35 Unfälle sind im Jahr 2015 im Wittelsbacher Land durch Alkohol am Steuer verursacht worden. Laut Polizei geht fast die Hälfte (16) davon auf das Konto der sogenannten Risikogruppe. Damit sind junge Fahrer im Alter von 17 bis 25 Jahren gemeint. Deshalb gilt es, schon früh aufzuklären. Für Schulen gibt es im Wittelsbacher Land ab sofort in der Medienzentrale Aichach einen „Alkoholpräventionskoffer“ zum Einsatz im Unterricht.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Andrea Schymura von der Medienzentrale erklärt: „In den vergangenen Monaten haben mehrere Lehrkräfte nach Unterrichtsmaterialen rund um das Thema Alkoholprävention gefragt.“ Deshalb wurde nun ein Methodenkoffer angeschafft. Ab sofort können Lehrkräfte die Materialien kostenlos ausleihen. Der Koffer bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die sogenannten „Rauschbrillen“ zeigen anschaulich, welche unmittelbare Wirkung der Alkoholkonsum auf Wahrnehmung und Verhalten hat. Die Brillen können vielfältig zum Einsatz kommen, zum Beispiel in einem Parcours mit Bobbycars oder beim Fangen von Bällen. Auch ein fünfminütiger Film mit dem Titel „Du fehlst“, der Alkoholmissbrauch im Straßenverkehr thematisiert, sowie ein Alkohol-Quiz und ein Spiel, das den Alkohol-Suchtverlauf nachzeichnet, sind enthalten. Beispiele aus dem Alltag sollen es erleichtern, Risiken richtig einzuschätzen. Enthalten ist ebenfalls ein Methodenhandbuch mit vielen Informationen und Anregungen zur Aufbereitung der Thematik im Unterricht.
Abschreckende Beispiele zeigen Wirkung
Auch Anton Oberfrank, Schulleiter der Konradin-Realschule in Friedberg, hat schon Erfahrungen mit diesen Materialien gemacht. Im Rahmen eines Themenabends etwa wurde die Problematik im Jahr 2012 behandelt: „Das hat die Schüler schon beeindruckt. Abschreckende Beispiele zeigen ihre Wirkung.“ Prinzipiell sieht er den Lehrkoffer als pädagogisch wertvoll, dennoch dürfe man die Kinder nicht überfrachten. „Der Alkoholmissbrauch bei unseren Schülern ist in den vergangenen Jahren erfreulicherweise deutlich zurückgegangen.“ Dennoch gibt es eine Suchtpräventionsbeauftragte und regelmäßige Aufklärung.
Ein großes Thema ist der Alkohol nach wie vor für die Polizei. Hauptkommissar Wolfgang Hamann von der Inspektion Friedberg erklärt: „Neben der überhöhten Geschwindigkeit ist das die häufigste Unfallursache.“ Deshalb habe das Thema in der täglichen Polizeiarbeit einen hohen Stellenwert. Resultat sind intensive Kontrollen. Den Lehrkoffer sowie die Präventionsarbeit an den Schulen hält Hamann für sehr sinnvoll. Auch die Polizei beteiligt sich an den Maßnahmen und hält Vorträge zum Thema in den Klassen. Dennoch sei Alkohol am Steuer kein ausschließliches Problem der jungen Fahrer: „Das geht querbeet durch alle Altersklassen. Die Jüngeren sind meist sogar vernünftiger. Die organisieren einen Fahrer, und der bleibt dann auch nüchtern.“
Kaum noch Disco-Unfälle
Das bestätigt auch Helmut Beck, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht: „Die Situation hat sich deutlich gebessert, und die jungen Fahrer haben ein Bewusstsein entwickelt.“ Vor allem die sogenannten Disco-Unfälle, die im Zusammenhang mit einem Discobesuch stehen und aufgrund erhöhter Geschwindigkeit oder Alkoholeinfluss passieren, gebe es kaum noch. „Die Prävention trägt ihre Früchte, aber wir dürfen nicht nachlassen“, sagt Beck. Laut dem Polizisten der Inspektion Aichach ist die Zahl der alkoholbedingten Unfälle von Fahrern im Alter von 17 bis 25 in den vergangenen Jahren zurückgegangen.
Eine ähnliche Entwicklung sieht auch Michaela Röhrle von der Fahrschule Röhrle. „Die Fahranfänger sind weniger gefährdet, mit Alkohol im Blut am Steuer zu sitzen. Das wird eher mit zunehmendem Alter ein Problem.“ Das Thema wird aber auch in ihrem Unterricht speziell behandelt: Rauschbrillen und Beispielfilme kommen zum Einsatz. Zusätzlich tauschen sich die Fahranfänger über ihre Erfahrungen mit Alkohol aus. Problematisch sei der Restalkohol. Vor allem junge Menschen könnten den nur schwer einschätzen: „Es gilt zwar nach wie vor die Formel, dass 0,1 Promille pro Stunde abgebaut werden. Wer aber den geringesten Zweifel hat, sollte sich nicht hinters Lenkrad setzen“, sagt die Inhaberin der Friedberger Fahrschule, die seit 1997 Jugendlichen das Fahren beibringt.
Anfragen zum Verleih nimmt die Medienzentrale unter Telefon 08251/2274 entgegen. Hintergrundinformationen zum Projekt gibt es telefonisch unter 08251/92100.