Wemding: Tausende kommen zum Schäfflertanz in Wemding
Wemding
Tausende kommen zum Schäfflertanz in Wemding
Der Schäfflertanz erinnert an das Ende der Pest. Nach zwei Jahren Pandemie traf das traditionsreiche Ereignis den Nerv der Zeit und lockte Tausende nach Wemding.
Der Schäfflertanz in Wemding hat traditionell viele Protagonisten - darunter die Tänzer, die Sagengestalt Grambinus auf dem Fass und Clowns. Foto: Reinhold Seefried
Es war ein echter Festtag in Wemding: Nach neun langen Jahren wurde am Sonntag wieder der traditionelle Schäfflertanz an zehn Stationen in der historischen Altstadt aufgeführt. Wegen Corona musste der seit gut 150 Jahren gepflegte und alle sieben Jahre gefeierte Brauch zweimal verschoben werden. Umso größer war die Freude bei Mitwirkenden und Zuschauern. Über den Nachmittag verteilt dürften es mehrere Tausend Gäste gewesen sein.
Wie von Bürgermeister Dr. Martin Drexler zuvor optimistisch angekündigt, setzte sich am Sonntagmittag kurz vor dem Start der Veranstaltung die Sonne durch. Scheinbar konnten es die Aktiven der Schäfflervereinigung nicht erwarten und zogen angeführt von der Jugend- und Stadtkapelle bereits einige Minuten vor dem für 13 Uhr angekündigten Auftakt zum Marktplatz. Dieser war zu Beginn des rund vierstündigen Spektakels bereits mit mehreren Hundert Besuchern gut gefüllt.
Beim Schäfflertanz zeigen die 20 Tänzer ihre Aufführung an zehn Stationen in der Stadt Wemding
Der Bereich vor dem historischen Rathaus war zugleich auch die erste Station, an der die 20 Tänzer in den traditionellen Gewändern mitsamt ihren Buchsbögen die fünf Figuren „Schlange“, „Laube“, „Kreuz“, „Krone“ und „Changieren“ zeigten. Zum Ende brandete großer Beifall auf.
Nach neun Jahren fand endlich wieder der traditionsreiche Schäfflertanz in Wemding statt. Die Darbietungen der Tänzer begeisterten die Menschen. Und Gambrinus saß fest auf seinem Fass.
Der an dieser Stelle übliche Trinkspruch galt den Ehrengästen, darunter Landrat Stefan Rößle, die Landtagsabgeordneten Wolfgang Fackler (CSU), Eva Lettenbauer (Grüne) und Ulrich Singer (AfD) sowie den Bezirkstagsvertretern Peter Schiele (CSU) und Albert Riedelsheimer (Grüne). Im Anschluss zogen Musikanten und Schäffler wenige Meter weiter zur zweiten Station, danach folgte eine Runde durch die Altstadt. Ohne dies vorher groß anzukündigen, folgte abschließend als elfte Station noch die Klosterkirche des Karmelitinnenklosters.
Was für die Zuschauer synchron und nahezu perfekt einstudiert aussieht, ist körperlich harte Arbeit: Für alle Mitwirkenden – vor allem die Tänzer und Musikanten – bedeutet der Schäffler-Sonntag nach Monaten der Vorbereitung vier Stunden Bewegung und vollen Einsatz. Zur Schäffler-Truppe zählen unter anderem auch noch der Gambrinus (auf einem Bierfass), Reifenträger, Geißböcke, das Münchner Kindl sowie einige Kasper in Clownskostümen, die Spenden einsammeln. Dies sind die wichtigsten Einnahmen der Schäfflervereinigung, aus ihnen werden der laufende Unterhalt sowie der Erhalt oder die Erneuerung der Utensilien finanziert.
Nur wenige Orte in Bayern haben das Recht den Schäfflertanz aufzuführen - einer davon ist Wemding
Der Tag hatte mit einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Emmeram begonnen. Für seine bewegenden Worte dabei fand Stadtpfarrer Wolfgang Gebert im Nachhinein viel Lob. Im Anschluss hatte die Stadt als Gastgeber in Person von Bürgermeister Drexler zu einem Empfang ins historische Rathaus eingeladen. „Endlich ist es wieder so weit“, freute sich der Rathauschef nach der wegen Corona auf neun Jahre verlängerten Schäffler-Pause. Nur noch wenige Orte in Bayern hätten das offizielle Recht, den Schäfflertanz aufzuführen – umso mehr sei man in Wemding stolz, diese Tradition zu pflegen. Gerade während Krisen würden die Schäffler für Lebensfreude und Optimismus stehen, dies passe perfekt in die aktuelle Zeit. Drexler dankte dem Vorsitzenden Andreas Stöckle sowie allen Beteiligten der Schäfflervereinigung.
Die Sagengestalt Gambrinus sitzt auf einem großen Fass - dieses Jahr wurde erstmals aus Sicherheitsgründen ein Traktorsitz montiert.Foto: Reinhold Seefried
Auch Landrat Stefan Rößle hob das lebensbejahende Wirken der Schäffler hervor: „Dies kommt zum richtigen Zeitpunkt.“ Die Menschen bräuchten speziell gelebte Brauchtümer und Traditionen, um positiv nach vorn schauen zu können.
Schäffler-Vorsitzender Andreas Stöckle verteilte zahlreiche Dankesworte. Angefangen beim Bürgermeister als Schirmherrn sowie für jedwede Unterstützung vonseiten der Stadt: „Wir fühlen uns sehr wohl geschätzt.“ Stöckle würdigte auch die Aktiven der Jugend- und Stadtkapelle, die während der kompletten Aufführung mitwirkten, sowie die Freiwillige Feuerwehr für deren Unterstützung. Ganz besonders bedankte er sich bei allen Mitwirkenden des Schäfflertanzes. „Wir sind ein starkes Team.“
Einst war die Pest überstanden, in diesen Zeiten war Corona eine ähnliche Plage
Aus den Reihen des Publikums war diesmal immer wieder der Verweis auf den Ursprung des Schäfflertanzes zu Zeiten der Pest im mittelalterlichen München zu hören. Nun habe man mit Corona in moderner Zeit eine ähnliche Plage überstanden. Eine erstaunliche Parallele in der 500-jährigen Schäfflertanz-Geschichte, die vor rund 150 Jahren vom Gesellen Johann Uhl aus der Landeshauptstadt in seinen Heimatort Wemding gebracht worden war.