerdings sehr ungern: „Ich musste die Partie zwischen dem TSV Göggingen und dem TSV Sonthofen abbrechen“, berichtet Ohnheiser von „massiven Widersetzlichkeiten“ Sonthofener Akteure. Das Sportgericht gab ihm für den Spielabbruch recht und wertete das Spiel für Göggingen.

    Auch im fortgeschrittenen Alter berührt Otmar Ohnheiser der Fußball emotional mehr wie jedes andere Hobby. Vor allem wenn sein Enkelsohn Maximilian in der E-Jugend des SG Roggden gegen den Ball tritt, fiebert er mit. Aber auch bei Spielen der Villenbacher Herren. Diese erlebten nach vielen Jahren in den Niederungen des Fußballs 2019 den ersten Aufstieg in der Vereinsgeschichte überhaupt. 2023 gelang über die Relegation dann sogar der Sprung in die Kreisklasse, nach Ablauf der vergangenen Saison scheiterte der SVV als Vizemeister nur knapp am Aufstieg in die Kreisliga.

    Ohnheiser war nicht nur Bürgermeister, Fußballer, Vereinsfunktionär und Schiedsrichter, eine Tätigkeit ist dem rüstigen Rentner seit seinem zwölften Lebensjahr geblieben: Er schreibt immer noch Presseberichte für unsere Zeitung über das Villenbacher Ortsgeschehen und über die Spiele seines SVV in der Kreisklasse. Die ersten Zeilen verfasste er noch als Spieler der Schülermannschaft beim VfL Zusamaltheim mit Kugelschreiber auf ein Blatt Papier und warf dieses in Wertingen in den Briefkasten der Zeitung. „Allerdings nur, wenn wir gewonnen haben“, grinst er über das gesamte Gesicht. Für die Zukunft wünscht sich Ohnheiser, dass er noch oft auf Fußballplätze in der Region gehen kann, um mit Bekannten und Freunden über die guten alten Zeiten zu sprechen. 

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