Wahlkampf auf die harte Tour: Die Bürgermeisterkandidaten in Lauingen wollen zu Fuß überzeugen.
Lauingen
Wahlkampf auf die harte Tour: Wie Barfuß und Müller Lauingen von sich überzeugen wollen
Philipp Barfuß und Katja Müller setzen im Wahlkampf auf den Kontakt an der Haustür. Sie bringt den Amtsbonus mit, er einen bekannten Namen. Wie reagieren die Lauinger?
Sie will es bleiben, er will es werden: Katja Müller und Philipp Barfuß bewerben sich für das Lauinger Bürgermeisteramt – und sind dafür beide von Haus zu Haus unterwegs.Foto: Jonathan Mayer
Es ist einer der ersten sonnigen Tage in diesem Jahr. Philipp Barfuß und Dietmar Bulling treffen sich im Wohngebiet bei der Berufsschule in Lauingen. Gemeinsam gehen sie von Haus zu Haus, klingeln, stellen sich vor. Barfuß will am 8. März zum nächsten Bürgermeister gewählt werden. Dafür ist er unterwegs. Jeden Wochentag. Oft bis zu sechs Stunden lang.
Bei den ersten Häusern hat er an diesem Tag keinen Erfolg, die Türen bleiben geschlossen. Nervös wird Barfuß deshalb nicht. Er lässt stattdessen Block und Flyer im Briefkasten zurück. Irgendwann klappt es dann. Die Tür geht auf. „Hallo, mein Name ist Philipp Barfuß. Ich bin der Bürgermeisterkandidat“, sagt er. Die Frau an der Tür grüßt nett, nimmt Block und Flyer entgegen. Dann geht es auch schon weiter. Zeit für lange Gespräche haben die Wahlkämpfer selten. Es warten noch viele weitere Haustüren.
Barfuß hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er will jeden Lauinger Haushalt besuchen. Ungefähr 4500, schätzt er, dürften es sein. Die Hälfte hat er Stand Anfang Februar schon, sagt er. Ihm gehe es darum, sich vorzustellen. Die persönliche Ebene, die Sympathie. Das sei entscheidend.
Barfuß und Bulling – die Namen haben nicht immer harmoniert
Bulling und Barfuß machen gern Späße, wenn die Haustür aufgeht. „Wir wollen Sie nicht überfallen und wir sind auch keine Sternsinger“, sagt Barfuß etwa, der stets selbst klingelt. Viele Lauingerinnen und Lauinger kennen noch den Vater. Und über den hat wohl jeder eine Meinung. Der Name sei ein Türöffner, sagt Barfuß. An einer Haustür guckt ein Mann zunächst etwas verdutzt. „Ach ja, die Barfuß-Buba“, platzt es heraus. Ein anderer sagt: „Ach, der Sohn vom Georg.“
Dass ein Barfuß und ein Bulling gemeinsam unterwegs sind, klingt fast nach Ironie des Schicksals. Bulling wollte einst selbst Bürgermeister werden, trat gegen Georg Barfuß an und verlor. Politisch waren sich die beiden oft nicht einig. Bei Philipp Barfuß ist das anders. Die Lauinger SPD, deren Ortsvorsitzender Bulling ist, hat Barfuß nominiert.
Bei dem 46-Jährigen kommen gelegentlich Kindheitserinnerungen hoch, wenn er durch die Wohngegend geht. Oft kennt er Namen oder Verwandte der Anwohner. Trotzdem sei der Wahlkampf kein Selbstläufer. Er klingelt sogar bei stadtbekannten CSU-Unterstützern. „Ich nehm’ alles mit, Dietmar“, sagt er dann zu Bulling. Und: „Immer mit offenem Visier.“
Vater und Tochter wünschen sich mehr Angebote für die Jugend
Christian Jahnke und seine Tochter Hannah wünschen sich vom Kandidaten, dass mehr für Jugendliche getan wird. In der roten Jacke: Dietmar Bulling.Foto: Jonathan Mayer
Mit Themen und Wünschen wird Barfuß an den Haustüren eher selten konfrontiert, sagt er. An diesem Nachmittag bekommt er zwei Wünsche mit. Einem Herrn geht es um den Galgenberg. Da solle sich was ändern, sagt Barfuß. „Ein Kneippbecken fehlt auch.“ An anderer Stelle sagen Christian Jahnke und seine Tochter Hannah: Es fehle an Angeboten für die Jugend. „Die müssen überall rumlungern.“ Barfuß will da mehr machen, wenn er gewählt wird. Er verweist auf den Johannesfriedhof, der zum Park umfunktioniert werden soll, mit Café und einem „Funpark“. Immer wieder sagen die Menschen an den Haustüren auch ihre Unterstützung zu. „Wir haben nicht gemüllert und wir wollen auch nicht müllern“, sagt eine Frau etwa, die den Kandidaten gleich erkannt hat.
