Donauwörth Auch in Zeiten der Gleichberechtigung haben Frauen im Berufsleben oft Nachteile gegenüber Männern. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen in Nordschwaben im Schnitt 2116 Euro brutto im Monat – dass sind rund 800 weniger als beim anderen Geschlecht, so Claudia Wolfinger, Chefin der Agentur für Arbeit in Donauwörth. Männer werden demnach durchschnittlich mit 2933 Euro entlohnt. Neben der Wahl von grundsätzlich weniger hoch bezahlten Jobs macht sich Wolfinger zufolge auch der Karriereknick durch die Babypause deutlich bemerkbar.
Die Vertreter der Behörde wissen aber auch, dass sich unter den Tausenden von Frauen aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen, die einen sogenannten Minijob haben, viele gerne mehr Stunden tätig sein würden. Die Bemühungen der Agentur, die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, waren das Thema bei einem Besuch von Ralf Holtzwart, Leiter der Agenturen in Bayern, in der Donauwörther Dienststelle.
Die startete im Juli ein Projekt namens „Impuls“, das laut Holtzwart „Modellcharakter“ im Freistaat hat. Davon profitieren sollen nach Auskunft von Verena Klaus – sie ist bei der örtlichen Agentur die Beauftragte für Chancengleichheit – ungelernte Kräfte. Um ihnen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu verschaffen, wurden die 15 Teilnehmerinnen zunächst vier Wochen lang durch Bewerbungs- und Vorstellungstraining sowie EDV-Schulung „fit gemacht“ für die weitere Stellensuche. In einem zweiten Block sollen nun die Kenntnisse in verschiedenen Bereichen erweitert werden: Lager, Handel, Verkauf oder Hotel und Gaststätten. Ein zweiwöchiges Praktikum in einem Betrieb runde die Maßnahme ab, die vormittags stattfinde. Zwei der Frauen sind laut Verena Klaus schon nicht mehr dabei: Sie bekamen bereits einen Job.
Arbeitslose Frauen könnten jederzeit noch in den Kurs einsteigen. Die Sommerferien sollten kein Hinderungsgrund sein. Kinder werden im bfz – dieses ist Träger des Projekts – während der Schulung der Mütter von Sozialpädagogen betreut.
Abgesehen von dem Projekt in Nordschwaben machte der Chef der Regionaldirektion Bayern auch grundsätzlich auf den drohenden Fachkräftemangel aufmerksam und stellte klar, dass Betriebe hier verstärkt Frauen im Blick haben sollten. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wären beispielsweise Mini-Joberinnen „eine schnell zu akquirierende Personalressource“.
Angesichts der Tatsache, dass im Freistaat 48 Prozent der arbeitslos gemeldeten Frauen eine betriebliche oder schulische Ausbildung haben und 6,7 Prozent sogar einen akademischen Abschluss, appellierte Ralf Holtzwart an alle Unternehmen, die qualifizierte Fachkräfte benötigen, „diesen Frauen eine Chance zu geben und mit flexiblen Arbeitszeitmodellen neue Ressourcen zu erschließen“.
Rechtzeitig überlegen
Monika Wechsler-Burg, an der Regionaldirektion Bayern für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt zuständig, pflichtete da bei. Sie rät den Firmen, schon jetzt zu überlegen, wie sie Frauen trotz Babypause an den Betrieb binden können. (wwi)