Autohaus Böttcher schließt – Gründe für das Aus in Rain und Neuburg erläutert
Rain/Neuburg
Autohaus Böttcher schließt in Rain und Neuburg: „Wir konnten leider keine andere Lösung finden.“
Nach 77 Jahren stellt das Traditions-Unternehmen Böttcher seinen Betrieb ein. Verschärfte Marktbedingungen und andere Herausforderungen führten zu dieser Entscheidung.
Das Autohaus Böttcher schließt zum 31. März seinen Stammsitz Rain und die Niederlassung in Neuburg. Firmeninhaber Gerd Böttcher nennt die veränderte Marktsituation und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als Grund.Foto: Barbara Würmseher
Der Wirtschaftsstandort Rain wird bald um ein Unternehmen ärmer sein, das dort fast 77 Jahre lang eine feste Größe mit gutem Ruf war und sich darüber hinaus in Neuburg ein zweites Standbein aufgebaut hatte: Wenn das Familienunternehmen Böttcher zum 31. März komplett schließt, endet eine Autohausgeschichte. Sie wurde 1949 von Albert Böttcher begonnen, von dessen Sohn Siegfried Böttcher fortgeführt und wird seit 1995 von Gerd Böttcher, dem Enkel des Firmengründers, gestaltet. „Wir sind zu groß für klein und zu klein für groß“, bringt der 58-Jährige jetzt die aktuelle Lage auf den Punkt.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den mittelständischen Betrieb - so schildert er - haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschärft. Er beschreibt die Zukunftsaussichten des ländlichen Autohauses an zwei Standorten als „nicht mehr günstig und nicht mehr dauerhaft tragfähig“.
Das Ende dieser Ära ist für Firmenleitung und Familie mit Wehmut, aber auch mit Pragmatismus verbunden: „Es ist ein Schritt, der nicht geplant war, aber nötig ist.“ Darüber hinaus schwingt Dankbarkeit mit für knapp 77 Jahre Firmengeschichte. Gerd Böttcher: „Wir blicken auf eine Zeit zurück, die von Vertrauen, persönlicher Nähe und verlässlichem Handwerk geprägt war.“
Der Automarkt ist eingebrochen
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass der Betrieb nun eingestellt wird. Die wirtschaftliche Flaute in Deutschland, die Krise in der Automobilindustrie, die Einbrüche auf dem Markt sind es, die generell für schwierige Grundlagen sorgen.
Die zu erfüllenden Standards des langjährigen Vertragshändlers Opel - von technischer Ausrüstung bis hin zu den Merkmalen der Corporate Identity und geforderten Investitionen - seien zudem sehr umfangreich, so Gerd Böttcher, „und für einen eher kleinen Betrieb mittlerweile schwer zu erfüllen. Die großen Autohäuser haben ja zehnmal so viele Kunden wie wir“. Deshalb habe man sich bereits 2023 von Opel als Vertriebs-Partner getrennt und lediglich den Opel-Service aufrechterhalten.
In der Hoffnung auf einen Aufschwung hat das Unternehmen dann für den Standort Neuburg einen Händler-Vertrag mit Nissan abgeschlossen. Doch das habe sich „nicht so entwickelt wie geplant“, unter anderem auch wegen des Wegfalls des essenziell wichtigen Kleinwagens im Portfolio des Herstellers. Auch hier entstanden weitere Kosten durch Ausbildung durch geforderte Schulungen, Spezialwerkzeuge und Lizenzgebühren.
Die allgemein gestiegenen Kosten waren eine zusätzliche Belastung
Die insgesamt allgemein gestiegenen Kosten haben die Firma Böttcher zudem belastet. „Während Corona hatten wir für beide Häuser die vierfachen Heizkosten“, schildert Gerd Böttcher. „Heute sind sie immerhin nur noch doppelt so hoch wie davor, aber immer noch erheblich.“ Dazu kämen alle anderen Bereiche der Kostensteigerung auch. „Jeder Lieferant legt seine höheren Ausgaben auf uns um, das können wir als Autohaus nicht vollständig den Kunden aufbürden, denn wir stehen ja immer auch in Konkurrenz mit den Mitbewerbern.“
Hinzu kämen eine Fülle weiterer Kriterien: Zwei Standorte in zwei verschiedenen Regierungsbezirken - Schwaben und Oberbayern - bedeuten auch zwei verschiedene Handelskammern, zwei verschiedene Innungen mit jeweiligen Gebühren, die Suche nach qualifiziertem Personal sei in Zeiten des Fachkräftemangels schwierig, es gebe keine Nachfolge innerhalb der Familie und der Wandel in der Automobilbranche hin zu großen Gruppen erschwere den kleineren Mitbewerbern die Existenz.
Dank an Kunden, Partner und Mitarbeitenden für Unterstützung und Treue
Alles in allem „hat diese Spirale dazu geführt, dass wir als eigenständiger Unternehmer in der ländlichen Region nicht mehr wirtschaftlich genug arbeiten können“, zieht Gerd Böttcher Bilanz. Familienintern habe man sich deshalb besprochen, wie es weitergehen könnte. Auch mit Autohausgruppen sei man in Kontakt getreten, „doch eine Lösung konnten wir leider nicht finden“.
Zum Jahreswechsel stand dann letztlich die komplette Schließung von Autohandel und Werkstatt an beiden Standorten fest. Lediglich die SB-Tankstelle in Rain wird weitergeführt. Die Immobilie in Neuburg ist bereits verkauft, was mit Gebäude und Grund in Rain wird, „ist derzeit noch völlig offen“. Momentan gibt es noch vieles zu regeln, auch im Sinne der 19 Angestellten.
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