Anderer Tag, anderer Ort. In der Haydnstraße treffen sich Katja Müller, Andi Renner und Doris Rauscher. Erstere will ihr Amt als Bürgermeisterin behalten, letztere wollen für die CSU in den Stadtrat einziehen. Aus dem Kofferraum heraus werden Zuständigkeiten verteilt. Rauscher bekommt Blöcke und Stifte, Renner übernimmt die Gummibärchen-Versorgung, Müller Taschentuch-Packungen mit ihrem Konterfei darauf. Dann geht es los.
Haustür-Wahlkampf in Lauingen: Die Anwohner nennen auch ihre Probleme
Schon an der zweiten Haustür hat das CSU-Trio Erfolg. Eine ältere Frau steht in der Tür, ist erst einmal überfordert. „Ach, die Bürgermeisterin“, bricht es aus ihr heraus. Man witzelt kurz, spricht über die Seniorenwerkstatt vom Vorabend und über den schönen Garten. Einer nach dem anderen darf Geschenke abgeben. Dann geht's weiter. Die drei Wahlkämpfer sind sichtlich gut gelaunt, lachen oft und gern mit den Leuten.
Müller hat einen klaren Amtsbonus. Nahezu jeder erkennt sie, wenn auch manchmal erst auf den zweiten Blick. Vorstellen braucht sie sich fast nie. Sie fragt selten, welche Themen die Menschen bewegen. Verweist aber auf ihre Mailadresse. Da könne man sich melden. Immer wieder wird sie aber aktiv auf Probleme angesprochen. Zwei Mal geht es an diesem Nachmittag um den Winterdienst, der im Wohngebiet nach Ansicht der Anwohner zu spät kam oder den Schnee an den neuen Zaun geworfen hat. Eine Frau beklagt, dass ein öffentlicher Mülleimer abgebaut wurde. Eine andere, dass in der Riedhauser Straße wild geparkt werde. Müller rechtfertigt, erklärt, macht sich Notizen im Handy.
Als sie 2018 zum ersten Mal kandidierte, habe sie bei jedem Haushalt geklingelt, sagt sie. Diesmal ist das anders. Müller geht nur durch manche Straßenzüge und klingelt bei Mehrfamilienhäusern eher stichprobenartig. Mehr sei zeitlich nicht machbar. Wichtig sei ihr das trotzdem. „Ich bin jemand, der nahbar sein will“, sagt sie. Viele von denen, die die Tür öffnen, kennt Müller. Dann ratscht man kurz, ein paar Mal fragt sie nach den Kindern. Auch ihr Privatleben spiele sich inzwischen komplett in Lauingen ab, auch wenn sie in Bachhagel wohnt.
Bürgermeisterin Müller bekommt auch Kritik wegen ihres Wahlkampfs ab
Lola Strobl-Kanis spricht die Wahlkämpfer Müller, Doris Rauscher und Andi Renner auf einen Abfallkorb an, der abgebaut wurde. Außerdem würde sie gern eine „Schwätzlesbank“ spendieren.Foto: Jonathan Mayer
Müller will sich in diesem Wahlkampf zeigen. Viele Termine macht sie selbst, auch der Haustürwahlkampf gehört dazu. Bisher habe sie mehr als 300 Haushalte besucht, schätzt sie. Nicht immer endet das mit Lob. An einer Tür öffnet eine 82-Jährige, CSU-Wählerin. Sie macht dem Trio Dampf. Müller müsse offensiver sein, die CSU endlich Wahlkampf machen. Man habe doch viel erreicht. Die Frau nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Bürgermeisterin lässt die Schimpftirade über sich ergehen, kann sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. „Ja, ich bin halt nicht so offensiv“, sagt sie. Die drei Wahlkämpfer geloben Besserung.
Ein Gebiet, sagt sie, sei ihr in diesem Wahlkampf wichtig: die Haushalte im Josef-Feller-Weg und im Herrgottsruhweg. Viele Anwohnerinnen und Anwohner dort fühlten sich wegen des einst geplanten Tierkrematoriums vor den Kopf gestoßen, initiierten einen Bürgerentscheid. Heute unterstützt manch einer von damals ihren Gegenkandidaten. Auch dort will sich die Bürgermeisterin zeigen.
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