Wenn die Firma Eurocopter in Donauwörth neue Produkte vorstellt, sind meist Superlative zu hören. Das war auch am gestrigen Freitag so. Das Unternehmen hatte gleich drei Gründe zum Feiern: Zum Ersten wurde nach nur einjähriger Bauzeit ein neues, gewaltiges Gebäude eingeweiht, zum Zweiten werden darin künftig die völlig neuartigen Passagiertüren für den Airbus A 350 gefertigt und zum Dritten bekam Eurocopter für dieses Produkt von der Bundesinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ einen Preis überreicht.
Von einem „vorgezogenen Weihnachtsgeschenk“ sprach Dr. Wolfgang Schoder, Geschäftsführer von Eurocopter Deutschland. „Wir schreiben heute Geschichte am Standort Donauwörth“, erklärte er bei dem Festakt in den noch leeren Produktionshallen des Gebäudes C4 (siehe auch „Wissenswert“) direkt neben der Hauptzufahrt ins Werk. Bislang seien Flugzeugtüren aus Metall gefertigt worden, jetzt finde der Wechsel zu Kohlefasern statt. Dies sei „ein wichtiger Technologiesprung“.
Vollzogen wird dieser am A 350, den Airbus in absehbarer Zeit auf den Markt bringen will. Eurocopter zeichnet für die Türen und Tore für die Maschinen verantwortlich. Jedes Exemplar soll acht Passagiertüren und drei Frachttore erhalten. Für die Zulieferung zeichnet Eurocopter verantwortlich. Die mit Airbus geschlossenen Verträge basieren darauf, dass in den kommenden Jahren Türen und Tore für 800 Flugzeuge dieses Typs geliefert werden. Das finanzielle Volumen beziffert die Firma auf rund 1,5 Milliarden Euro. Während die Passagiertüren komplett von Eurocopter in Donauwörth hergestellt werden, entstehen die Frachttore in Südkorea.
Besondere Herausforderungen zu bewältigen
Das Projekt sei gegen einige konzerninterne Widerstände durchgesetzt worden, berichtete Schoder. Der dankte allen Beteiligten für „ihren unermüdlichen und hohen Einsatz“, der weit über dem liege, „was wir erwarten“. Eine termingerechte Erfüllung des Auftrags sei für die Firma eminent wichtig. Um den Kostenrahmen einzuhalten und die mit der neuen Bauart angestrebte Gewichtsreduzierung zu erreichen (sie liegt dem Vernehmen nach bei etwa 20 Prozent), seien besondere Herausforderungen zu bewältigen. Mit dem beim Hubschrauberbau bereits vollzogenen und nun beim Airbus vorgesehenen Wechsel zu Kohlefasern sei die Luftfahrt „wieder einmal Vorreiter“.
Der A 350 werde „das modernste Flugzeug seiner Klasse sein“, kündigte Andreas Leege an. Er ist bei Airbus der zuständige Programmleiter für die Türen und Tore. Weil der komplette, 66 Meter lange Rumpf nicht mehr aus Metall, sondern auch leichteren Kohlefasern konstruiert werde, reduziere sich der Kerosinverbrauch voraussichtlich um 25 Prozent. Auch der Geräuschpegel werde bei den Maschinen wesentlich niedriger. Neue Maßstäbe würden im A 350 auch in Sachen Komfort gesetzt.
„Eurocopter ist ein wichtiger Partner für Airbus“, sagte Leege. Die Türen seien im Vergleich zum ganzen Flugzeug zwar vergleichsweise klein, „sind aber so wichtig wie das Leitwerk oder die Flügel“. Denn: „Ohne sie geht es nicht.“ In den kommenden Monaten soll laut Leege im französischen Toulouse der erste A 350 zusammengebaut werden.
Alle drei Stunden ein Exemplar
Die erste Passagiertür aus der Serienfertigung bei Eurocopter war gestern im neuen Gebäude ausgestellt. Bis dort die komplette Produktion läuft, werden den verantwortlichen Managern Andrea Bugar und Dr. Michael Rehmet zufolge noch einige Monate vergehen. Wenn die Fertigung einmal auf vollen Touren laufen wird, muss nach Angaben von Standortleiter Wilhelm Roßkopf alle drei Stunden eine Tür fertig werden, um den Auftrag zu bewältigen.
Den Preis der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ überreichte Thomas Stahl von der Deutschen Bank. Eurocopter setze mit den Kohlefasertüren ein „weltweites Zeichen für Innovation“. Stahl weiter: „Solche Projekte brauchen wir, um den Standort Deutschland zu stärken.“