Bei frühsommerlichen Temperaturen lockte das Inselfest zahlreiche Besucher auf die Riedinsel und an die Wörnitz. Höhepunkt war am Samstag das Fischerstechen der Profimannschaften, das traditionell mit einem Umzug der beteiligten Mannschaften beginnt. In diesem Jahr wurde er angeführt vom Fanfarenzug Fanfare Brass Band aus Lauingen und ging vom Tanzhaus zur „Wörnitz-Arena“ an der Sebastian-Frank-Brücke.
Beim diesjährigen Wettkampf waren neben zwei Teams der Donauwörther Fischerstecher Mannschaften aus Ingolstadt, Neuburg, Laufen sowie aus dem österreichischen Oberndorf an der Salzach am Start. Das Team aus Steppberg musste kurzfristig absagen.
Oberbürgermeister Jürgen Sorré bemerkte in seiner Begrüßung augenzwinkernd, man solle den Austragungsort nach dem Urgestein und Moderator der Veranstaltung in „Peter Heckmeier Arena“ umbenennen - aufgrund dessen temperamentvollen Moderation beim vorausgegangenen Hobbyturnier (siehe eigenen Bericht). Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der teilnehmenden Mannschaften auf ihren Zillen ging es auch schon in die erste Runde. Fanden die ersten Stechen noch etwas zaghaft und zurückhaltend statt, wurde es mit zunehmendem Turnierverlauf immer emotionaler und verbissener.
Wenn es zu hitzig wurde, mahnte Moderator Heckmeier zur Fairness
Auch die Zuschauer gingen mit und feuerten ihre Mannschaften lautstark an. Nicht immer waren die Teams mit den Entscheidungen des Schiedsgerichts einverstanden doch Moderator Heckmeier brachte sie schnell wieder auf Kurs und mahnte immer wieder zur Fairness, wenn es zu hitzig wurde. Nach welchem Modus wurde nun das Turnier ausgetragen?
Die teilnehmenden Mannschaften traten im direkten Duell jeder gegen jeden in zwei Runden an. Ein Stecherteam trat zunächst stromabwärts an, das gegnerische stromaufwärts. In der zweiten Runde wurden die Startrichtungen getauscht, um gleiche Bedingungen zu garantieren. Als Bootstyp kommt ein flacher Kahn zum Einsatz, der Zille genannt wird. Ein Team besteht dabei aus einem Steuermann, einem Ruderer und zwei Stechern, die sich abwechseln.
Es gibt ein strenges Reglement, das durch ein Schiedsgericht überwacht wird. Dadurch sollen Verletzungen vermieden und die Fairness gewahrt werden. Beim Donauwörther Fischerstechen kommt der sogenannte „bayerische Stil“ zur Anwendung. Die Stecher stehen dabei im Gegensatz zum französischen Stil nicht auf erhöhten Podesten. Sie balancieren direkt auf einer flachen, hölzernen Plattform am Heck der Zille. Das Erfolgsgeheimnis der Stecherkönige liegt dabei im Körpereinsatz, gepaart mit einer extremen Körperspannung.
Das Fischerstechen geht auf das Jahr 1737 zurück
Das Fischerstechen in Donauwörth hat eine lange Tradition. Belege bestätigen, dass seit dem Jahr 1737 Wasserstechen in Donauwörth stattgefunden haben. Durch den drastischen Rückgang der Fischerzunft im 19. Jahrhundert kam die Tradition im Jahr 1877 zum Erliegen. Erst 1983 wurde durch die Initiative des damaligen Bürgermeisters Alfred Böswald der Verein Donauwörther Fischerstecher wieder neu ins Leben gerufen. 1985 fand dann nach 135 Jahren wieder ein Fischerstechen in Donauwörth statt.
Die Wurzeln dafür liegen in der Entstehungsgeschichte der Stadt und spiegeln den harten Überlebenskampf und das Selbstbewusstsein der einfachen Bevölkerung wider. Es ist den mittelalterlichen Lanzenturnieren nachgebildet, Fairness und Ritterlichkeit sind daher oberstes Gebot. Man könnte sagen, es war das „Ritterturnier des kleinen Mannes“.
Nach einem spannenden Wettkampf sicherte sich Donauwörth 1 souverän den Turniersieg. Zum Stecherkönig wurde der Ingolstädter Jonas Schneider gekürt. Das Fischerstechen erwies sich damit einmal mehr als spektakulärer Höhepunkt des Inselfests.
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