Kaisheim-Altisheim An den von mächtigen Kopfweiden eingerahmten Tümpeln fliegt im Sommer die Gefleckte Smaragdlibelle. Im dichten Schilfgürtel nistet die Zwergdommel, in uralten, mächtigen Eichen ist der Baumfalke zu Hause und im Auwald kriecht die Auenhaarschnecke. Dieses Naturparadies ist das Überbleibsel einer großen Schleife der Donau, die einst bis an den Hang bei Altisheim und Leitheim reichte. Inzwischen befindet sich der regulierte Fluss einige Hundert Meter weiter südlich in der Ebene. Geblieben ist ein schwer zugängliches Feuchtgebiet, das – was allgemein wenig bekannt ist – unter Naturschutz steht. „Es zählt zu den wertvollsten Altwasserzonen in Schwaben“, berichtet der Biologe Martin Königsdorfer.
Das rund 60 Hektar große Reservat, das offiziell „Altwasser Leitheim“ heißt, ist jedoch in Gefahr. Weil es von der Donau abgeschnitten ist, verlanden die Tümpel immer mehr. Nach dem Willen des Regionalentwicklungsvereins Donautal-Aktiv soll sich dieser Zustand in absehbarer Zeit wieder ändern. Im Rahmen eines großen Naturschutzprojekts namens „DonAuwald“ besteht die Möglicheit, das Altwasser zu sichern und sogar zu verbessern. Dies sei freilich ein aufwendiges Unterfangen, so Projektmanager Königsdorfer.
Voraussichtlich bis zu zehn Millionen Euro stehen bereit, um die Donau und ihre Auen in den Landkreisen Donau-Ries, Dillingen und Günzburg wieder naturnäher zu gestalten (siehe auch „Wissenswert“). Träger der möglichen Maßnahmen im Donau-Ries-Kreis ist der Verein Donautal-Aktiv. Der stellte bei einer Veranstaltung in Altisheim der Bevölkerung – besonders den betroffenen Grundstückseigentümern – das Vorhaben im Bereich des Leitheimer Altwassers vor.
Das Problem dort ist laut Königsdorfer, dass es keinen Zufluss von der Donau gibt. Der Plan der Naturschützer: In das nördliche Flussufer auf Höhe Altisheim könnte eine „Kerbe“ geschlagen werden, über die das Wasser zeitweise wieder in Richtung Altwasser fließt, dieses „durchströmt“ und neu belebt.
Zwischen Ausleitung und den noch bestehenden Tümpeln müsste eine etwa 800 Meter lange Rinne geschaffen werden. Diese folgt der einstigen Flussschleife. Die ist auf diesem Abschnitt in den vergangenen Jahrzehnten zwar weitgehend verlandet und verfüllt worden, zeichnet sich im Gelände aber noch immer ab. Die Rinne, die teilweise wieder ausgebaggert werden müsste, wäre laut Königsdorfer circa fünf bis zehn Meter breit.
Statistisch gesehen habe die Donau viermal pro Jahr jeweils für mehrere Tage einen so hohen Pegel, dass frisches Wasser über die Rinne zu dem ursprünglichen Flusslauf gelangen und bei Graisbach wieder in die Donau zurückfließen könnte. „Es wäre eine historische Chance, das Altwasser zu bewahren“, meint der Biologe. Die Maßnahme würde sich kostenmäßig sicher im sechsstelligen Bereich bewegen. An der Ausleitung wäre ein Bauwerk nötig, mit dem die Menge des Wassers geregelt werden kann. Denn: „Wir müssen darauf achten, dass landwirtschaftliche Nutzflächen nicht geschädigt werden.“
Freiwillige Maßnahme
Bei dem Projekt handle es sich um eine freiwillige Maßnahme, betont Königsdorfer: „Es funktioniert nur, wenn die Eigentümer der Grundstücke entlang der Rinne mitmachen.“ Das sind rund 30. Bei der Informationsveranstaltung in Altisheim sei die erste Resonanz insgesamt durchaus positiv gewesen, berichtet der Projektmanager. Es habe aber auch einige kritische Stimmen gegeben.
In den nächsten Wochen und Monaten werden nun Gespräche mit den einzelnen Grundstückseigentümern geführt, um herauszufinden, ob die Areale für die Rinne gekauft oder mit einer Grunddienstbarkeit versehen werden können. In letzterem Fall wäre eine einmalige Entschädigungszahlung möglich.
Bis März 2012 soll nach Auskunft von Martin Königsdorfer eine Firma konkrete Pläne und Kostenschätzungen vorlegen. Bis dahin soll auch geklärt werden, ob der Erhalt des Leitheimer Altwassers angepackt werden kann. Dieses wäre gerade am Fuße des Schlosses mit dem künftigen Hotel für sanften Tourismus geeignet, so Königsdorfer. Es könnten Beobachtungspunkte und -wege angelegt werden.