Steueroasen-Vorwürfe, ein neues Wasserhaus, eine brennende Regenbogenfahne – dass in Mertingen in den vergangenen Jahren nichts los war, lässt sich wahrlich nicht sagen. Nun steht ein weiteres Ereignis an, das die Menschen im Ort beschäftigen wird. Der Wahlkampf zwischen dem amtierenden Bürgermeister Veit Meggle (PWG) sowie seinem Herausforderer Stephan Kreuzer (CSU). Wo die beiden in den kommenden sechs Jahren Schwerpunkte setzen wollen. Und was sie unterscheidet.
Bemerkenswert ist, dass beide beruflich miteinander zu tun haben. Denn Kreuzer arbeitet seit vergangenem Jahr beim Bauamt der Gemeinde. „Ich bin zuständig für alles, was den Hochbau angeht“, erklärt der gelernte Schreiner. „Das hat den Vorteil, dass ich alle Gebäude kenne und diese Themen für mich kein Neuland sind.“ Von seiner Tätigkeit leitet Kreuzer Eigenschaften ab, die ihm aus seiner Sicht als Bürgermeister nützlich sein könnten. „Es gibt Sachen, die erst auf der Baustelle entschieden werden. Dieses Entscheiden und Handeln, das ist mir wichtig.“
Seniorenarbeit ist für Stefan Kreuzer in Mertingen eine Herzensaufgabe
Mitunter kommt ihm das derzeit zu kurz. Er nennt das Beispiel Kindergartenanbau. Hier müssten klare Entscheidungen getroffen werden. „Mir ist das Personal sehr wichtig, deshalb möchte ich, dass der Büroanbau nun kommt.“ Bei neuen Planungen steigerten sich die Kosten immer mehr. Ein weiteres Thema, das ihn beschäftigt: die ärztliche Situation. Die sei derzeit noch gut. Es sei aber absehbar, dass einer der beiden Hausärzte bald in Rente gehe. „In diese Räumlichkeiten geht aber keine moderne Arztpraxis rein.“ Deshalb müssten Räumlichkeiten für eine solche Praxis geschaffen werden.
Auch beim Pfenningbäck wünscht sich der 42-jährige Familienvater, dass nun eine Lösung gefunden wird. Wichtig ist ihm, dass hier auch in Zukunft eine Bäckerei ihren Platz findet. Unter den Nägeln brennt Kreuzer die Situation von älteren Menschen. Er verweist auf das stark ausgelastete Seniorenheim im Ort. „Wir müssen uns grundsätzlich die Frage stellen, ob wir ein Tages- und Nachtpflegeangebot schaffen können“, sagt Kreuzer, der von 2008 bis 2020 im Gemeinderat saß. Es sei ihm eine Herzensaufgabe, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben könnten.
Kreuzer: Räume für junge Menschen schaffen
Aber auch für die andere Seite des Altersspektrums hat der Familienvater Ideen. Die Landjugend funktioniere zwar. „Doch wir brauchen Räumlichkeiten, in denen sich Jugendliche auch mal aufhalten können.“ Seine Idee: Im Umfeld des bald nicht mehr genutzten Wasserhauses Räumlichkeiten für junge Menschen zu schaffen. Mehr Personal in der Verwaltung braucht es aus seiner Sicht nicht, um seine Vorstellungen umsetzen zu können. „Das geht, wenn wir in unserem Kernteam stärker zusammenarbeiten und wir die Themen untereinander gut verbinden.“
Kreuzer ist neben seiner beruflichen Tätigkeit in vielen Vereinen aktiv, derzeit beispielsweise als Vorsitzender der Feuerwehr. Wie ist das zu schaffen? „Ich bin es im Grunde schon seit meiner Jugend so gewohnt.“ Es sei Alltag, abends noch auf Sitzungen zu gehen. Er schätzt, dass das Bürgermeisteramt in dieser Hinsicht keine große Veränderung in seinem Leben bedeuten würde. Falls die Mertinger ihn wählen sollten, möchte er sogar mindestens bis 2027 Vorsitzender der Feuerwehr bleiben. „Das ist für mich eine Herzensaufgabe.“ Ob das als Bürgermeister auch über 2027 hinaus möglich ist, kann Kreuzer noch nicht beurteilen.
Veit Meggle kann sich in Mertingen einen Jugendbeauftragten vorstellen
Wie das Zeitmanagement eines Bürgermeisters aussieht, weiß der derzeitige Amtsinhaber. Seit 2020 fungiert Veit Meggle als Verwaltungschef der Gemeinde. „Der Job ist einfach wahnsinnig abwechslungsreich, das macht mir unglaublich Freude“, erklärt der 55-Jährige, wieso er auch in Zukunft die Geschicke Mertingens leiten will. Verschiedene Projekte sind ihm für die kommenden Jahre wichtig. Dazu zählt das Haus der Vereine, auf das Meggle besonders stolz ist. „Im Frühjahr soll es fertig sein“, sagt er.
Doch auch andere Vorhaben möchte Meggle gerne zu Ende führen. Der PWG-Mann nennt zum Beispiel das neue Wasserhaus und das Aufstocken der Schule. In Sachen Jugend verweist er darauf, dass es bereits Versuche gab, Räumlichkeiten für diese bereitzustellen. „Wir würden diese von Seiten der Gemeinde anbieten – aber wir wollen auch einen Ansprechpartner haben.“ Die Gründung eines entsprechenden Fördervereins sei gescheitert, weil keiner die Verantwortung habe übernehmen wollen. Meggle könnte sich aber vorstellen, ein anderes Angebot für junge Menschen zu schaffen. „Ich stelle mir einen Pavillon mit einem Dach und Sitzgelegenheiten an einer schönen Stelle vor.“
Meggle möchte einen Jugendbeauftragten installieren
Darüber hinaus kann sich Meggle vorstellen, einen Jugendbeauftragten zu installieren. „Für die Senioren hat so etwas super geklappt, unsere Seniorenbeauftragte macht eine tolle Arbeit.“ Wichtig sei es aber auch, Dinge anzupacken, die vielleicht nicht unbedingt direkt ins Auge springen. Dabei meint Meggle zum Beispiel die Kanäle. „Hier gibt es einen extremen Sanierungsstau.“ Er räumt ein, dass die Planungen dafür lange gedauert haben. „Es hat gedauert, bis wir vom Ingenieurbüro die Daten zurückbekommen haben“, erklärt er das Problem. Für die medizinischen Versorgung möchte Meggle das Pfenningbäck-Gebäude nutzen. „In den hinteren Räumlichkeiten könnte ich mir eine Arztpraxis oder eine therapeutische Einrichtung vorstellen.“ Im zweiten Stock möchte er Wohnungen unterbringen.
Ein Anliegen ist es Meggle darüber hinaus, eine Drogerie in Mertingen anzusiedeln. „Da war die Meinungsbildung im Gemeinderat bisher sehr zäh.“ Doch auch wenn es mitunter nicht ganz einfach ist, einen Konsens zu finden – Meggle ist es wichtig, gemeinsame Lösungen zu finden. „Es ist sinnvoll, die Entscheidungen gemeinsam zu treffen.“ Für ihn sei das Miteinander besser als eine „Alleinherrschaft“.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren