Dass sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen würde, war für Anna Maier (Name geändert) keine Frage. Nachdem die Studentin einen Nebenjob in einem Testzentrum hat, war sie auch früh an der Reihe. Anfang Juni 2021 bekam sie die zweite Spritze. Vier Monate später hatte die 23-Jährige, die aus dem Lechgebiet stammt, dann Erkältungssymptome. Ein Selbsttest war positiv, der noch am selben Tag absolvierte PCR-Test bestätigte das Ergebnis. Was die junge Frau zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht ahnen konnte: Binnen weniger Monate sollte sie sich noch zwei weitere Male mit Covid-19 infizieren.
"Beim ersten Positivtest war ich schon überrascht, da ich nicht unbedingt damit gerechnet hatte", erinnert sich Maier. Die Delta-Variante hatte sie erwischt. Ganze zwei Wochen dauerte es, bis sie wieder PCR-negativ war und die Isolation beenden konnte. Der Verlauf sei aber milde gewesen: "Vor allem die Nebenhöhlen waren betroffen, aber kein Fieber oder Husten." In der Folge absolvierte Maier regelmäßige Tests an der Hochschule, die immer negativ ausgefallen waren. Auch an jenem Tag Mitte Januar.
Bei einem Routinetest kommt die zweite Corona-Infektion zum Vorschein
In dem Testzentrum, in dem sie arbeitet, hatte die 23-Jährige eigentlich nur routinemäßig einen PCR-Test machen lassen – mit unschönem Resultat: "Ich hatte überhaupt keine Symptome und war trotzdem wieder positiv." Der sogenannte Ct-Wert, der die Infektiosität angibt (je niedriger, desto ansteckender), war dieses Mal sehr hoch, er lag bei 33. "Ich war also praktisch schon gar nicht mehr ansteckend." Dennoch ging es für die nächsten sieben Tage in Quarantäne. Welcher Typ des Coronavirus es dieses Mal war, weiß Maier nicht. Das wurde bei der Auswertung nicht angegeben. "Omikron liegt natürlich nahe, das war zu diesem Zeitpunkt bereits die vorherrschende Variante." Wie dem auch sei, nach ihrer zweiten Infektion innerhalb eines Vierteljahres wähnte sie sich erst einmal für eine gewisse Zeit immun.
Mitte März ging die Studentin schließlich mit einigen Freundinnen aus. Zwei Tage später vermeldeten die Ersten aus der Gruppe Halsschmerzen und weitere Krankheitsmerkmale wie bei einer Grippe. Und auch die ersten positiven Tests ließen nicht lange auf sich warten. Bald war bei allen Beteiligten eine Infektion nachgewiesen – nur bei Maier nicht. "Ich habe mich jeden Tag getestet, manchmal auch zweimal. Immer war das Ergebnis negativ, obwohl ich auch Symptome hatte." Erst nach fast einer Woche schlug ein Selbsttest an, einen Tag später brachte der PCR-Test die Gewissheit: Anna Maier hatte sich zum dritten Mal seit Oktober mit Corona angesteckt. "Laut Ct-Wert war ich da sogar hoch ansteckend, obwohl der fragliche Abend ja schon eine Zeit lang zurücklag. Allerdings war ich vier Tage später schon wieder PCR-negativ", schildert die junge Frau.
Dass man mehrfach an Covid-19 erkrankt, ist selten, aber möglich
Dass man sich mehrfach mit SARS-Cov-2 infizieren kann, ist bekannt. "Das kann auch innerhalb von kurzer Zeit zwei Mal passieren, aber das sind eher Einzelfälle", weiß Dr. Jakob Berger. Der Mediziner betreibt eine Praxis in Wemding und ist zudem Sprecher der schwäbischen Hausärzte. "Das hängt immer davon ab, wie viel Immunität eine Erkrankung bei der betroffenen Person hinterlässt." Die Omikron-Variante verlaufe oft mild, sei aber extrem ansteckend. "Da ist man auch nach dreimaliger Impfung oder einer kürzlich durchlaufenen Infektion nicht sicher." Dennoch sollte man nicht zu ängstlich sein, man müsse langsam auch wieder zu einem normalen Leben zurückkehren, so Berger. Er begrüßt es aber, dass in manchen Bereichen noch eine Maskenpflicht gilt.
Dr. Thomas Eberl, Chefarzt für Innere Medizin am Donauwörther Krankenhaus, ergänzt: "Wenn der Impfschutz nach etwa sechs Monaten nachlässt, wird die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion wieder größer. Deswegen empfehlen wir – und alle Experten auch – die zusätzliche Boosterimpfung." In den Kliniken würden aber keine Statistiken über Mehrfach-Infektionen geführt. Viele Corona-Erkrankungen würden ja ohnehin gar nicht mehr registriert. "Grundsätzlich sind Mehrfach-Infektionen selten, aber möglich – gerade bei Ungeimpften und Menschen ohne Boosterimpfung." Wenn die Anzahl der Antikörper nachlasse, werde das Immunsystem schwächer und anfälliger für Ansteckungen, so Eberl.
Anna Maier rechnet damit, dass es sie nochmal erwischen wird
Warum es gerade sie so oft erwischt, darauf hat Anna Maier keine Antwort. Vielleicht liegt es an ihrer Arbeit im Testzentrum. Vielleicht daran, dass sie an der Hochschule auch viele Kontakte hat. Vielleicht an der Pendelei vom Studienort in die Donau-Rieser Heimat. Vielleicht daran, dass sie als junger Mensch doch ab und an feiern möchte. Eine Antikörperuntersuchung hat sie jedenfalls noch nicht machen lassen – und hat es auch nicht vor. "Ich wüsste nicht, was mir diese Info bringen sollte. Es wird viele mehrfach treffen." Auch bei ihr selbst geht sie von einer vierten Runde aus. Das müsse nicht schon wieder in wenigen Wochen sein, sondern könne ja auch in einem Jahr oder noch länger sein. "Wir brauchen einen Mittelweg: Genug Respekt vor der Krankheit, aber auch einfach wieder unbeschwerter leben", so Maier.
Sie selbst hat aktuell wieder Genesenenstatus, dennoch macht sie sich Gedanken über eine Booster-Impfung. Wobei die aktuelle Version für sie eher weniger infrage kommt. "Ich wollte mich schon zweimal boostern lassen, doch da kam kurz vorher jeweils eine neue Infektion dazwischen", sagt sie augenzwinkernd. Nun wartet sie auf die angepasste Auffrischungsimpfung. Denn das Virus selbst will sie keineswegs verharmlosen. Die Fälle aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld seien zwar überwiegend harmlos gewesen, doch sie habe auch eine Bekannte, die einen heftigen Verlauf hatte. "Ich persönlich habe vor Corona an sich eher weniger Angst. Ich bin jetzt drei Mal recht glimpflich davongekommen. Aber eine Quarantäne brauche ich nicht mehr so schnell."