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Kabarett Marco Tschirpke liefert in Gempfing Pointen voller schwarzem Humor

Gempfing

Vom Plauderton zu absurd-komischen Pointen: Marco Tschirpke entfesselt Lachsalven in Gempfing

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    Ein Sonnenschein auf der Kabarettbühne: Marco Tschirpke bei seinem Auftritt im Gempfinger Pfarrhof.
    Ein Sonnenschein auf der Kabarettbühne: Marco Tschirpke bei seinem Auftritt im Gempfinger Pfarrhof. Foto: Barbara Würmseher

    Er ist ein Meister der Miniatur - im gesprochenen wie gesungenen Format. Kaum hat er mit einem Bonmont begonnen, ist er auch schon wieder fertig. So abrupt, dass neben der überraschenden Pointe das unerwartet Verknappte unweigerlich für Glucksen im Publikum sorgt. Doch damit hat sich Marco Tschirpkes Meisterschaft noch lange nicht erledigt. Es ist diese unvergleichliche Mischung aus Spitzbübischem, intelligentem und sehr speziellen Blick auf die Menschheit heute und früher, die seine kabarettistische Bühnenpräsenz auszeichnet.

    Ein Stück weit umgibt ihn etwas herrlich Altmodisches, als er jetzt im Gempfinger Pfarrhof sein Programm „Empirisch belegte Brötchen“ zwischen Klavier, Gitarre und Büchern dramaturgisch navigiert. Freilich müsse es in Süddeutschland Semmeln heißen, so „korrigiert“ Erich Hofgärtner augenzwinkernd in seiner Begrüßung diesen norddeutsch geprägten Titel. Ein bayerischer Wunsch, der noch auf Erfüllung harrt.

    Marco Tschirpke dreht die Themen auf links

    Tatsächlich scheint bei Marco Tschirpke manches aus der Zeit gefallen – im schönsten Sinn. Das zeigt sich nicht zuletzt an seinem beglückend reichen Sprachschatz, der heutzutage allgemein oft vergessen wird. Er schöpft aus dem Vollen und bedient sich auch bei Worten, die nur noch selten in den Mund genommen werden.

    Sein feines Gespür für Sprachspielereien bildet dabei nur einen Teil seiner Kunst. Blödelnd – vermeintlich an der Oberfläche – mit Begriffen zu spielen, liegt ihm. Da steht er in der Tradition eines Eugen Roth oder Heinz Erhardt. Doch es ist auch die Bandbreite der Themen, die er mit Präzision auf den Punkt bringt, wenn er einerseits intellektuell-lustvoll die Untiefen der Geschichte auslotet, andererseits mit seinen Themen auf der Höhe der Zeit ist.

    Politisches beschäftigt ihn ebenso wie gesellschaftliche Phänomene es tun. Ihnen widmet er jeweils Blicke aus ungewöhnlicher Perspektive. Irgendwie scheint Marco Tschirpke gedanklich und sprachlich die Dinge auf links zu drehen. Eine unwiderstehlich köstliche Art!

    Vermeintlicher Plauderton mündet in Salven

    Im vermeintlich leichten Plauderton (“Ich beginne mit einem Lied, das mir persönlich nicht so gefällt...“) wiegt er sein Publikum in Sicherheit, um dann doch zielsicher seine Salven abzufeuern. Ob seine Frauenlieder, die er zum internationalen Frauentag im Auftrag eines Ölscheichs in Dubai - Herr über 300 Haremsdamen - getextet und komponiert hat, ob die groteske Aufbereitung Goethes (“Ich habe sein berühmtestes Gedicht verbessert“), ob die weltweit verschenkten Kreuzpartikel (“Zählt man die Menge der Splitter, die vom Kreuz Christi stammen zusammen, kommt man auf 1000 Hektar Wald“): Seine Gedanken über die Absuditäten des Alltags beginnen völlig harmlos, um dann rasant im Paradoxen zu landen.

    Kostproben gefällig? „Immer wenn mich meine Mutter schlug, rief sie: Junge, setz die Brille ab!“ - „Wenn ich einen Nerv hätte treffen wollen, wäre ich Anästhesist geworden.“ - „Ob Du Klavier spielst oder Holz hackst – der Unterschied ist klein. Und es ist immer eine Freude, nicht dabei zu sein“ - Gedanke an der Sushi-Bar: „Roh zu sein bedarf es wenig“ - „Der Untergang des Abendlandes ist eine Frage der Organisation“.

    Ein unverschämt lustvoller Abend

    Daneben ist Marco Tschirpke ein brillanter Pianist. „Dirty Kadenzing“ nennt er selbst seinen - noch tonalen - kompositorischen Aufbau über Akkord-Verbindungen. Wenn seine Hände scheinbar mühelos im wilden Ritt über die Tasten gleiten, bleibt beim Zuhören der Atem weg.

    Am Ende hat Marco Tschirpke zwar zwei Stunden lang versucht, „den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen mir und meinem Publikum zu umschiffen“, es ist ihm allerdings nicht gelungen. Seine Gäste in Gempfing reagieren hingerissen auf diesen schwarzen, kurzweiligen und unverschämt lustvollen Abend.

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