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„Wäre ein gutes Zeichen gewesen“: Wurde Philipp Barfuß als Dritter Bürgermeister verhindert?

Lauingen

„Wäre ein gutes Zeichen gewesen“: Wurde Barfuß als Dritter Bürgermeister in Lauingen verhindert?

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    Philipp Barfuß bei der Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten. Er wollte Mitte Mai das Amt des Dritten Bürgermeisters übernehmen, doch aus Sicht der CSU gab es Hinderungsgründe.
    Philipp Barfuß bei der Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten. Er wollte Mitte Mai das Amt des Dritten Bürgermeisters übernehmen, doch aus Sicht der CSU gab es Hinderungsgründe. Foto: Hans Gusbeth (Archivbild)

    Es war ein eigentlich unaufgeregtes Prozedere an diesem 12. Mai im Lauinger Sitzungssaal. Als es in dieser Stadtratssitzung, der ersten der Amtsperiode, um die Stellverteter der Bürgermeisterin ging, stapften alle nacheinander zur Wahlkabine und gaben ihre Stimme ab. Markus Hoffmann wurde zum Zweiten Bürgermeister gewählt, Dietmar Bulling sozusagen im Amt des Dritten Bürgermeisters bestätigt. Im Hintergrund aber gab es zuvor offenbar Diskussionen.

    Denn für das Amt des Dritten Bürgermeisters gab es eigentlich einen anderen Interessenten: Philipp Barfuß. Er hatte bei der Bürgermeisterwahl Katja Müller (CSU) herausgefordert. Gleichzeitig trat er auf der SPD-Liste für den Stadtrat an – und erhielt mit 3200 die zweitmeisten Stimmen. In der konstituierenden Sitzung ließ eine Äußerung des neuen SPD-Fraktionsvorsitzenden Dominik Remiger aufhorchen. Als er seinen Vorschlag abgab, sagte er: „Wir haben gleich zwei sehr gute Kandidaten in unseren Reihen. Aufgrund der fehlenden Mehrheitsverhältnisse schlage ich Dietmar Bulling vor.“ Wurde Philipp Barfuß also schon vor der Wahl verhindert?

    Im Hintergrund gab es wohl mehrere Gespräche zwischen CSU und SPD

    In einem Telefonat mit unserer Redaktion, das bereits kurz nach der Sitzung stattfand, bestätigt Barfuß: Er wollte Dritter Bürgermeister werden. „Es wäre für Lauingen ein gutes Zeichen dafür gewesen, dass man zusammenarbeitet“, sagt er. In Lauingen ist es gelebte Tradition, dass die stärkste Fraktion im Stadtrat den Zweiten Bürgermeister stellt, die zweitstärkste Fraktion den Dritten. Zuletzt hieß das, dass SPD und CSU die beiden Posten besetzten. „Es war seit jeher so, dass da nicht reingesprochen wurde“, so Barfuß. Die Posten wurden sich gegenseitig zugestanden, in die Personalien selbst habe man sich nicht eingemischt. „Schade, dass man da jetzt ein Novum geschaffen hat.“ Er sei vorab mit CSU-Vorsitzendem Hoffmann viel in Kontakt gewesen. Ihm sei er „außerordentlich dankbar“.

    Vor der konstituierenden Sitzung gab es offenbar mehrere Gespräche zwischen SPD und CSU zu dem Thema. Allerdings konnte man sich auf die Personalie Barfuß nicht verständigen, wie von verschiedenen Beteiligten zu hören ist. Gleichzeitig betonen alle, von Barfuß über Remiger zu Hoffmann und Katja Müller, dass das Verhältnis zueinander nicht schlecht sei. Und doch hatte die SPD offenbar keine freie Hand.

    Die CSU wollte wohl ein klärendes Gespräch zwischen den Kandidaten

    Dietmar Bulling ist seit etwa 37 Jahren kommunalpolitisch aktiv, er äußert sich so: „Die Mehrheitsverhältnisse für Philipp Barfuß waren nicht da.“ Vor der Sitzung habe die CSU deutlich gemacht, dass man Barfuß aktuell nicht unterstütze. Damit war das Risiko hoch, dass sich andere Fraktionen im Stadtrat dem anschließen. Die CSU/JU hat mit Bürgermeisterin Müller zehn von 25 Stimmen. Hätten sich etwa die Freien Wähler oder die AfD der CSU angeschlossen, wäre die Wahl gescheitert. Dieses Risiko wollte man nicht eingehen. Bulling sagt: „Philipp wäre ein guter Repräsentant gewesen.“ Er bedauere das Verhalten der CSU.

    Der CSU-Fraktions- und Ortsvorsitzende Markus Hoffmann bestätigt die Gespräche im Vorhinein. Bis zur Wahl des Dritten Bürgermeisters am 12. Mai habe es aber nie ein klärendes Gespräch zwischen den Bürgermeisterkandidaten gegeben. „Ich habe mehrere Gespräche geführt in der Hinsicht. Das war ein Punkt, den ich angesprochen habe.“ Der SPD-Wahlkampf sei aus seiner Sicht „in manchen Punkten nicht ganz astrein“ gewesen. Deshalb war aus CSU-Sicht eine Aussprache „mehr als notwendig“. Hoffmann betont auch: „Es ist nicht so, dass wir Mehrheiten für einen eigenen Kandidaten gesucht haben. Wir haben immer gesagt, dass die SPD den Zugriff auf den Dritten Bürgermeister hat.“

    Die Lauinger SPD bewertet den eigenen Wahlkampf nicht als hart

    Bürgermeisterin Katja Müller wiederum erklärt, sie habe sich im Vorhinein nicht in die Absprachen eingemischt, das sei Sache der Fraktionen. Es sei auch das „oberste Prinzip einer Demokratie“, dass es mehrere Vorschläge geben könne. Es gab für beide Stellvertreter-Ämter nur einen. Alle Beteiligten bestätigen zu diesem Zeitpunkt in der Recherche noch, dass es kein klärendes Gespräch gab. Dafür sehe man auch keine Notwendigkeit, war von SPD-Seite zu hören, wohl auch, weil man den eigenen Wahlkampf nicht als hart beurteilt. Barfuß etwa sagt: „Es geht um Lauingen. Das davor war Wahlkampf.“

    Dann aber dreht sich der Wind. Diese Woche hat es ein Gespräch gegeben. Zum Inhalt schweigen die Beteiligten, auch dazu, wer genau teilnahm. Hoffmann sagt lediglich: Die Stimmung untereinander sei geprägt davon, dass man sich gegenseitig schätze und vertrauensvoll zusammenarbeiten wolle. „Mit der Grundlage, die man jetzt hat, ist für die Zukunft nichts ausgeschlossen.“ Die Wogen scheinen sich während dieser Recherche also geglättet zu haben. Und vielleicht wird Philipp Barfuß also doch irgendwann Dritter Bürgermeister.

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