Eine etwa 90-Jährige aus dem Raum Donauwörth wurde am Dienstag, 26. Mai, Opfer eines Schockanrufers. Gegen Mittag erhielt die Seniorin über ihren Festnetzanschluss einen Anruf mit unterdrückter Rufnummer, so teilt die Polizei Donauwörth mit. Eine vermeintliche Mitarbeiterin des Krankenhauses in Kelheim schilderte der Frau, ihre Tochter habe einen schweren Unfall erlitten und müsse für die Behandlungskosten rund 25.000 Euro zahlen. Dafür müsse sie als Mutter aufkommen. Die Seniorin wurde massiv unter Druck gesetzt. Gegen Mittag erschien ein unbekannter Abholer an ihrer Wohnanschrift. Die Frau händigte ihm rund 5000 Euro Bargeld aus. Zeugen beschrieben den Mann so: etwa 30 bis 40 Jahre alt, trug eine weiße Hose und ein gestreiftes Hemd.
Da der Abholer mehr Geld forderte, begab sich die Seniorin zu ihrer Bank, um weitere 10.000 Euro abzuheben. Der Geschäftsstellenleiter reagierte jedoch goldrichtig: Auf seine Frage nach dem Grund schöpfte er sofort Verdacht, verweigerte die Auszahlung und sperrte umgehend das Konto der Kundin. Zudem informierte er die Polizei. Die Ermittlungen übernahmen KPI Dillingen und PI Donauwörth. Nach Rücksprache mit dem Krankenhaus stand fest, dass sich die Tochter der Seniorin dort zu keinem Zeitpunkt in Behandlung befand.
Die neue Masche heißt „Russische Callcenter“
Da die Täter größtenteils russisch sprachen, wird der Fall dem relativ neu auftretenden Phänomen der „russischen Callcenter“ zugeordnet. Die Beamten der PI Donauwörth informieren: Bei der Betrugsmasche „Russische Callcenter“ werden die Gespräche zwischen Täter und Opfer in russischer Sprache geführt. Die bekannte Masche des Schockanrufs/Enkeltricks bleibt dabei erhalten.
Der Anrufer spricht Russisch und wählt gezielt Nummern russischsprachiger Personen. Unter Vortäuschen der klassischen Unfalllegende treten die Täter überwiegend als falsche Polizeibeamte auf. Deutschlandweit wurden bereits Fälle mit dieser Betrugsmasche erfasst, im Bereich der PI Donauwörth ist es der erste bekannte.
Tipps der Polizei
Die Polizei rät: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – auch nicht von angebliche Polizisten oder anderen Amtsträgern, die Ihre Sprache sprechen Vereinbaren Sie mit Ihren Angehörigen oder engen Vertrauten ein Codewort für Notfälle, das bei einem zweifelhaften Gespräch abgefragt wird. Nur wenn dieses Codewort genannt wird, wissen Sie, dass der Hilferuf echt ist.
Übergeben Sie kein Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte! Im Zweifel auflegen und sofort die 110 wählen. Lassen Sie Ihren Telefonbucheintrag löschen oder Vorname und Adresse entfernen. Dazu wenden Sie sich an Ihren Telefonanbieter. Informieren Sie bei jedem Verdacht die Polizei. (AZ)
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