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DZ-Adventskalender: Türchen 24: Das pralle Leben um den Stall in Bethlehem

DZ-Adventskalender

Türchen 24: Das pralle Leben um den Stall in Bethlehem

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    AZ-Grafik
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    Als ich Kind war, feierten unsere Großmütter den Heiligen Abend stets im Hause meiner Eltern. Einige Tage später ging es dann in die entgegengesetzte Richtung: meine Schwester und ich verbrachten ein paar Tage bei unseren Großmüttern. Beide hatten natürlich auch einen kleinen Weihnachtsbaum, aber eine von beiden hatte keine Krippe in ihrem Weihnachtszimmer. Dabei war gerade diese durchaus religiös. Als ich sie nach dem Grund fragte, gab sie mir eine ausweichende Antwort. Heute glaube ich zu wissen, warum sie keine Figuren unter den Baum stellen wollte. Ihr Glaube war protestantisch geprägt und eine Krippe war für sie vermutlich katholischer Unfug. Aber sie wollte mich mit solchen harten Urteilen nicht vor den noch jungen Kopf stoßen. Unsere andere Oma hatte sehr wohl eine Krippe. Sie war katholisch getauft, aber nicht besonders religiös. Ihr Glaube bezog sich vor allem auf den heiligen Judas Thaddäus, einen der zwölf Apostel und ihr persönlicher Nothelfer. Die beiden Großmütter waren auch sonst sehr unterschiedlich. Aber heute ist Heiliger Abend, und es geht nicht um Großmütter, sondern um die Krippe. Die ist heute nicht mehr an eine Konfession gebunden.

    Horus lag nicht in der Krippe

    In den meisten Adventskalendern erscheint beim letzten Türchen die Krippe, wenn es nicht gerade ein billiger Schokoladenkalender ist. So soll auch dieser Adventskalender mit der Krippe abschließen. Unter all den weihnachtlichen Symbolen, die ich Tag für Tag vorgestellt habe, ist die Krippe das einzige, das den religiösen Kern des Festes darstellt. Hier brauchen wir nicht mühselig nach Bezug zum Weihnachten suchen oder darüber zu rätseln, ob hier nicht vielleicht auch wieder heidnische Bräuche an der Wiege stehen. Zwar gab es schon vor dem Christentum Darstellungen von Muttergöttinnen mit einem Kind, so zum Beispiel die ägyptische Isis, die den Horusknaben säugt. Aber das sind nur Abbilder der beiden Personen ohne jedes Beiwerk. Krippendarstellungen, auf Englisch heißen sie treffend „nativity scene“, also Geburtsszene, sind genau das Gegenteil solcher Skulpturen. Sie machen die Geburt Christi lebendig. So lebendig, wie es vor der Erfindung des Films nur sein konnte.

    Krippe im Harburger Krippenweg.
    Krippe im Harburger Krippenweg. Foto: Harald Erdinger

    Am Anfang der Verehrung des Geburtsortes steht Helena, die Mutter Kaiser Konstantins des Großen. Sie ließ Anfang des vierten Jahrhunderts eine Kirche über einer Grotte bauen, die schon seit längerem für den Ort gehalten wurde, an der Maria ihr Kind auf die Welt brachte.

    Die Eltern kommen spät hinzu

    Nach christlichem Glauben ist Jesus Mensch geworden, in unsere Welt gekommen, also ist eine Krippe, gemalt oder figürlich, eine sehr weltliche Darstellung dieses Ereignisses. „Weltlich“ bedeutet dabei nicht „unchristlich“ oder gar „lasterhaft“, sondern im ganz ursprünglichen Sinne so, wie es auf der Welt eben zugeht. Menschen, Tiere und Engel sehen sich das Neugeborene an und freuen sich. Aufmerksame Leser dieser Kolumne wissen natürlich längst, dass Ochs und Esel in der biblischen Weihnachtsgeschichte gar nicht vorkommen. Das macht aber nichts. Die beiden liebenswerten Gesellen passen sehr schön in die Geschichte. Beide sind nicht unbedingt bekannt für ihren scharfen Intellekt. Sie sind stur und arbeiten hart und sie sind echte Sympathieträger, ja, sie nehmen stellvertretend für uns Ochsen und Esel am Geschehen teil. Eine Krippe ohne die beiden? Undenkbar. Sie sind ja auch schon seit der Antike dabei.

    Es gibt Reliefs auf spätrömischen Sarkophagen, auf denen nicht Maria und Josef das Kind umrahmen, sondern Ochs und Esel. Die Eltern kamen erst später ins Bild, zunächst Maria dann auch Joseph. Der gute Zimmermann hält sich auf Darstellungen oft etwas abseits. Er macht Feuer, trocknet Windeln oder er sitzt einfach nur abgewandt da und sinniert vor sich hin. Damit sollte angedeutet werden, dass Joseph eben nicht der Vater Christi ist. Sehr früh treten auch die Weisen aus dem Morgenland, besser bekannt als die Heiligen drei Könige auf. In der Bibel repräsentieren sie die nichtjüdische Welt, die dem neuen König huldigt. Später werden sie als ein Jüngling, ein erwachsener Mann und ein Greis dargestellt und symbolisieren die drei Menschenalter. Dann stellen sie die drei damals bekannten Erdteile dar, daher ist einer der Könige schwarz. Die Idee ist immer die gleiche: Gott ist zu allen Menschen gekommen. Je mehr sich die Weisen zu Königen wandeln, um so prunkvoller ist ihre Erscheinung und umso größer ihr Gefolge. Eine gute Gelegenheit, noch mehr Details hinzuzufügen –Scharen von Dienern, prächtige Gewänder, reich geschmückte Pferde, Kamele und Elefanten. Die Hirten sind hierzu das Gegenbild. Arm, aber redlich, in einfachen Kleidern, manchmal in Lumpen, mit Schafen und Hunden kommen sie, um das Wunder zusehen, natürlich sind auch neugierige Hirtenbuben dabei.

