Donauwörth/Harburg Sie sind scheu, leben die meiste Zeit verborgen im Wald und lassen sich am ehesten frühmorgens oder abends auf Wiesen oder Äckern am Rande des Forsts blicken. Wer Glück hat, kann im Bereich der Orte Harburg, Mauren, Schaffhausen, Rohrbach und Großsorheim auf diese Tiere treffen, die in der Region exotisch sind: Mufflons. Vor allem die Widder mit ihren schneckenartig gedrehten Hörnern – diese können bis zu 80 Zentimeter lang werden – fallen auf. Während sich Jäger und mancher Naturliebhaber am Anblick der Wildschafe erfreuen, sind sie den Landwirten und vielen Waldbesitzern ein Dorn im Auge. Grund: Die Tiere, die in Rudeln auftreten, fressen auch gerne die Rinde von Bäumen oder grasen Getreidefelder ab.
Seit einigen Jahren sorgt das Thema immer wieder für Ärger unter den verschiedenen Interessengruppen. Nun sind die Verbissschäden so groß geworden, dass der Vorstandschaft der Waldbesitzervereinigung Nordschwaben (WBV) regelrecht der Kragen geplatzt ist. „So geht es ja nicht“, wetterte Vorsitzender Alois Michel (Harburg) einer Pressemitteilung zufolge in einer Sitzung der WBV-Führung, „es ist genau so gekommen, wie wir es vorausgesagt haben“. Die Schäden an den Baumrinden seien jetzt da und das sei erst der Anfang: „Der kleine Waldbesitzer kann dann wieder schauen, wo er bleibt – und ähnlich wie beim Rehwild wird er auf Kosten und Schäden sitzen bleiben.“
Vorwürfe gegen Behörde
Michel prangert in diesem Zusammenhang die Untätigkeit des Landratsamts an. An diesem ist die zuständige Untere Jagdbehörde angesiedelt. Diese unternehme nichts gegen die nach Ansicht der WBV unerlaubt ausgesetzte Wildart.
Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Gabriele Hoidn, Pressesprecherin des Landratsamts, jedoch, dass man nun sehr wohl tätig werde. Die Jagdbehörde beabsichtige angesichts der starken Schälschäden an den Bäumen, die Mufflons im Bereich des südlichen Riesrands erlegen und „aus der freien Wildbahn entnehmen zu lassen“. Die entsprechende Anordnung solle zunächst für drei Jahre gelten. Schonzeit hätten nur noch Altschafe. Alle anderen Mufflons dürften dann ganzjährig geschossen werden. Die Verhinderung der Schäden auf Feldern und in Wäldern sei vorrangig gegenüber der Bildung einer Hegegemeinschaft, erläutert Gabriele Hoidn die Entscheidung. Die Interessenverbände könnten der Behörde bis 20. Mai eventuelle Bedenken mitteilen.
Die Mufflons leben in der genannten Gegend erst seit einigen Jahren – seit einige Tiere dem Vernehmen nach aus einem Gehege im fürstlichen Wald nahe Eisbrunn ausbrachen. Die Wildschafe vermehrten sich. Wie viele es inzwischen sind, weiß niemand genau. Augenzeugen beobachteten schon Rudel von 40 bis 50 Tieren.
Die WBV betont, dass sie schon im Frühjahr 2009 eine Exkursion in die Gegend von Eichstätt unternommen habe, um auf die Schäden von Mufflons hinzuweisen. Wenig später habe es eine Besprechung im Landratsamt in Donauwörth gegeben. Dabei hätten sich die WBV und der Bayerische Bauernverband für einen Totalabschuss der Schafe ausgesprochen. Die Jägerschaft habe einhellig mögliche Schäden nahezu ausgeschlossen. Das fürstliche Haus Wallerstein wirbt auf seiner Unternehmensseite im Internet mit Text und Bild, dass „gelegentlich“ auch Mufflons „in wunderbaren Waldkulissen“ bejagt werden könnten.
Dem WBV zufolge sprachen sich aber auch alle Jagdgenossenschaften in der Region Harburg/Mönchsdeggingen gegen die Einbürgerung der Mufflons und die dazu erforderliche Errichtung einer Hegegemeinschaft aus. Vonseiten der Behörden sei jedoch seitdem nichts geschehen.
Virus auf Rinder übertragen?
Ungeachtet der Schäden auf Äckern und im Forst seien die Schafe offensichtlich auch dafür verantwortlich, dass einem Landwirt in Schaffhausen fünf Rinder verendeten. Nach Angaben von Dr. Ekhard Selzle, Leiter des Veterinäramts in Donauwörth, waren mindestens zwei dieser Rinder an Katarrhalfieber erkrankt, die anderen drei seien nicht untersucht worden. Das Virus werde wohl vom Schaf auf das Rind übertragen. Da in Schaffhausen keine Schafe gehalten würden, liege der Verdacht nahe, dass die Krankheitserreger über das Futter von Wiesen am Waldrand in den Stall gelangten. In zwei von acht erlegten Mufflons sei das Virus nachgewiesen worden.
Die WBV erinnert zudem daran, dass Mufflons eigentlich an felsenreiche Lebensbedingungen angepasst seien. Weil der Boden in den hiesigen Wäldern weich sei, litten die Tiere vielfach unter krankhaften Schalenformen (Klauen).