Sebastian Hayd ist drittbester im Elektrohandwerk. Auch die Arbeit am PC gehört mittlerweile zum Beruf dazu.Foto: Imke Rauhut
Bei Sebastian Hayd aus Ebermergen ging alles Schlag auf Schlag: Im Vergangenes Jahr erst schloss er seine Ausbildung zum Elektriker ab. Dann nominierte man ihn für die Deutsche Meisterschaft im Handwerk und wenig später stand er auch schon mit den Besten der Besten zur Siegerehrung auf der Bühne. Hayd belegte den dritten Platz im Elektrohandwerk. Damit hatte er nicht gerechnet. Und das, obwohl der 20-Jährige schon vorher einiges geleistet hatte.
Wenn Hayd von der Meisterschaft erzählt, klingt das sehr locker, als ginge es nur um einen kleinen Wettkampf und nicht um Europas größten Berufswettbewerb, wie es auf der Website des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) heißt. Doch Hayds Gelassenheit sollte man nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln. Es sei „schon ganz cool“, deutschlandweit „der Drittbeste“ zu sein, obwohl er eigentlich „null damit gerechnet“ habe. „Also ich habe mir jetzt da keinen großen Druck oder irgendwas gemacht“, sagt er.
Sebastian Hayd schloss die Ausbildung zum Elektriker in nur zwei Jahren ab
Man könnte Sebastian Hayd auch als „Überflieger“ bezeichnen. Die Ausbildung zum Elektriker dauert üblicherweise dreieinhalb Jahre. Doch weil er mit 17 Jahren sein Fachabi abschloss, konnte Hayd das erste Lehrjahr überspringen und die Ausbildung später nochmal um ein halbes Jahr verkürzen. „Das habe ich auch noch gar nicht bedacht, dass du natürlich um eineinhalb Jahre verkürzt hast“, sagt Martin Widemann, Geschäftsführer von Elektro Widemann, zu seinem ehemaligen Azubi, „und dann wirst du Drittbester Deutschlands.“
Martin Widemann (rechts) ist mächtig stolz auf seinen ehemaligen Azubi.Foto: Imke Rauhut
Dass Hayd die Gesellenprüfung ohne Probleme bestehen würde, daran bestand kein Zweifel. „Dass er dann so gut wird und immer weiterkommt, damit kann man eigentlich gar nicht rechnen“, gibt Widemann zu. An der Deutschen Meisterschaft im Handwerk treten laut ZDH Absolventinnen und Absolventen aus 130 verschiedenen Gewerken an. Wer teilnehmen darf, entscheide sich bei der Gesellenprüfung. Die jeweilige Innung und Handwerkskammer nominieren den Absolventen dann für die Meisterschaft auf der Landesebene. Nur wer hier den ersten Platz belegt, kommt weiter zur Meisterschaft auf Bundesebene.
Hayd programmierte schon vor der Ausbildung Bus-Systeme für Smart-Homes
Sich auf die Prüfungen vorzubereiten, sei nicht einfach gewesen, erklärt Hayd. Bis auf die Gesellenprüfung gab es keinerlei Anhaltspunkte oder Informationen, an denen man sich orientieren konnte. Für Widemann komme es hingegen auf den Charakter des jungen Elektrikers an: „Bei ihm sind es der Eigenantrieb, sein Wissen, sein Können und dass er sich einfach rein arbeitet, wenn es ein Thema in der Elektrik ist, das ihn interessiert.“
Über ein sogenanntes "Bus-System" kann man Geräte in einem Smart-Home vernetzen. Ein solches System ist auch im Elekto-Fachgeschäft in Ebermergen ausgestellt.Foto: Imke Rauhut
Was Hayd ausmache, sei auch sein Interesse für Elektrik im Privatleben. Bevor er mit der Ausbildung begonnen habe, habe Hayd bereits Bus-Systeme, also die Steuerung für Smart-Homes, programmiert. Hayd erzählt, dass er schon als Kind bei seinem Vater auf der Arbeit dabei war. „Dass es mal etwas Handwerkliches werden sollte, war eigentlich schon immer klar.“ Im Gegensatz zu seinem Vater entschied Hayd sich schließlich für die Elektronik. „Das kann ich gar nicht so genau beschreiben. Mich hat es irgendwie schon seit ich ganz klein war immer interessiert“, erklärt er.
Zusätzlich würden sich viele immer noch lieber für die Universität, statt für die Ausbildung entscheiden. „Es war eine Zeit lang so, dass es hieß: Geh studieren, sonst wirst du nichts. Das wird besser mittlerweile“, sagt Widemann. Als Hayd an der FOS sein Fachabitur machte und sich gegen das Studium entschied, sei er damit auf viel Unverständnis bei den Lehrkräften gestoßen. „Ich wollte einfach etwas mit den Händen machen“, erklärt Hayd, „Ich könnte es mir jetzt einfach nicht vorstellen, mich in irgendeine Uni rein zu hocken.“
Für Hayd war das die bessere Entscheidung. Jetzt kann er in der Firma in Ebermergen weiterarbeiten, Bus-Systeme programmieren, PV-Anlagen installieren und auch den einen oder anderen Schlitz klopfen. Ach ja, und drittbester Elektrohandwerker Deutschlands ist er ja schließlich auch noch geworden...
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