Mit vier Mitarbeitern, vier Kindern und einem einzelnen Raum hat vor 25 Jahren die Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJPP) in den Kliniken St. Elisabeth in Neuburg begonnen. Zunächst gab es lediglich eine Ambulanz mit wenigen tagklinischen Plätzen. Daraus ist eine eigenständige, vollversorgende Hauptabteilung mit Tagklinik und Station gewachsen, in der rund 100 Menschen arbeiten. Am Donnerstag, 27. April, feiert die Einrichtung ihr Jubiläum bei einem Festakt.
Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie startete am 1. Februar 1992 auf Initiative des damaligen Chefarztes der Kinderklinik als Kleinstabteilung integriert in die Pädiatrie. Astrid Passavant, heute Chefärztin, wurde schon ein paar Monate nach der Eröffnung der Ambulanz als Fachärztin eingestellt. Noch im selben Jahr kam die Tagklinik dazu und die Abteilung wurde auf ein ganzes Stockwerk ausgeweitet. 1993 konnten bereits 15 Patienten versorgt werden.
2003 wurde die Kinderstation eröffnet für Sechs- bis 13-Jährige, 2006 die Jugendstation für ab 14-Jährige – inklusive geschlossenem Bereich. Mittlerweile gibt es 30 Betten auf der Kinder- und Jugendstation. Die Abteilung sei allerdings schon länger permanent überbelegt, sagt Astrid Passavant. Es bestehe Aufnahmepflicht und der Bedarf nehme zu, erklärt die Chefärztin. Eigentlich sei bereits im vergangenen Jahr eine Erweiterung auf 36 Betten beschlossen worden, doch dieses Vorhaben sei noch nicht umgesetzt worden. Die Kinder und Jugendlichen, die in der Station aufgenommen werden, haben einen festen Tagesablauf, erzählt Astrid Passavant: Sie werden zwischen 6.30 und 7 Uhr geweckt, dann geht es zum Frühstück.
Diejenigen, die in der Lage dazu sind, besuchen ab 8.30 Uhr die Klinikschule. Wer nicht mehr schulpflichtig ist, für den besteht die Wahl, an einer Arbeitstherapie teilzunehmen. Zwischendurch und in der Freizeit stehen Einzel- und Gruppentherapiesitzungen an. Außerdem gibt es Sportangebote. Ab und zu müsse aber auch ein bisschen Langeweile sein, findet die Chefärztin, damit die Kinder und Jugendlichen sich mit sich selbst beschäftigen oder auch einmal eigenständig auf andere zugehen.
Wie Astrid Passavant berichtet, sei bei den Kindern eine der vorherrschenden Krankheiten ADHS. Diese Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung werde in der Regel ambulant behandelt. Ursache bei den Jugendlichen dafür seien meist Depressionen, emotionale Störungen, Überlastungen und Essstörungen. Auffällig sei, dass die Depressionen, die Selbstverletzungen und vor allem die Mediensucht bei den Betroffenen deutlich zunähmen, sagt die Chefärztin. Außerdem würden die typischen Jugenderkrankungen, wie etwa Essstörungen, immer häufiger schon im Kindesalter auftreten.
Geht es nach Astrid Passavant, würde die Abteilung nicht nur um Betten, sondern auch um Spezialangebote wachsen. Die Chefärztin könnte sich vorstellen, sowohl in den Bereich der Eltern-Kind-Behandlungen als auch in die Betreuung von Suchtpatienten stärker einzusteigen. Wünschenswert wäre nach Passavants Ansicht auch eine Alterszwischenstation für Kinder, die früher pubertieren, und Jugendliche, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind.
Doch die Umsetzung dieser Ideen sowie die geplante Erweiterung hängen von den Vorstellungen des neues Trägers der Kliniken Sankt Elisabeth, der Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.V. (KJF), ab.