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Landfrauentag Harburg

13.02.2020

Landesbischof Bedford-Strohm: Zuversicht in unruhigen Zeiten

Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender und bayerischer Landesbischof, unterstrich in Harburg die tragende Rolle der Zuversicht für die Gesellschaft.
Bild: Thomas Hilgendorf

Plus EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm fordert beim Landfrauentag in Harburg mehr Gemeinschaftssinn und gegenseitigen Respekt - und er widerspricht einem aktuellen Trend entschieden.

Martin Luther stünden die Haare zu Berge, wenn er an dieser Stelle läse: „Deutschlands oberster Protestant zu Gast in Harburg“; oder gar: „Der Chef der evangelischen Kirche“. Im evangelischen Milieu sind die Hierarchien gemeinhin flach, genauer gesagt gibt es ja nur einen Chefposten – und zwar den von Gottvater, Gottessohn und Heiligem Geist. Gott wieder mehr Vertrauen zu schenken, gerade in den momentanen Zeiten des Wandels, darauf wies der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag beim Landfrauentag des Bauernverbandes in der Harburger Wörnitzhalle mit Nachdruck hin. Dass erhebliche Veränderungen in der Gesamtgesellschaft ebenso zu spüren sind wie im Speziellen in der Landwirtschaft, das betonten sämtliche Redner. Doch trotz aller aktueller Unsicherheiten war „Zuversicht“ das große Schlagwort dieses Festtages.

Zeit des Auftankens und Nachdenkens

Die Kulisse war auch für einen Landesbischof imposant. 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen zum Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Kreis Donau-Ries. Es musste nachbestuhlt werden in der, wie Bürgermeister Wolfgang Kilian einleitend betonte, frisch sanierten Wörnitzhalle. Keine Frage, mit Bedford-Strohm war heuer wieder ein theologisches Schwergewicht als Gastredner gekommen. „Zuversicht“ war sein Thema – und was die Lage der unter einem Mehr an Auflagen und wirtschaftlichem Druck ächzenden Landwirte anbelangt, schienen Redner und Überschrift ziemlich passend gewählt gewesen zu sein.

Mehr als nur die vorbereiteten Sitzplätze in der Wörnitzhalle waren beim Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes besetzt – es musste nachbestuhlt werden.

Kreisbäuerin Ruth Meißler unterstrich, dass die Landwirtinnen an ihrem Festtag eine Zeit des Auftankens und des Nachdenkens haben sollten. Sie plädierte für mehr Respekt vor dem Beruf des Bauern, vor den erzeugten Lebensmitteln: „Wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems.“ Landwirte pflegten die Natur, sie bestellten die Felder, und die meisten lebten voller Achtung mit und von der Schöpfung. Die Gesamtgesellschaft müsste erkennen, dass es in Sachen Ressourcenverbrauch ein Weiter-so nicht mehr geben könne. Die Debatte aber nur an einigen Gruppen wie den Bauern aufzuhängen, sei ebenso unfair wie respektlos.

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Die Kirche muss "überall in der Gesellschaft da sein"

Bedford-Strohm knüpfte daran an und lieferte sogleich einiges zum Nachdenken: „Jeder muss einen Beitrag leisten zum Erhalt der Schöpfung – auch der Verbraucher.“ Die „Kultur des Anprangerns“ müsse ein Ende finden. Verbraucher und Landwirte müssten sich „echt“ begegnen, im richtigen Leben und nicht als unversöhnliche Feinde in den sozialen Medien.

Derweil analysierte der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, dass die Gemeinschaften vor Ort wie Kirchen und Vereine zwar „schwächer“ würden, weil die Menschen in der pluralen Gesellschaft oft nicht mehr nur für eine Gruppierung allein lebten – aber darin bestünde eben auch eine Chance: Aufgrund der Vernetzungen der Menschen sei die Möglichkeit, sich gegenseitig zu helfen, oftmals ungleich größer als zu früheren Zeiten. Und: „Man bleibt heute nicht nur im eigenen Milieu hängen. Das Gemeinschaftsleben ist vielfältiger als früher.“ Für die Kirche bedeute dies, dass sie „überall in der Gesellschaft da sein muss“. Eine abgeschottete Käseglocken-Mentalität der Kirchen und der Christen, nur weil sich derzeit viel wandle, sei abzulehnen.

Gegen die "Erregungskultur"

Bedford-Strohm wies auch einen übertriebenen Vergangenheitsoptimismus zurück. Nein, früher sei nicht alles besser gewesen. Er machte dies auch am Beispiel der großen Kirchen fest. Früher hatte man auf dem Papier mehr Mitglieder – aber waren sie alle immer mit dem Herzen dabei? Das Evangelium Jesu als erlösende Botschaft solle aus einer Freiheit heraus verkündet werden, nicht aus Zwang.

Das Evangelium und der christliche Glaube an sich widersprächen indessen einer „Erregungskultur“, die überall nur das Schlechte vermute. Die christliche Lehre widerspräche ebenso einer Kultur der Extreme. Sie stehe hingegen für Gottvertrauen, solidarische Hilfe, Dialog und eine „Grundperspektive der Zuversicht“. Das gelte für die Gesamtgesellschaft ebenso wie im Speziellen für die Landwirtschaft und deren Kritiker. Er mahnte an, dass auch von den vielen guten Erlebnissen im Alltag verstärkt Zeugnis gegeben werden müsse. Auch so lerne man, „aus der Dankbarkeit heraus zu leben“. Jeder sei Gott zu Dank verpflichtet, denn keiner lebe „aus sich selbst heraus“.

Landesbischof pocht auf die Pflege der regionalen und lokalen Kultur

Im Bezug auf die Schöpfung gelte es, wieder genauer hinzusehen, um dann mehr Dankbarkeit zu zeigen. Der Landesbischof pochte auch auf die Wichtigkeit der Pflege der regionalen und lokalen Kultur, um eine geistlose „globale Einheitskultur“ zu verhindern. Traditionspflege sei im digitalen Zeitalter „wichtiger denn je“. Der Bezug zur Heimat widerspreche nicht dem Gebot der Offenheit Fremden gegenüber; ein Migrant in bayerischer Tracht sei ein passendes Bild für ein gelingendes Miteinander.

Kantor Hans-Georg Stapff und die Dekane Neuner und Heidecker (von links).

Unterdessen luden der evangelische Dekan Johannes Heidecker und sein katholischer Amtsbruder Robert Neuner gemeinsam zum Ökumenischen Kirchentag vom 15. bis 17. Mai in Donauwörth ein. Auch sie unterstrichen in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit des Miteinanders – Christen aller Konfessionen seien dazu aufgerufen, Salz der Erde zu sein und sich „nicht gegenseitig die Suppe zu versalzen“, so Heidecker.

Am Rande des Landfrauentages argumentierte EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm in die gleiche Richtung: Es gebe nur einen Jesus Christus für alle Christen – keinen rein katholischen oder rein evangelischen. Er sei zuversichtlich, dass „ein neuer Geist der Gemeinschaft“ entstehe. In seiner Rede schloss Bedford-Strohm mit den vielsagenden Worten des christlichen Märtyrers Dietrich Bonhoeffer, der 1945 von den Nazis ermordet wurde: „Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar: Bedford-Strohm spricht starke Worte, die nachwirken

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