Rain-Unterpeiching: Sondengeher machen einmaligen Fund bei Unterpeiching
Rain-Unterpeiching
Sondengeher machen einmaligen Fund bei Unterpeiching
Auf einer Wiese nahe des Rainer Stadtteils kommt eine echte Rarität zum Vorschein: eine Münze, die es gar nicht mehr geben sollte. Was es damit auf sich hat.
12.03.21 - aktualisiert:
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Das Stadtarchiv Rain besitzt nun eine Dienstmedaille aus der Zeit des Königreiches Bayern. Bürgermeister Karl Rehm (Mitte) erhielt von Finder Philipp Röger (rechts, mit Tochter Ella) das Silberstück und von Florian Riehl (links) eine Dokumentation über die historische Einordnung des Fundes.
Seine vierjährige Ella ist eigentlich gerne dabei, wenn ihr Vater Philipp Röger über die Felder geht. Kürzlich hatte sie gerade zur Heimfahrt gedrängt, als die Sonde ihres Vaters auf einer Wiese von Josef Mayr bei Unterpeiching anschlug. Schnell suchte er noch nach dem Grund der Anzeige. Hätte er voreilig kehrt gemacht, wäre eine Rarität womöglich weitere Jahrzehnte in der Erde geschlummert.
Zum Vorschein kam eine ovale Medaille – auf der einen Seite ein Wappen, auf der Gegenseite der Schriftzug „GEMEINDE UNTER-PEICHING“. Florian Riehl, der ebenfalls mit der Sonde ging, und Röger starteten zuhause sofort ihre Computer und hatten das Geheimnis gemeinsam schnell gelüftet. Es war das Dienstzeichen des Gemeindevorstehers von Unterpeiching im Zeitraum 1849 bis 1869.
Stadt Rain ist Rechtsnachfolger der Gemeinde Unterpeiching
Für Röger und Grundstücksbesitzer Mayr war sofort klar, dass sie das gute Stück der korrekten Stelle überlassen – der Stadt Rain als Rechtsnachfolger der Gemeinde Unterpeiching. Bürgermeister Karl Rehm traf sich mit den drei Sondergängern angesichts der Kontaktbeschränkungen dann gleich im Freien – nahe dem Fundort. Röger hat das gute Stück gereinigt und in ein Etui gegeben, Riehl übergab dem Bürgermeister das Ergebnis ihrer Recherchen – eine sechsseitige Dokumentation über die Bürgermeister-Dienstzeichen im Königreich Bayern.
Die vom Unterpeichinger Gemeindevorsteher von 1849 bis 1869 getragene Dienstmedaille wurde in fünf Zentimeter Tiefe auf einer Wiese gefunden. Foto: Riehl
Beide betonten unisono zwei Grundsätze zu ihrem Hobby: Vor Feldbegehungen holen sie stets das Einverständnis des Grundstücksbesitzers ein und erkundigen sich im Denkmal-Atlas Bayern über geschützte Bereiche.
Das Dienstzeichen des „Gemeindevorstehers“
Das Unterpeichinger Dienstzeichen gehörte dem „Gemeindevorsteher“, so die anfängliche Amtsbezeichnung in den „Landgemeinden“ (bis 1835 Ruralgemeinden genannt) des Königsreiches Bayern. Das erste derartige Zeichen gab es nach der Gemeindebildung 1818, erkennbar an zwei gekreuzten Schwertern auf dem königlichen Wappen. Mit der Änderung des Wappens gab es ab 1835 den „Typus 2“ ohne die Schwerter – so einen fand Röger. Der Unterpeichinger Fund wurde aber frühestens 1849 geprägt, denn erst in jenem Jahr bewilligte das Innenministerium auf Drängen des Dorfes die Loslösung von Oberpeiching.
1869 wurde dieses Dienstzeichen von einer nunmehr runden Medaille mit dem Konterfei von König Ludwig II. abgelöst; Anlass war die neue Gemeindeordnung, die aus den Gemeindevorstehern nun „Bürgermeister“ machte. Ludwig II. wurde über seinen Tod hinaus weiter getragen, weil auf Prinzregent Luitpold kein neues Dienstzeichen geprägt wurde.
Was den Unterpeichinger Fund so besonders macht
Die Ablösung kam erst im Dezember 1915 mit König Ludwig III. – drei Jahre vor dem Ende der Monarchie. Die Richtlinien über Bürgermeistermedaillen von 1930 waren unverbindlich und in jüngerer Zeit haben sich frei gestaltete Amtsketten der Gemeindeoberhäupter durchgesetzt.
Die vom Unterpeichinger Gemeindevorsteher von 1849 bis 1869 getragene Dienstmedaille wurde in fünf Zentimeter Tiefe auf einer Wiese gefunden. Foto: Riehl
Was macht den Unterpeichinger Fund so besonders, mag man bei einst über 7000 Gemeinden fragen. Die Ausführung „1835-1869“ ist pro Gemeinde ein Unikat gewesen und schon deshalb heute selten, weil sie nicht von allen Gemeinden erworben wurde.
Das Schicksal der Münze dürfte einmalig sein
Und wer sie besaß, musste sie im Austausch gegen die neue Medaille von 1869 zurück geben – zur Einschmelzung im Münzamt. Die wenigen „Überlebenden“ blieben durch die geschichtlichen Wirren von 1918 bis 1945 teilweise in Gemeindebesitz, vereinzelt gelangten sie in Familienbesitz und einzelne sind verschollen. Das Schicksal der Unterpeichinger Münze, die mitunter bis zu 150 Jahren unter der Grasnarbe lag, ist – so die zwei Hobbyforscher bei der Übergabe – so gesehen bisher wohl einmalig.
Im Landkreis Aichach-Friedberg besitzen sieben Gemeinden noch die Bürgermeister-Medaille von 1869 (Ludwig II.), also die Nachfolgerin des Unterpeichinger Dienstzeichens. Von den nach Rain eingegliederten zehn Orten gibt es keine weiteren offiziellen Kenntnisse, ob die Medaillen des Königreiches überhaupt erworben wurden und wenn ja, wo sie verblieben sind. (dz)