Oberndorf 39 Jahre lang war Rupert Mayinger mit Leib und Seele Wirt im Gasthaus Zur Krone in Oberndorf. 39 Jahre lang war er ständig in engem Kontakt mit Menschen, hat Tausende Gäste kommen und gehen sehen, hat unzählige Feste miterlebt.
Die Erinnerungen sind vielfältig. „Eine schöne Zeit“, sagt er rückblickend. Vor etwas mehr als vier Jahren hat Mayinger, damals 70-jährig, einen Schlussstrich gezogen. Mit zunehmendem Alter wurde ihm die Arbeit zu viel. Im Herbst 2007 hat er die Wirtschaft, die seit 1919 im Besitz seiner Familie ist (siehe Infokasten), verpachtet.
Schwer gefallen sei ihm der Abschied nicht, sagt er. Vor allem deshalb, weil keine Zeit zum Nachdenken blieb. „Am 31. Oktober 2007 sind wir raus und einen Tag später war der neue Mann drin“, erinnert sich Mayinger. Der „neue Mann“ hatte die Wirtschaft für fünf Jahre gepachtet, möchte sich nun aber beruflich verändern und verlängert den Vertrag daher nicht. Mitte des vergangenen Jahres hat Mayinger davon erfahren – und ist seitdem auf der Suche nach einem Nachfolger. Bislang ohne Erfolg.
Das Gasthaus, unmittelbar neben der Kirche am neu gestalteten Dorfplatz, hat für Oberndorf besondere Bedeutung. Das Areal sei „absolut ortsbildprägend“, sagt Bürgermeister Hubert Eberle. Doch nicht nur deshalb ist der Rathauschef daran interessiert, dass die „Krone“ – im Volksmund wegen der Besitzerfamilie fast ausschließlich „Mayinger“ genannt – eine Zukunft hat. Die Wirtschaft ist die Anlaufstelle schlechthin für die Oberndorfer Vereine. Lediglich die Schützen und der VfB haben ein eigenes Heim, wobei auch die Sportler nach ihren Auswärtsspielen oftmals in dem Lokal in der Ortsmitte einkehren.
„Kontinuität ist wichtig“, sagt Eberle. Sollte das Gasthaus für längere Zeit leer stehen, würden sich die Vereine wohl eine andere Bleibe suchen. „Dann wird es schwer, sie zurückzubekommen.“ Auch die Gemeinde hält viele ihrer Veranstaltungen dort ab. Wenn die Zukunft des Hauses früh geklärt ist, so der Bürgermeister, wäre das für alle von Vorteil: Inhaber Rupert Mayinger, die Gemeinde, die Vereine, die Bürger – und auch den Nachfolger.
Für Letzteren hat Mayinger ein grobes Anforderungsprofil im Auge. „Jemand, der kochen kann“, sagt der 74-Jährige. Und „ein echter Wirt“ sollte es sein – vom Fach und umgänglich. „Man braucht schon ein Gespür für Menschen und Situationen“, ergänzt Bürgermeister Eberle. In Wirtshäusern könne es schon mal heiß hergehen.
Auch das hat Mayinger in seinen vielen Jahrzehnten als Wirt zuhauf erlebt. „Es gibt so viele Geschichten, die kann man gar nicht alle im Kopf behalten“, sagt der Eigentümer des Hauses. Auch der Bürgermeister verbindet mit dem Haus zahlreiche Erinnerungen. Im Laufe der Jahre hat er aber einen Wandel festgestellt.
„In meiner Anfangszeit in Oberndorf – das war vor 26 Jahren – war die Gaststätte zum Beispiel am Donnerstagabend immer voll“, sagt Eberle. Mittlerweile aber hätten sich die Reihen etwas gelichtet. Der Trend, sich eher privat zu treffen, nehme zu, so Eberle. Dadurch hätten die Dorfwirtschaften als zentrale Anlaufstellen an Bedeutung verloren. Dennoch hält er es für wichtig, dass die Bürger die Möglichkeit haben, in geselliger Runde zusammenzukommen. Sollte kein Käufer und auch kein Pächter gefunden werden, werde man sich zusammensetzen, so Eberle, mit Rupert Mayinger und auch den örtlichen Vereinen.
„Dann brauchen wir ein Konzept, das es momentan nicht gibt.“ Oberndorf ohne das beliebte Gasthaus in der Ortsmitte – mit diesem Gedanken kann sich der Bürgermeister nicht anfreunden. „Es ginge einfach ein Stück dörfliche Kultur verloren“, sagt Eberle. Und hat damit Recht.