    Im Dienst der Propaganda

    Alle diese Figuren waren ursprünglich nur auf Bildern oder Mosaiken zu sehen. Die Idee, figürliche Krippen aufzustellen, wird dem heiligen Franziskus von Assisi (1182 -1226) zugeschrieben, was aber eher eine Legende ist. Vielleicht hat er so etwas wie eine lebende Krippe installiert. Richtig populär wurden Krippen erst in der Zeit der Gegenreformation. Jesuiten und Franziskaner verbreiten sie, um dem verstandesbetonten Protestantismus eine sinnlich-bunte katholische Bilderwelt entgegenzustellen. „Das Ganze ist so geschickt arrangiert, dass das Frömmigkeitsgefühl der Beschauer aufs lebhafteste erregt wird“ schrieb der Jesuit Philippe de Berlaymont 1619. „Sie glauben, dem wunderbaren Ereignis selbst beizuwohnen, mit eigenen Ohren das Wimmern des Kindes und die himmlische Musik zu hören, mit eigenen Händen die Windeln zu ertasten, und ein Schauer erfasst sie.“ In der Zeit des Barocks entstanden prächtige Krippen mit hunderten von Figuren, die in Kirchen oder Palästen ausgestellt wurden. Viele sind heute in Krippenausstellungen wie der berühmten im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen. Die Heilige Familie gerät dabei zuweilen aus dem Blick angesichts der prallen Straßenszenen, die manchmal sogar Freudenhäuser mit einbeziehen.

    Den aufgeklärten Monarchen des 18. Jahrhunderts war dieser Prunk zu volkstümlich, zu deftig und zu wenig intellektuell. Sie verboten die Krippen in Kirchen. Das Volk wollte aber die liebgewonnenen Figuren in der Weihnachtszeit nicht mehr missen, und so entstand der Brauch, Krippen zu Hause aufzustellen. Ein weiteres Beispiel, dass niemand den Menschen vorschreiben kann, wie sie Weihnachten zu feiern haben. Kein König, kein Pfarrer und kein Parteifunktionär.

    Krippenbauen im Verein

    War die Krippe bis dahin vor allem in Süddeutschland bekannt, so verbreitete sie sich in den 1920er Jahren auch in früher krippenlosen Regionen. Damals bildeten sich Krippenbauvereine, die Zeitschriften mit Basteltipps herausgaben. Den Nazis war der Brauch als Darstellung einer biblischen Erzählung zuwider. Sie versuchten, die Krippe durch das „Weihnachtsgärtlein“ zu ersetzen, einer Waldidylle mit Tieren und ohne die nun einmal jüdischen Hauptdarsteller des Festes.

    Krippen gibt es heute in vielen Teilen der Welt und aus allen nur denkbaren Materialien. Die Figuren sind heute oft aus Kunstharz, traditionell aber natürlich aus Holz. Daneben wurde die Geburt Christi auch aus Pappmaché, Teig, Ton, Blech und Papier nachgestellt. Es gibt vergängliche Krippen aus Eis und solche aus Maisstroh. Die aufwändigen Figuren der Barockzeit haben aus Draht gebogene Köper. Die Kleider sind aus Stoff, ihre Köpfe und Hände aus Wachs oder Ton.

    Überwältigende Vielfalt der Krippenwelt

    Genauso vielfältig wie die Materialien sind auch die Landschaften, in denen das Wunder der Menschwerdung Gottes geschieht. Deutsche Krippen können in einer orientalischen Palmenlandschaft, im Voralpenland, in einer Bergbau-Region angesiedelt sein. Die Heilige Familie findet in einem Stall, einer Grotte oder einer antiken Ruine Unterkunft. Die Bibel schweigt sich da aus, es ist lediglich von einer „Krippe“ die Rede. Das kann aber genauso gut ein Futtertrog aus Lehm oder ein hölzernes Gestell sein. Noch interessanter wird es, wenn wir den Blick über Europa hinaus schweifen lassen. Krippen aus Afrika, Asien und Lateinamerika haben eines gemeinsam: sie setzen die Geburt in ihrem jeweiligen Heimatland in Szene und die Figuren tragen die Züge ihrer Bewohner. Nicht anders, als es auch provenzalische, alpenländische oder erzgebirgische Krippenbauer halten. Das ist nicht etwa naiv oder folkloristisch, sondern trifft genau den Kern der biblischen Botschaft: Gott ist zu allen Menschen gekommen, egal ob sie Lederhosen tragen oder koreanische Seidengewänder. Nur die Zombie-Krippe mit lebensgroßen Gruselfiguren, die 2014 in einem Vorgarten im Staat Ohio für Aufruhr sorgte, schießt vielleicht theologisch über das Ziel hinaus.

    Doch heute ist Heiliger Abend, also fort mit den Zombies! Ich wünsche den treuen Leserinnen und Lesern dieses Adventskalenders frohe Weihnachten!

    Das Weihnachtslied zum Thema: Was soll das bedeuten?

    Dieses Lied stammt wahrscheinlich aus einem alten Krippenspiel. Es gehört zu den wenigen Weihnachtsliedern, die wirklich wie eine Krippe das Geschehen in Bethlehem beschreiben, und zwar aus der Sicht der Hirten. Was das alles bedeuten soll, wird zwar nicht erklärt, aber wir wissen es ja auch so.

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