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Schäfer ist schockiert: „Ich wollte es nie wahrhaben, dass hier ein Wolf durchzieht“

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Schäfer ist schockiert: „Ich wollte es nie wahrhaben, dass hier ein Wolf durchzieht“

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    Diese Zwergschafe hat eine Wölfin vor Kurzem in Bächingen gerissen. Vermutlich war sie auf einer Durchreise und wurde kurz nach dem Angriff durch etwas gestört.
    Diese Zwergschafe hat eine Wölfin vor Kurzem in Bächingen gerissen. Vermutlich war sie auf einer Durchreise und wurde kurz nach dem Angriff durch etwas gestört. Foto: AZ/privat

    Fünf Wochen nach dem Schafangriff in Bächingen ist das Rätsel endlich gelöst. Es war tatsächlich ein Wolf. Genauer gesagt eine Wölfin zentraleuropäischer Art. Sie war es, die im Bächinger Schlosspark drei Zwergschafe totbiss und ein viertes schwer verwundete. Zu diesem Ergebnis kommt das Landesamt für Umwelt nach einer Genanalyse. Für die betroffene Schafhalterin und Teile der örtlichen Bevölkerung kommt dieses Fazit unerwartet. „Im Endeffekt waren wir alle überrascht“, sagt Bürgermeister Siegmund Meck.

    Aufgrund mehrerer Indizien waren sie nicht von einem Wolf ausgegangen und befürchteten, es könne sich um einen frei laufenden Hund gehandelt haben. Zum Beispiel wiesen die Schafe keine Fressspuren auf und nicht weit entfernt wurde eine Schafherde mit mehreren Dutzend Tieren in Ruhe gelassen. Allerdings wiesen Experten darauf hin, dass ein durchziehender Wolf praktisch aus dem Nichts auftauchen kann, weil er in einer Nacht mühelos bis zu 70 Kilometer zurücklegt. Diese zweite Variante sollte sich bewahrheiten.

    Bürgermeister: „Es besteht keinerlei Gefahr für die Bevölkerung“

    Im Landkreis Dillingen ist bis heute kein anderer Riss von Rehen oder sonstigem Wild durch ein Wolf bekannt. Das bestätigt die Kreisjägervereinigung unserer Redaktion. Im näheren Umfeld auf der württembergischen Seite sind ebenfalls keine Berichte von Schafsrissen eingegangen. Wie es scheint, ist also jene Wölfin zwischen Samstagabend und Sonntag (18. und 19. April) durch Bächingen gekommen, bemerkte die Schafe im Schlosspark, watete durch den Fluss Brenz, biss die Schafe, fraß nicht von ihrem Fleisch und zog dann weiter. Dass sie über die Mauer im Schlosspark sprang, gilt als unwahrscheinlich.

    In Bächingen wussten die Betroffenen lange nicht, ob ein frei laufender Hund oder ein Wolf die Zwergschafe gerissen hat.
    In Bächingen wussten die Betroffenen lange nicht, ob ein frei laufender Hund oder ein Wolf die Zwergschafe gerissen hat. Foto: Arne Dedert, dpa (Symbolbild)

    Als fünf Wochen später das Gen-Ergebnis feststand, informierte das LfU die Halterin und den Bürgermeister. Das war am vergangenen Freitag. Noch am selben Tag rief Meck die örtlichen Schafhalter an. Diese hätten zum Teil schockiert auf die Wolfs-Nachricht reagiert. Meck, dessen Vater einst selbst Schafe hielt und der entsprechend vernetzt ist, kann sich nicht daran erinnern, jemals etwas von einem Wolf in der Brenzgemeinde gehört zu haben. Er möchte jedoch betonen: „Es besteht keinerlei Gefahr für die Bevölkerung.“ Wölfe seien im Grunde scheu und gingen den Menschen aus dem Weg.

    Schäfer über Wolfsmeldung: „Das hätte ich nie geglaubt“

    Der Bächinger Reinhard Kramer ist einer der wenigen Vollzeit-Wanderschäfer, die es heute noch in Bayern gibt. Er ist derzeit mit mehreren hundert Schafen bei Blaubeuren unterwegs. Als er die Nachricht hörte, musste er erst einmal schlucken. „Ich wollte es nicht wahrhaben, dass hier, wo kein Wald ist, ein Wolf durchzieht und Tiere reißt. Das hätte ich nie geglaubt“, sagt er unserer Redaktion. Auch diese Punkte hatten gegen die Wolfs-Variante gesprochen: Um Bächingen gibt es kaum Wald. Erst in Medlingen und Gundelfingen wieder.

    Schäfer Kramer möchte künftig noch stärker in seinen Schutz investieren und zieht in Erwägung, ein stärkeres Stromgerät für den Betrieb der Elektrozäune zu kaufen. Für ihn wird das mehr Arbeit sein, wenn er von Tag zu Tag weiterzieht und den Herdenschutz jedes Mal neu aufstellt.

    Auch er hat in der Umgebung bislang von keinen Wolfsangriffen gehört. Wie er berichtet, würden aber mehr Schafhalter auf höhere Zäune umsteigen – üblich sei inzwischen eine Höhe von 105 Zentimetern (statt 90 Zentimetern). Der Fall Bächingen lehre auch Folgendes: Ein Fluss als natürliche Weidegrenze reiche offensichtlich nicht aus. Man müsse künftig darauf achten, dass auch die Seite zum Wasser von einem Elektrozaun begrenzt ist.

    Immerhin: Schäfer können Prämien beim Freistaat anfordern

    Was dem Wanderschäfer helfen könnte, ist eine Prämie des Freistaats Bayern. Kommt es zu einem bestätigten Wolfsangriff, fördert der Freistaat die Anschaffung von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden in einem Umkreis von zehn Kilometern, wie das LfU auf seiner Webseite schreibt. Bächingen dürfte deshalb als ein sogenanntes „Ereignisgebiet“ vermerkt werden. Detaillierte Informationen zu den Förderrichtlinien könne man beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen-Wertingen anfragen, wie ein Sprecher auf Nachfrage erklärt.

    Andreas Brandl, der Vorsitzende der Kreisjägervereinigung, kann sich gut vorstellen, dass die Wölfin längst davon ist. Dass sie offenbar abseits größerer Waldflächen marschierte, wundert ihn nicht sonderlich. Möglich ist, dass die Wölfin auf der Suche nach einem neuen Revier war, Hunger bekam und vor Ort durch irgendetwas gestört wurde. Das wäre eine Erklärung dafür, dass sie nichts gefressen hat. Die „Individualisierung“ – also die Untersuchung nach dem Einzeltier – ist laut LfU im Bächinger Fall noch nicht abgeschlossen. Eins ist schon jetzt klar: Tilly, Schoko, Püpi und Emma – so hat die Schäferin die vier Zwergschafe genannt – sind auf eine Weise verendet, wie man sie im Kreis Dillingen sonst nur aus Märchen und den Nachrichten kannte.

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