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Illegale Giftmülldeponie bei Asylunterkunft in Fünfstetten wirft Fragen auf

Fünfstetten

Zwischen Ratten und Altöl: Illegale Giftmülldeponie in Fünfstetten wirft viele Fragen auf

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    Auf dem Grundstück vor der Asylunterkunft liegt gestapeltes Altholz und weitere Abfälle. Ein Entsorgungsunternehmen pumpte dort auch giftiges Öl aus alten Containern ab.
    Auf dem Grundstück vor der Asylunterkunft liegt gestapeltes Altholz und weitere Abfälle. Ein Entsorgungsunternehmen pumpte dort auch giftiges Öl aus alten Containern ab. Foto: Imke Rauhut

    Auslaufende Öltanks, Benzinkanister und alte Holzscheite und dazwischen sich tummelnde Ratten. Das fanden Beamte der Polizeiinspektion Donauwörth am Dienstag auf dem Grundstück einer Asylunterkunft in Fünfstetten vor. Gefährliche Chemikalien waren ins Erdreich eingedrungen – ein Kind in ölverschmierter Kleidung spielte an der kontaminierten Stelle. Anwohner berichten, dass diese Deponie schon seit Jahren besteht. Wieso hat sich bisher niemand darum gekümmert?

    Die illegale Giftmülldeponie an der Straße „Bahnhof“ in Fünfstetten wirft viele Fragen auf. Halbierte Öltanks, die bis zum Rand mit Altöl gefüllt waren, schwappten offenbar bei Regen über. Die Behälter müssen laut Polizei schon seit Jahren dort gestanden haben. „Die Behältnisse waren so dermaßen porös, dass sie beim Anfassen zerfallen sind“, berichtet Dennis Kraus, Umweltsachbearbeiter der Polizeiinspektion Donauwörth. In all der Zeit fielen sie scheinbar jedoch niemandem auf – weder den Bewohnern der umliegenden Häuser, noch dem Bürgermeister der Gemeinde, Josef Bickelbacher. „Davon habe ich noch nie irgendetwas gehört“, sagt er auf Nachfrage unserer Redaktion.

    Illegaler Umgang mit Abfällen: Polizei ermittelt gegen Grundstückseigentümer

    Das Grundstück gehört laut Polizei einem 64-jährigen Mann aus dem Landkreis Augsburg. Gegen ihn läuft nun eine Strafanzeige wegen Verdachts auf unerlaubten Umgang mit Abfällen, Bodenverunreinigung sowie Gewässerverunreinigung. „Bei Umweltdelikten wird immer erst einmal gegen den Eigentümer ermittelt“, erklärt Kraus, „er ist für das Grundstück verantwortlich.“ Ob dieser auch der Verursacher der gefährlichen Abfälle ist, könne jedoch noch nicht festgestellt werden. Möglich sei auch, dass eine fremde Person dort ihren Müll über Jahre abgelagert hat.

    Die Asylunterkunft wird seit Oktober 2023 vom Landratsamt angemietet, wie die Ausländerbehörde bestätigt. Die Kapazität liegt bei 40 Personen, aktuell beherbergt die Unterkunft 25 Personen, acht von ihnen sind minderjährig. Die Bewohner zeigen sich vor Ort empört über die dortigen Lebensbedingungen. Dass es sich bei den Flüssigkeiten in den Containern um toxische Abfälle handelt, war ihnen nicht bewusst. „Wir haben diese beiden Gartenseiten genutzt“, erzählt Felek Elçiçek. Die 31-Jährige aus der Türkei lebt mit ihrer Familie, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und zehn Jahren, seit eineinhalb Jahren in der Asylunterkunft. Die Abfälle habe es schon damals an dieser Stelle gegeben. Das bestätigt auch ihre Nachbarin Zahra Öz, die seit zweieinhalb Jahren an dem Ort lebt. Die Frauen gehen davon aus, dass es die Deponie schon gegeben haben muss, als die Unterkunft entstanden ist.

    Bewohner der Asylunterkunft beschwerten sich über Rattenplage

    Ein viel größeres Problem seien jedoch die Ratten. „Als wir ankamen, gab es nur ein oder zwei. Dann haben sie sich stark vermehrt. Jetzt kommen wir mit ihnen nicht mehr zurecht“, erzählt Elçiçek. Die Ratten nisten augenscheinlich unter den Holzhaufen, die am Rande des Grundstücks abgelagert sind.

    Das Rattenproblem nimmt auch eine weitere Nachbarin der Unterkunft wahr. Rukiye Ataman kam erst vor sechs Monaten nach Fünfstetten – die Schädlinge seien ihr sofort aufgefallen. Auf dem Grundstück pflanzt sie Zwiebeln an, wie viele ihrer Nachbarn. Diese traue sie sich jedoch aufgrund der Ratten nicht zu essen. Das Problem meldete sie der zuständigen Behörde. „Das Landratsamt kam hierher und sagt uns: Hier gibt es Ratten, halten Sie die Türen verschlossen.“ Die Ausländerbehörde erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass die Unterkunftsverwaltung regelmäßig einen Schädlingsbekämpfer beauftrage.

    Wasserwirtschaftsamt warnt vor möglicher Verunreinigung des Grundwassers

    Die größere Gefahr geht aber wohl von den abgelagerten Abfällen aus. „Weil augenscheinlich Altöl beziehungsweise wassergefährdende Stoffe, gegebenenfalls auch über längere Zeit, im Untergrund versickert sind, besteht die Gefahr von schädlichen Bodenverunreinigungen und Grundwasserverunreinigungen“, heißt es seitens des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth. Die gefährlichen Flüssigkeiten wurden schon am Tag der Entdeckung von einem vom Landratsamt veranlassten Entsorgungsunternehmen abgepumpt. Mittlerweile wurden auch die Altöl-Container entfernt und die Fläche mit einer Folie abgedeckt, damit die im Boden befindenden Schadstoffe durch Niederschläge nicht weiter in den Untergrund dringen.

    Die Situation sei kompliziert, erklärt der Pressesprecher des Landratsamtes, Simon Kapfer. Zunächst müsse die rechtliche Verantwortung für das Grundstück geklärt werden. Jegliches Altholz und weitere Abfälle könne das Landratsamt deshalb derzeit nicht beseitigen. Das Wasserwirtschaftsamt empfiehlt derweil, den Untergrund durch einen geeigneten privaten Sachverständigen untersuchen zu lassen und das Gefährdungspotenzial für das Grundwasser zu bewerten. Bis dahin sollten die Bewohner der Asylunterkunft das Grundstück nicht weiter betreten.

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