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Auszeichnung: Ein Wächter der jüdischen Kultur

Auszeichnung

Ein Wächter der jüdischen Kultur

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    Der jüdische Friedhof am Hühnerberg bei Harburg. Er wurde 1671 angelegt und gehört zu den größten in Bayerisch-Schwaben.
    Der jüdische Friedhof am Hühnerberg bei Harburg. Er wurde 1671 angelegt und gehört zu den größten in Bayerisch-Schwaben. Foto: Wolfgang Widemann

    „Das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man gibt.“ Diesen Satz des Erzbischofs von Konstantinopel des vierten Jahrhunderts zitierte Landrat Stefan Rößle, als er in einer Feierstunde in seinem Amtszimmer Friedrich Thum aus Harburg im Namen des Bundespräsidenten den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verlieh.

    „Das ist eine große Ehre“, freute sich der 78-Jährige, der sich um den Erhalt des Andenkens und der Kultur des jüdischen Friedhofs in Harburg verdient gemacht habe, wie Rößle ausführte. Menschen wie Thum seien es, die dem Landkreis ein Gesicht geben. „Menschen mit Gestaltungskraft und Kreativität, Menschen mit Visionen, die die Mühen der Umsetzung nicht scheuen.“ Thum hinterlasse bleibende Spuren.

    Allgemeine Wertschätzung werde Thum zuteil, wenn er beispielsweise durch den jüdischen Friedhof führe, der seit 1671 existiert. Thum, so der Landkreis-Chef habe sich für das Gemeinwohl eingesetzt, das Miteinander in der Gesellschaft gefördert. Darauf dürfe er stolz sein. Bereits Thums Vater und Großvater hatten sich um das gute Erscheinungsbild des jüdischen Friedhofs in der Burgstadt gekümmert, nunmehr seit 1909 also in der dritten Generation.

    Die Betreuung des Friedhofs hatte Thum bereits als Kind begleitet und später von seinem Vater übernommen. Seit über 40 Jahren setzt er sich dafür ein. Geschätzt sei Thums enormes Fachwissen über den jüdischen Friedhof und über das Judentum in Schwaben. Er führe unentgeltlich viele Besuchergruppen über den Friedhof. Außerdem lasse er unbürokratisch Einzelbesucher, die zum Teil aus Israel oder den Vereinigten Staaten kämen, die Gräber ihrer Vorfahren besuchen.

    Thum vertritt außerdem zusammen mit Bürgermeister Wolfgang Kilian die Stadt Harburg im Netzwerk Historischer Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben. Das Netzwerk hat sich 2004 unter der Federführung des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben als Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Erinnerungsorte gebildet und es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an das einstige jüdische Schwaben zu pflegen und die Spuren zu bewahren.

    75 Gulden hätten fünf Juden, die 1671 nach Harburg gekommen waren, für einen halben Morgen Land am Hühnerberg bezahlt, um einen Friedhof anzulegen. 1745 sei dann ein Taharahaus (Leichenhalle) hinzugekommen. Da viele jüdische Gemeinden der Umgebung anfangs keinen eigenen Friedhof gehabt hätten, seien auch Tote aus Mönchsdeggingen, Ederheim und Alerheim in Harburg beerdigt worden. Dies alles wusste Fritz Thum zu berichten. Wenigen war bekannt, dass der jüdische Glaube es verlange, dass ein Grab an einem Tag ausgehoben werden müsse und nicht länger als 24 Stunden offen sein dürfe.

    Die letzte Ruhestätte eines Juden gehöre diesem auf Ewig, führte Thum aus, weshalb an gleicher Stelle in gleicher Erde später kein anderer beerdigt werden dürfe. Die auf manchen der meist arg verwitterten Grabmälern liegenden Steine sollen symbolisieren: „Ich denke an dich“.

    Als 1831 die Cholera im Ries wütete, verboten Groß- und Kleinsorheim die Durchfahrt des Mönchsdegginger Leichenwagens zum Harburger Judenfriedhof am Hühnerberg. So legte die jüdische Gemeinde am Ort einen eigenen Friedhof mit Taharahaus an. Dieser sei im Dritten Reich nicht angetastet worden, weil ihn dessen Verwalter Johann Friedrich Wiedemann 1939 gekauft und zum „arischen Besitz“ erklärt habe, so Fritz Thum.

    Der Geehrte berichtete aus den Annalen: Als wichtigste bauliche Erinnerung an die jüdische Geschichte gilt neben dem Friedhof das Gebäude der 1841 durch den einheimischen Maurermeister Georg Mittring erbauten Mikwe (rituelles Bad). Der quaderförmige, eingeschossige, beheizbare Bau ist restauriert und heute im Besitz der Gemeinde Mönchsdeggingen.

    Erster Gratulant für die Auszeichnung war nach Landrat Rößle Jiono Pollak, der Vorsitzende des Landesverbandes der Israelitischen Kulturgemeinden in Bayern. Dem kleinen Festakt wohnte außerdem Harburgs Bürgermeister Wolfgang Kilian bei.

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