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Vortrag: Daiting war steinreich

Vortrag

Daiting war steinreich

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    Der Fossilienexperte Helmut Tischlinger (links) überreicht Daitings Bürgermeister Johann Roßkopf eine originalgetreue Nachbildung eines sehr seltenen Knochenfisches, der nach seinem Fundort benannt ist. Seine wissenschaftliche Bezeichnung: Daitingichthys tischlingeri ARRATIA (gefunden in den Mörnsheimer Schichten von Daiting).
    Der Fossilienexperte Helmut Tischlinger (links) überreicht Daitings Bürgermeister Johann Roßkopf eine originalgetreue Nachbildung eines sehr seltenen Knochenfisches, der nach seinem Fundort benannt ist. Seine wissenschaftliche Bezeichnung: Daitingichthys tischlingeri ARRATIA (gefunden in den Mörnsheimer Schichten von Daiting).

    Daiting Auf der ganzen Welt ist für Fossiliensammler Solnhofen ein fester Begriff – auch, aber nicht nur wegen des berühmten Urvogels, des Archaeopteryx. Dass sich aber auch 15 Kilometer südlich des Altmühltals in Steinbrüchen des Juradörfchens Daiting Fossilienfriedhöfe befinden, die vor 150 Jahren den weltweiten Ruf Solnhofens begründeten, dies ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Ein weltweit anerkannter Fossilienexperte, Dr. Helmut Tischlinger, hat vor zwei Jahren die „vergessene Fundstätte Daiting“ ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt, als er den „Daitinger Urvogel“ als achten seiner Art (von insgesamt zehn) der Fachwelt präsentierte. Vor rund 70 Daitinger Bürgern, die sich zu seinem Vortrag im Sportheim eingefunden hatten, hat nun Tischlinger aufgezeigt, dass die Fundstelle Daiting weit mehr als diese eine „Sensation“ zu bieten hat.

    Eigentlich war die Fossillagerstätte Daiting ein Nebenprodukt, denn als man sich hier vor 200 Jahren in den Boden arbeitete, galt diese Arbeit nicht der Suche nach Plattenkalken, sondern dem sogenannten „Bohnerz“, das man dann nach Obereichstätt beförderte, wo es verhüttet wurde. Vereinzelt nur einen halben Meter, meist aber nach fünf oder sechs Metern Abbau des erzhaltigen Bodens stieß man dabei auf Plattenkalkschichten, die vor 150 Millionen Jahren zum Friedhof für Krokodile, Flugsaurier, Fische, Schlangenechsen, Ammoniten und eben jenen achten Archaeopteryx geworden sind.

    Im Zeitraum von 1800 bis etwa 1850 sind in Daiting Versteinerungen ans Tageslicht gekommen, die damals vom Pappenheimer Landarzt Karl Häberlein und von Graf Münster, Bayreuth, gesammelt wurden und heute in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie in München, im Eichstätter Jura-Museum, aber auch in London im Britischen Naturkundemuseum zu besichtigen sind. Hinweise auf die Fundstelle Daiting wird man in diesen Museen aber selten finden.

    Anderem Fundort zugeordnet

    Wie Helmut Tischlinger ausführte, sind die Daitinger Exemplare schon Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr ihrem eigentlichen Fundort zugeordnet worden, sondern wurden nach einem „Monheimer Intermezzo“ – der Monheimer Dr. Schnitzlein war als örtlicher Aufkäufer für Graf Münster präsent – einfach Solnhofen zugeschlagen. Als gegen 1858 der Erzabbau in den Daitinger Gruben eingestellt wurde, weil finanziell nicht mehr rentabel, versank die Fossillagerstätte Daiting, so Tischlinger, „in einen hundertjährigen Dornröschenschlaf“.

    Erst ab 1958 wurden im zu Straßenbaumaßnahmen angelegten Steinbruch die Kalkplatten wieder abgebaut, wobei im Anschluss daran die beiden Fossiliensammler Wolfgang Hänel (bis 1975) und Peter Ernst (von 1973 bis 1988) durchaus erfolgreich waren. 1988 war dann wieder Schluss damit, und der letzte zugängliche Steinbruch am Meulenhardt (in Richtung Natterholz), der als bereits eingetragenes Geotop eigentlich geschützt werden sollte, wurde sogar zugeschüttet. Für Helmut Tischlinger ein weiteres trauriges Kapitel der Fossillagerstätte Daiting, die sich mit ihren Versteinerungen von Krokodilen und Flugsauriern mit ihren berühmteren Nachbarn im Altmühltal durchaus messen kann. Der von Tischlinger wissenschaftlich bearbeitete achte Archaeopteryx (er ist jetzt in der Bayerischen Staatssammlung aber für Paläontologie ausgestellt, sein Finder ist unbekannt) sieht zwar für Laien wenig spektakulär aus, ist für Paläontologen umso interessanter, weil es das erdgeschichtlich jüngste Exemplar seiner Art ist (wenn man bei einem Alter von 149 Millionen Jahren von „jung“ sprechen kann). Es ist Tischlingers Verdienst, dass dieser Urvogel seinem Fundort Daiting zugeordnet wird.

    Voraussichtlich ändert dies aber nichts daran, dass Daiting als Fossillagerstätte weiterhin nur ein Schattendasein führen wird. Vor etwa zehn Jahren wurde zwar wieder ein Steinbruch aufgemacht, doch das Vorhaben, diesen als Besuchersteinbruch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, scheiterte daran, dass es dafür von Leader Plus kein Geld gab.

    Somit bleibt es dabei: Während sich im südlichen Mittelfranken Solnhofen, Langenaltheim, Mörnsheim, Pappenheim und Treuchtlingen in Sachen Tourismuswerbung als die „Steinreichen 5“ zusammengetan haben, bleibt die schwäbische Juragemeinde Daiting hier außen vor, ist wie seit nunmehr 200 Jahren das Stiefkind der Fossillagerstätten.

    Doch wenigstens die Daitinger, die zu Helmut Tischlingers informativen Vortrag ins Sportheim gekommen sind, wissen nun, welche fossilen Schätze aus Daitings Erde ans Tageslicht gekommen sind. (ltt)

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