Hat er sich erst einmal ein Thema zur Geschichte seiner Heimatstadt vorgenommen, dann lässt Franz Müller nicht mehr los. Und kann es – wie jetzt beim Museumsverein - passieren, dass er auf viel Vergessenes oder gar falsch Überliefertes stößt. Er fand heraus, dass das Gründungsjahr 1904 nicht stimmt – die Gründungsversammlung war nämlich am 28. Mai 1905. „Aber keine Angst, wir lassen das Gründungsjahr bei 1904 – hat auch einen Grund“, so Müller jetzt in der Jahresversammlung des Vereins. Mit Bildern unterlegt, streifte er durch die 122 Jahre und klärte auf.
In der beschaulichen Prinzregentenzeit hatte die Lechstadt gerade einmal 1500 Einwohner, noch keine Stromversorgung und der Marienbrunnen stand noch vor dem Rathaus - nicht wie heute vor der Metzgerei Gastl. Den Bahnhof und das Zollhaus gab es. Den Wasserturm hatten italienische Gastarbeiter 1903 im neuklassizistischen Stil errichtet.
Stadtpfarrer Peter Graser hatte eine Vorliebe für historische Gegenstände, die Rainer boten ihm viele Altertümer an. Irgendwann wurde ihm seine Sammlung zu groß. Auf seine Eingabe beim Magistrat um einen Raum für die musealen Gegenstände stellte ihm Bürgermeister Anton Kügle die 1471 erbaute Allerheiligenkapelle zur Verfügung. Sie war säkularisiert, 1811 von Stadtprediger Bartholomäus Kerscher erworben und 1825 der Stadt 1825 geschenkt worden.
Von der Stadt gab es 25 Mark Zuschuss
Der Spenden-Aufruf von Pfarrer Graser im Rainer Anzeigenblatt fand Gehör. In dem am 24. August 1904 angelegten Inventarbuch waren vier Monate später schon 367 Gegenstände verzeichnet, wofür das „Königlichen Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns“ keine sechs Monate später, am 7. Februar 1905, eine schriftliche Anerkennung aussprach und die Gründung eines kleinen Vereins anregte.
Gesagt – getan: das provisorische Komitee um Initiator Peter Graser hatte bald 43 Mitglieder, der Stadtmagistrat genehmigte 25 Mark Zuschuss und der Verein wurde beim „Boarn“ aus der Taufe gehoben. Die Gründung stand allerdings unter keinem günstigen Stern: „es waren nur ca. 20 Herren vertreten“, bedauerte das Rainer Wochenblatt. Sieben Männer bildeten den Vorstand, voran Stadtpfarrer Graser und Bürgermeister Kügle. Schon am 18. August stand man im Vereinsregister mit den Zweckbestimmungen, die bis heute gelten.
1919 wurden die Inventar-Nummern schon vierstellig, 1928 besaß man ohne die Bücher 1200 Gegenstände. Vorträge hielten die Pfarrer August Mattes (Gempfing, vorher Stadtprediger) und Stegmayr (Holzheim) in den 1920-er Jahren. Hinter dem Altar stapelten sich auf über fünf Meter Höhe die Stadtkammer-, Kirchen- und Stiftungsrechnungen des 17. bis 19. Jahrhunderts, die 1987 ins neue Rathausarchiv kamen.
Eindringender Regen gefährdete immer wieder das Inventar
Wiederholt musste das Dach ausgebessert werden, um Gebäude und Inventar vor eindringendem Regen zu schützen. Die Sammlung fand Anerkennung im Rainer Stadt- und Landboten und in der regionalen Fachliteratur. Man bedauerte aber auch, dass die teilweise sehr kostbaren Bücher auf dem Steinboden standen und unter dem feuchten Luftzug litten.
Mit dem Zweiten Weltkrieg geriet das Museum aus dem Fokus. 1945 bis 1947 setzte sich Nachbar Martin Deibl dafür ein, dass die Besatzer keine Exponate mitnahmen und die historische Waffensammlung nicht vernichtet wurde. „Old colletions“ war das Zauberwort, dass 71 Stück bis heute erhalten sind. Aus dem Dornröschen-Schlaf erwachte das Museum in den 1950-er und 1960-er Jahren gelegentlich, das heißt, wenn es sonntags nach dem Gottesdienst zugänglich war.
Der segensreiche Einschnitt, so Müller, kam 1988. Bei der Renovierung richtete man den Salzstadel unter Regie von Architekt Walther Mener als neue Bleibe her. Kunsthistorikerin Doris Heller wurde von der Stadt für Inventarisierung und Ausstellungskonzept eingestellt. Restauratoren gingen ans Werk, Vereinsmitglieder halfen mit und am 15. Juni 1988 konnte Bürgermeister Karl Würmseher das Heimatmuseum eröffnen. Unter professioneller Leitung von Barbara Zeitelhack (bis 1994) und Edith Findel (seit 1995) gab und gibt es wechselnde Sonderausstellungen.
Franz Müller: „Einige Objekte haben große Bedeutung“
Der sonntägliche Aufsichtsdienst wird seit dem ersten Tag ehrenamtlich wahrgenommen. „Wenn auch die meisten der gesammelten Altertümer nur lokalhistorischen Wert besitzen, so sind doch einige Objekte von großer Bedeutung“, zieht Franz Müller als Fazit. Die enge Verbindung mit der Stadt ist schon dadurch gegeben, dass wie schon die Bürgermeister Karl Würmseher und Gerhard Martin auch Stadtoberhaupt Karl Rehm der Vereinsvorsitzende ist.
Franz Müller war nicht nur der Motor, dass sich die Mitgliederzahl innerhalb von drei Jahren von 58 auf 124 mehr als verdoppelt hat. Er ist kürzlich auch eingesprungen, als durch den Tod von Roland Vogel ein zweiter Vorstand gebraucht wurde; zuvor war er 23 Jahre Kassier. Und 125 Jahre soll man getrost schon 2029 feiern, meint der umtriebige Sammler.
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