„Überwältigend“ und „große Ehre“ – solche und ähnliche Worte fielen an diesem Abend immer wieder. Denn die Menschen, die im Enderlesaal im Mittelpunkt standen, fühlten sich offenkundig sehr gewürdigt. In erster Linie wohl für die Anerkennung, die sie für ihr Engagement erfuhren. Denn die Stadt Donauwörth verlieh verschiedene Ehrungen an mehr als ein Dutzend Personen. Diese sind in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv – und leisten doch alle einen Dienst an der Gesellschaft.
„Das sind meistens die, die nicht durch Worte auffallen, sondern durch ihre Taten“, so Oberbürgermeister Jürgen Sorré. „Menschen, die nicht nur etwas bewegen wollen, sondern es auch tun und anpacken.“ So wie die Verantwortlichen des Sozialkaufhauses „SinnSalabim“ in der Zirgesheimer Straße. Bei der Gründung dieser Einrichtung habe für die Stiftung St. Johannes nicht nur die Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt gestanden, sondern auch das Ziel, Nachhaltigkeit und Ökologie mit Leben zu füllen.
Albert Riedelsheimer lobt „Anker Fahrradwerkstatt“ aus Donauwörth
Tatsächlich bekommen hier Dinge auf 600 Quadratmetern eine zweite Chance. Hier finden sich unter anderem hochwertige Möbel, Spielzeug oder Haushaltswaren. Doch Sorré betonte auch, dass eben nicht alles angenommen werde. „Denn nachhaltiges Arbeiten bedeutet auch, Ressourcen sinnvoll zu nutzen und Überfluss zu vermeiden.“ Für dieses Wirken erhielt das Team der Einrichtung den Umweltpreis für herausragende Leistungen in der Kategorie „Nachhaltige Innovation“.
In Sachen Nachhaltigkeit tut sich ebenso die „Anker Fahrradwerkstatt“ hervor. Diese gibt es seit 2015 und wurde in Zeiten der Flüchtlingskrise gegründet. Umweltbürgermeister Albert Riedelsheimer hob in seiner Laudatio nicht zuletzt diesen Umstand hervor: „Von Anfang an kümmert sie sich in besonderer Weise um geflüchtete Menschen. Sie sorgt dafür, dass diejenigen, die sich kein Auto leisten können, durch mehr Mobilität eine Chance zu mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben.“ Ehrenamtler helfen hier Menschen, gebrauchte oder gespendete Fahrräder aufzubereiten, sodass sie diese für einen kleinen Betrag erwerben können. Für dieses Engagement erhielt Initiator Thomas Brückner den Umweltpreis in der Kategorie „Ehrenamtliches Engagement Einzelner oder Gruppen“ aus den Händen von Riedelsheimer.
In einer Krisensituation zupackend handeln – damit taten sich auch Harald Strobel, Hubert Gerstmeier, Timo Bablok, Markus Schröttle und Michael Näßl hervor. Sie erhielten für ihr Engagement während der Flutkatastrophe im Jahr 2024 Ehrenbriefe der Stadt. „Harald Strobel und Hubert Gerstmeier organisierten in einer beispiellosen Aktion in kürzester Zeit die Rettung des Ortes Auchsesheim“, erklärte Sorré. Sie initiierten nämlich einen Behelfsdamm mit gut einem Kilometer Länge. Anschließend sicherten sie das Bauwerk gemeinsam mit hunderten Helfern. Auch die Feuerwehrkommandanten Bablok (Zusum), Schröttle (Auchsesheim) und Näßl (Nordheim) hätten in diesen Tagen „herausragenden Einsatz“ gezeigt, so Sorré. „Sie waren Vorkämpfer, Vorbilder und – trotz teils unklarer Informationslage – Anlaufstelle vor Ort.“
Ehemalige Geschäftsführerin der VHS Donauwörth ausgezeichnet
Anerkennende Worte fand Sorré auch für Kerstin Henke und Christine Dinger-Wilde, die den Waldkindergarten in Donauwörth aufbauten. Der Weg dorthin sei nicht einfach gewesen, unterstrich der Oberbürgermeister. „Es brauchte Organisationstalent, Durchhaltevermögen und den festen Glauben an die eigene Idee.“ 2005 konnte Kindergarten den Betrieb aufnehmen, damals noch mit zehn Kindern. Doch dabei sollte es nicht bleiben, heute gibt es mehrere Gruppen. „Hier können Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben, ihre Kreativität entfalten und ihre Sinne schulen“, erklärte Sorré. Sie lernten darüber hinaus, sich und ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen. Dabei werde der Waldkindergarten durch ehrenamtliches Engagement getragen. Für diesen Einsatz erhielten Henke und Dinger-Wilde den Friedrich-Drechsler-Sozialpreis.
„Ihr beruflicher und persönlicher Weg ist eng mit der Kultur in Donauwörth verbunden“, richtete sich Sorré an Gudrun Reißer, die die Sebastian-Franck-Kulturmedaille erhielt. Reißer habe das kulturelle Leben der Stadt über Jahrzehnte hinweg geprägt und bereichert. Zunächst leitete sie von 1990 bis 2011 die städtischen Museen und fungierte anschließend als Geschäftsführerin der Volkshochschule. Für diese sei Reißer ein „wahrer Glücksfall“ gewesen, betonte der Oberbürgermeister. Er hob unter anderem ihr Handeln während der Flüchtlingsbewegungen 2015 hervor, als sie umgehend Sprach- und Integrationskurse initiiert habe. Und auch in ihrem Ruhestand ist Reißer im Sinne der Stadtgeschichte aktiv und engagiert sich als Stadtheimatpflegerin. „Eine Aufgabe, die sie mit derselben Hingabe erfüllt, die ihr gesamtes Wirken auszeichnet“, sagte Sorré.
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