Von seiner Leidenschaft erzählt der junge Mechaniker , der die sechste Klasse des Gymnasiums Wertingen besucht, mit einer Selbstverständlichkeit, die überrascht. Als wäre es völlig normal, dass ein Zwölfjähriger völlig eigenständig einen Oldtimer renoviert. "Im Moment arbeite ich an einem Sunbeam Talbot 1600 Ti", erklärt er und streicht sich dabei eine blonde Strähne aus dem Gesicht. "Da, die Bremsscheibe habe ich gerade gesandstrahlt und neu lackiert." An der Wange hat er etwas Schmutz abbekommen, auch die Nasenspitze ist schwarz.
Wie ein richtiger Mechaniker sieht er aus: Er steckt in einem blauen Overall, über der Brust prangt auf einem weißen Aufnäher in großen Buchstaben sein Name. So erzählt er von seinen Anfängen. Im Alter von zwei Jahren ist er bereits in der Werkstatt herumgestapft und hat sich mit großem Interesse an den Reparatur-Arbeiten beteiligt. Mit drei Jahren hat er seinem Papa dabei zugeschaut, wie der einen Zylinderkopf zerlegt hat. Und schon da konnte er sich offensichtlich nicht zurückhalten: "Ich war ganz schön ölverschmiert." Der damals Dreijährige hatte bereits in der Werkstatt feilen dürfen und wollte alles über die Arbeiten wissen. "Er hat viele Frage gestellt", erinnert sich sein Vater Kurt Schnuse. "Manchmal so viele, dass mir der Kopf gebrummt hat."
Die Leidenschaft wurde ihm vererbt
Zwei Jahre später, also mit fünf Jahren, hat sich Maxi selbst an einen Zylinderkopf gewagt. Und mit sechs Jahren hatte er bereits ein Motorrad. "Benzin im Blut", sagt der Papa. Kurz und knapp. Und das bringt es auf den Punkt. Die Leidenschaft für Autos und Motorräder, für den Geruch von Öl und Benzin und für das stundenlange Schrauben hat er geerbt. Opa Schnuse hat die Werkstatt 1949 gegründet, dem Papa Kurt Schnuse gehört die Werkstatt, der ältere Bruder Kurt-Andre ist dort Kfz-Meister und Maxis Mutter Martina kümmert sich um das Büro. "Alles in unserer Familie dreht sich ums Auto", resümiert das Familienoberhaupt. Nur auf die Tochter Theresa mit 15 Jahren ist der Benzin-Funke noch nicht über gesprungen. Apropos Funke: Ist das nicht gefährlich?
"Ach", lächelt Martina Schnuse. "Sobald er draußen ist und Fußball spielt oder Ski fährt, verletzt er sich. In der Werkstatt ist noch nie was passiert." Außerdem passen nicht nur die beiden älteren Schnuse-Männer, sondern auch die anderen Mechaniker auf den jungen Spross auf, der ja schon Zeit seines Lebens zum Mechaniker-Team dazugehört. Aber zurück zu dem Talbot Sunbeam, an dem er schraubt. Das 31 Jahre alte Auto stand jahrelang auf dem Parkplatz, im vergangenen Sommer hat es Maxi in die Werkstatt geholt.
Wenn Maxi Ersatzteile braucht, mailt er nach England
Das Problem: Es gibt keine Autoteile mehr von dem Oldtimer, da das Auto seit 1981 nicht mehr hergestellt wird. Also ist er auf Suche gegangen, zunächst in der Region, dann im Internet. Einen Händler aus England hat der Zwölfjährige per E-Mail angeschrieben und den Deal klar gemacht. Der zehn Jahre ältere Bruder ist daraufhin nach England gefahren und hat Kotflügel und Handbremsseile abgeholt - damit den Restaurierungsarbeiten nichts im Wege steht. Schwierigkeiten wie das Problem der Passgenauigkeit von englischen und deutschen Autoteilen meistert Maxi laut Erzählungen seines Vaters mit links: So schneidet er das englische Zoll-Gewinde einfach nach, damit eine deutsche Schraube mit Zentimeter-Maß passt. Nur das Schweißen und die Arbeiten, die viel Kraft verlangen, muss der Papa übernehmen. Andere handwerkliche Disziplinen, zum Beispiel das Sandstrahlen, kann Maxi so gut, dass er mittlerweile in einer eigenen Kabine die Sandstrahl-Arbeiten für das gesamte Team übernimmt. Der Talbot Sunbeam ist nicht Maxis erstes großes Projekt; von August 2009 bis vergangenen Monat hat er ein Mofa, eine Honda Camino von 1980, hergerichtet. Die war nach einem Unfall "ganz schön ramponiert", also hatte der Zwölfjährige vor, "erstmal nur den Motor zu richten".
Dann wollte er noch den Vergaser reinigen, dann hat er noch das Fahrgestell runter genommen, dann wurde es plötzlich immer mehr, und ehe er sich versah, war das Mofa komplett restauriert und strahlte in neuem Glanz. Sogar das Einspeichen, also das Einsetzen der Speichen in die Räder, hat er selbst übernommen. "Und das können nur die Wenigsten", so der Vater stolz.
Das Mofa läuft jetzt also, aber wirklich damit fahren darf Maxi Schnuse noch nicht. Dafür ist er noch zu jung. Er muss sich mit dem Fahrrad begnügen. Für ihn ziemlich nervig. "Alles, was keinen Motor hat, ist doch völlig uninteressant." Er hat bereits einen Oldtimer auserkoren, den er pünktlich zu seinem Führerschein fertig restauriert haben will. Und für das Erwachsenenalter hat er auch schon einen Berufswunsch. Welchen, braucht wohl nicht mehr erwähnt werden ...