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Buchdorf: Corona: Die Impf-Odyssee einer 82-jährigen Buchdorferin

Buchdorf

Corona: Die Impf-Odyssee einer 82-jährigen Buchdorferin

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    Rosa Blattner (82) hat wochenlang versucht, geimpft zu werden.
    Rosa Blattner (82) hat wochenlang versucht, geimpft zu werden. Foto: Wild

    Rosa Blattner ist nicht die Sorte Seniorin, an der der technische Fortschritt vorbeigezogen ist. Sie ist 82 Jahre alt, lebt selbstständig in Buchdorf, bekommt ihre E-Mails per Push-Nachricht aufs Handy. Sie weiß, wie man ein Navigationsgerät bedient und wie man im Internet eine Reise bucht. Man kann sagen: Rosa Blattner ist auf zack. Für sie ist es eigentlich keine große Sache, einen Impftermin zu buchen. Doch in der Praxis stellt sich alles ganz anders dar.

    Sie besitzt ein Smartphone, schreibt fast täglich einem ihrer vier Kinder oder sieben Enkel oder Urenkel eine Nachricht über den Dienst WhatsApp. Ihre Familie lebt quer über Deutschland verteilt, und sie alle wundern sich: Warum ist die Oma eigentlich noch nicht geimpft? Mit 82 Jahren gehört sie doch zu der Gruppe der deutschen Bevölkerung, die als Erstes dran sein sollte. Und von der es immer wieder heißt, es seien schon alle dran gewesen.

    Frage war nicht ob, sondern wann sie ihre Corona-Impfung bekommt

    Die Buchdorferin ist ein Beispiel, wie man sich verheddert auf dem Weg zum Impftermin: Registrierung im Internet, Rücksprache im Impfzentrum, Probleme beim Impfstoff selbst und durchaus auch die persönliche Situation spielen mit rein. Es gleicht einem Hindernislauf. Rosa Blattner wird es bis ins Ziel schaffen. Die Frage ist nur, wann – und wie viel Kraft es sie noch kostet.

    Begonnen hat alles am 2. Februar. Die rüstige Seniorin registriert sich über die bayerische Terminsoftware BayImco. Die Abkürzung steht für „Bayerisches Impfmanagement gegen Corona“. Bewusst hat sie gewartet, bis der Termin online ausgemacht werden kann. Sie hat ja eine eigene E-Mail-Adresse. Die Impfhotline des Landkreises, die schon im Dezember für einige Tage geschaltet war, hat sie gar nicht angerufen. Sie registriert sich online. Die Zeit des Wartens beginnt.

    Die Schwester von Rosa Blattner hat die Spritze bereits erhalten

    Gegen Ende Februar meldet sie auch ihre Schwester über ihren Account an. Die ist 88 Jahre alt und technisch nicht ganz so fit. Das ganze Prozedere von der Registrierung über die Terminauswahl bis zur Bestätigung diverser Codes und dem Ausdruck des „Impfbogens für die Mitnahme zur Erstimpfung“ – das übernimmt Rosa Blattner für ihre Schwester. Erfolgreich. Die ist mittlerweile geimpft – nächste Woche steht die Zweitimpfung an. Rosa Blattner wartet noch.

    Ende Februar sieht die Buchdorferin, die seit gut einem Jahr eigentlich nur noch zum Einkaufen aus dem Haus geht, abends die Tagesschau und ist empört. Dort hört sie, dass jetzt alle Bürger über 80 Jahre als geimpft gelten. Sie schreibt sogar an die Redaktion.

    Am 10. März kommt dann eine erlösende E-Mail. Sie erhält einen Impftermin für den 16. März. Und sie weiß auch schon, wann die Zweitimpfung stattfindet. Das Problem wird jetzt nur: Ihr Impfstoff ist AstraZeneca, und am Tag ihres Termins im Donauwörther Impfzentrum darf genau dieses Vakzin gar nicht mehr gegeben werden.

    Und dann kommt die nächste Absage

    Es ist genau die Phase, in der mögliche Nebenwirkungen des Serums nochmals geprüft werden. Rosa Blattners Termin wird storniert. Doch sie muss nicht lange warten. Schon am 16. März hat sie kurzzeitig einen Impftermin für den ersten Impfsonntag im Landkreis, den 21. März. Doch diese Hoffnung wärt nur kurz, nämlich etwa zwei Stunden. Dann kommt auch hier die Absage.

    Am 19. März aber, AstraZeneca ist wieder freigegeben, gibt es erneut elektronische Post: Am Samstag, 20. März, um 20.30 Uhr, darf Rosa Blattner ins Impfzentrum nach Donauwörth kommen und sich impfen lassen. Alles gut – könnte man meinen.

    Doch da kommt die persönliche Situation der Seniorin ins Spiel. Sie fährt zwar selbst Auto, aber sie sieht am Abend nicht mehr so gut. Sie hat ein massives Problem mit der Hüfte und wird in wenigen Wochen in Wertingen operiert. Abends sind die Schmerzen besonders schlimm. Da kann sie nicht mehr sitzen. „Also wollte ich diesen Termin absagen, aber ich wusste gar nicht wie“, sagt Blattner.

    Sie ruft alle Corona-Nummern an, die sie kennt

    Sie ruft an jenem Samstagnachmittag alle Nummern durch, die sie zum Thema Impfen kennt. Erfolglos. Am Ende klingelt sie bei der 116117 durch. Sie erklärt der Dame am Ende der Leitung, „die nicht einmal weiß, wo der Donau-Ries-Kreis überhaupt liegt“, dass sie heute nicht mehr körperlich in der Lage ist, zum Impfen zu kommen. Der Termin verstreicht. Und dann wartet Rosa Blattner wieder.

    Sie wird ungeduldig, meldet sich neu an bei BayImco. Sie bekommt einen Termin für den 26. März um 16.30 Uhr. Sie ist glücklich – bis auch dieser Termin storniert wird. Warum, weiß Blattner nicht genau. Sie ruft an im Impfzentrum Donauwörth, dort kann niemand ihren Termin am gestrigen Freitagnachmittag nachvollziehen. Irgendwie scheint es mit dem nicht wahrgenommenen Abendtermin am 20. März zusammenzuhängen. „Ich weiß nicht, wer sich dieses System ausgedacht hat“, sagt Blattner. „Aber der war irgendwie nicht von dieser Welt.“

    Die Erlösung am Freitag: „Endlich bin ich auch dran“

    Und während sie das sagt, piepst schon wieder das Handy. 30 Minuten hat sie Zeit, um den Impftermin zu bestätigen. Fünf Minuten, um einen gültigen Code einzutippen. Jetzt hat sie ihn schon wieder: den Impftermin. Es ist ihr fünfter. Am 3. April.

    Aber sie braucht ihn nicht mehr. Denn sie hat dem Terminchaos ein Ende bereitet und ist am Freitagnachmittag um 16.30 Uhr ins Impfzentrum gefahren. Mit Erfolg. Rosa Blattner, 82 Jahre, ist gestern geimpft worden. „Vier Wochen habe ich um diese Spritze gekämpft“, sagt sie. „Endlich bin ich auch dran.“

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