In einem Container erleben die Atemschutzträger verschiedener Feuerwehren, wie sich ein Brand entwickelt - und warum sie besonders auf den Rauch achten sollten.Foto: Imke Rauhut
Es ist pechschwarz im Container. Das Feuer am anderen Ende ist kaum noch zu sehen. Dunkle Rauchschwaden haben sich davor geschoben. Plötzlich funkt es an der Decke: Flammenzungen entstehen - der Rauch ist kurz davor, sich zu entzünden. Jetzt heißt es schnell handeln. Wenn die Feuerwehrleute den Brand nicht bald unter Kontrolle bekommen, kommt es zu einem „Flash-Over“.
Dann brennen alle Oberflächen im Raum, erklärt Tobias Schmidt. Der Leiter des Atemschutzes der Freiwilligen Feuerwehr Harburg betreut heute die Brandschutzübung am Schießhaus. Das Angebot richtet sich vor allem an die Feuerwehren in Harburg und den Ortsteilen Mauren, Mündling und Heroldingen. Die restlichen Plätze wurden an den Landkreis vergeben. Die acht jungen Männer, die heute an der Übung teilnehmen, kommen aus Harburg, Heroldingen, Donauwörth und Leitheim.
Viele Feuerwehrleute haben noch nie die Entstehung eines Brandes erlebt
Unter ihnen befindet sich Jannik Wagner. Der 20-Jährige ist erst seit März als Atemschutzträger in Harburg tätig. Nach einem Theorieteil erhalten er und seine Kameraden eine Sicherheitseinweisung. Ausbilder Robert Dippel erklärt im Inneren des großen roten Containers den Ablauf der Übung. „Wir wollen den Brandverlauf aufzeichnen“, sagt er. Viele Feuerwehrleute haben noch nie die Entstehung eines Brandes gesehen. Genau das sollen sie heute erleben.
Ausbilder Robert Dippel (rechts) zeigt einem der Übungsteilnehmer, wie er das Strahlrohr richtig hält.Foto: Imke Rauhut
„Ich bin schon aufgeregt“, sagt Jannik Wagner durch seine FFP2-Maske hindurch. Auch ohne Rauch müssen sich die Männer vor den toxischen Gasen im Container schützen. Die Wände sind von den Übungen bereits tiefschwarz. „90 Prozent der Schäden werden durch den Rauch verursacht“, erklärt Schmidt. Durch die Zunahme an Kunststoffen und den neueren Bauweisen sei dieser heutzutage giftiger und könne sich schneller entzünden.
Viel mehr Kunststoff: Rauch durch Brände ist heutzutage giftiger als früher
Die Männer tragen Pressspanplatten ans hintere Ende des Containers - genug, um einen großen Kleiderschrank zu simulieren. Doch bevor das Holz angezündet wird, üben die Feuerwehrleute auf dem Platz noch die „Up and Down“-Methode mit dem Hohlstrahlrohr. Dabei verengen sie den Wasserstrahl, während sie ihn von oben nach unten bewegen. So sollen die Rauchgase abgekühlt werden, um eine Entzündung zu minimieren.
Dann geht es richtig los mit der praktischen Übung. Die Gruppe zieht sich die 25 bis 30 Kilogramm schwere Ausrüstung an. Wieder im Container setzen sich die Männer auf den Boden. Ausbilder Dippel legt das Feuer. Während die Holzscheite brennen, zeigt er auf die Rauchentwicklung an der Decke.
Die Feuerwehrleute beobachten, wie sich der Brand am Ende des Containers entwickelt. Bald wird der Rauch ihnen die Sicht versperren.Foto: Imke Rauhut
Schnell wird der Qualm immer dichter und bewegt sich nach unten. Die Temperaturen an der Decke erreichen bis zu 800, auf Kopfhöhe bis zu 200 Grad Celsius, erklärt Schmidt. Die Männer wenden die soeben geübte Sprüh-Methode an - das Feuer dürfen sie aber noch nicht löschen.
Als vor lauter Rauch noch kaum etwas zu sehen ist, werden die Türen des Containers geschlossen. Es wird demonstriert, was passiert, wenn der Brand nicht richtig gelöscht wird: Gerät zu viel Wasser aufs Feuer und der Wasserdampf kann nicht entweichen, dringt die Hitze durch die Schutzkleidung bis zur Haut durch.
Lars Winter (links) und Jannik Wagner konnten durch die Brandschutzübung zum ersten Mal einen Brand von nächster Nähe erleben.Foto: Imke Rauhut
Ein paar Minuten später werden die Türen wieder geöffnet. Die Gruppe verlässt den Container. Dippel zeigt den Männern, wie sie die Schutzkleidung richtig ablegen, um eine Selbstkontamination zu vermeiden. Jannik Wagner ist mit der Übung zufrieden. Von so nah habe er noch keinen Brand erlebt. „Es war cool zu sehen, wie sich das wirklich verhält“, sagt er. Auch sein Kollege Lars Winter zeigt sich glücklich. Er ist bereits seit fünf Jahren beim Atemschutz. „Das war schon vergleichbar mit echten Bränden“, sagt der 25-Jährige. Er konnte heute viel lernen: „Es war eine schöne Erfahrung.“
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