Wer sich im Sommer im Umfeld des Rieder Tors aufhält, dessen Geruchsnerven werden nicht selten ordentlich strapaziert. Denn dort stinkt es immer wieder durchaus stark. Ursache ist die Kleine Wörnitz. Diese fällt in den warmen Monaten weitflächig trocken; das noch vorhandene Restwasser steht. Ein Umstand, den es so seit Jahrzehnten gibt. Mancher Donauwörther dürfte es gar nicht anders kennen. Doch bald soll sowohl mit dem trockenen Bachbett als auch mit dem Gestank Schluss sein.
Denn im Vorfeld der Landesgartenschau sind Maßnahmen geplant, die einen steten und ausreichenden Wasserstand ermöglichen sollen. Das Thema ist dabei nicht neu, bereits vor einiger Zeit fanden Untersuchungen zur Frage statt, warum die Kleine Wörnitz im Sommer bestenfalls wenig Wasser führt. Der Grund liegt laut Patrick Wörle, Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH, fast 50 Jahre in der Vergangenheit. „Seitdem es die Staustufen in der Donau gibt, kann das natürliche Geröll den Fluss nicht mehr entlangwandern“, erklärt Wörle bei einer Tour zu den künftigen Gartenschau-Attraktionen.
Daher nehme die Donau den natürlichen Boden mit und grabe sich immer tiefer ein. Da die Donau der „stärkere“ Fluss sei, entziehe diese der Großen Wörnitz das Wasser. „Das ist der Grund, wieso auch in der Kleinen Wörnitz kein Wasser mehr ankommt.“ Dazu komme unter anderem, dass durch die in sie einmündenden Regenwasserkanäle Sedimente in die Kleine Wörnitz gedrückt würden. Dadurch entstünden Erhöhungen. Das Wasser bleibe also hängen.
An der Kleinen Wörnitz in Donauwörth entsteht ein Umlaufsystem
Soweit, so schlecht. Doch was können die Verantwortlichen dagegen machen? Einfach Bauwerke, sogenannte Bunen, einzubauen, um mehr Wasser aus der Großen in die Kleine Wörnitz zu leiten, funktioniere nicht. Es werde eine technische Lösung zum Tragen kommen, sagt Wörle. „Wir werden die Stauwehre schließen und so einen 500 Meter langen Stausee schaffen.“ Bekanntlich besteht bei solchen Gewässern aber die Gefahr, dass diese kippen, was wiederum für Gestank sorgt. Deshalb soll es ein Umlaufsystem geben. „Wir vergraben unten eine Leitung, sodass das Wasser wieder zurückläuft.“ Am Einlauf sei es dann lediglich notwendig, das Wasser zu heben. „Das heißt, es entsteht ein Kreislauf“, erklärt Wörle.
Doch wie wollen die Verantwortlichen verhindern, dass das Wasser an heißen Tagen dennoch verdunstet? Auch dafür gibt es laut Wörle einen Lösungsansatz. „Wir werden über Pumpen aktiv Wasser aus der Großen Wörnitz holen.“ Diese würden an eine Photovoltaikanlage angebunden. Bedeutet: Wenn die Sonne scheint und das Wasser verdunstet, laufen auch die Pumpen. „Wir möchten so erreichen, dass die Wörnitz wesentlich größer und breiter wird.“ Von der Holzbrücke bis zum Rieder Tor solle die Sohle angehoben werden, auf ungefähr 25 Zentimeter bis einen halben Meter Tiefe. Im Ein- und Auslaufbereich sind Tiefwasserbereiche mit rund drei Metern Tiefe vorgesehen. Das ermögliche auch, dass es in der Kleinen Wörnitz weiterhin einen natürlichen Lebensraum gebe.
Von der Kleinen Wörnitz in Donauwörth soll ein Rauschen ausgehen
„Im Gewässer wird es Felsen geben, wo sich das Wasser dann entlangschlängeln kann“, sagt Wörle. „So bringen wir auch ein gewisses Rauschen rein.“ Am Ufer sind natürliche Stufenanlagen geplant. Natürlich brauche es insgesamt technische Hilfe, doch das sei immer noch besser, als die Kleine Wörnitz jeden Sommer trocken zu lassen. Wörle sagt: „So hoffen wir, dass aus der Kleinen Wörnitz wieder das wird, was die Donauwörther aus der Vergangenheit kennen.“ Und nicht wenige dürften sich auch darüber freuen, wenn ein Besuch an der Kleinen Wörnitz in Zukunft auch ohne Belastung der Geruchsnerven vonstattengehen kann.
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