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Dasing: Beim Schnupfen gilt: Nur schieben, nicht ziehen

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Beim Schnupfen gilt: Nur schieben, nicht ziehen

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    Elisabeth Lindemeyer schnupft für die Damenmannschaft des SC Tattenhausen-Ziegelbach.
    Elisabeth Lindemeyer schnupft für die Damenmannschaft des SC Tattenhausen-Ziegelbach. Foto: Mareike König

    Die beiden Dasinger Ortsteile Tattenhausen und Ziegelbach haben zusammen rund 190 Einwohner. Der Schnupfclub Tattenhausen-Ziegelbach hat 140 Mitglieder. Was anderswo die Schützen, die Fußballer oder die Burschen – das sind in den beiden Dörfern die Schnupfer. Heute richtet der Club die 50. Bayerische Schnupfmeisterschaft aus. In Zeiten, in denen andere Vereine langsam sterben, wächst der SC. Wie schaffen die Mitglieder das?

    Die Profis kleben sich einen künstlichen Nagel auf den Zeigefinger. Damit lässt sich der Tabak besser aus der Dose kratzen.
    Die Profis kleben sich einen künstlichen Nagel auf den Zeigefinger. Damit lässt sich der Tabak besser aus der Dose kratzen. Foto: Mareike König

    So richtig kamen die Schnupfer vor zwölf Jahren in Fahrt. Mitglied und Schiedsrichter Christian Bayr erzählt: „2006 da war ein neuer Urknall.“ Ein weiblicher. Damals richtete der Verein die bayerischen Meisterschaften aus und Tattenhausen feierte seinen 850. Geburtstag. Viele junge Frauen halfen als Festdamen. Und als Gastgeber der Meisterschaft steht einem Club eine eigene Frauenmannschaft gut zu Gesicht. Die Damen machten sich also an die Schnupfdosen und fingen an zu trainieren. Am Anfang noch mit wenig Erfolg. Inzwischen mit mehr. Eine von ihnen ist Maria Glück. Die 32-Jährige trat 2006 in den Verein ein. Heute ist sie dessen zweite Vorsitzende. Die Frauen des SC Tattenhausen-Ziegelbach sind amtierende Vize-Weltmeisterinnen. Weltmeisterschaft, das bedeutet bei den Schnupfern meistens: Bayern gegen die Schweiz und Österreich.

    20 Männer gründeten den Schnupfclub 1965

    Eine Minute haben die Schnupfer, um sich fünf Gramm Tabak in die Nase zu schieben.
    Eine Minute haben die Schnupfer, um sich fünf Gramm Tabak in die Nase zu schieben. Foto: Mareike König

    Im kleinen Vereinsheim in Ziegelbach, hinter der Kirche, reiht sich auf Regalen, Fensterbänken und in Vitrinen Pokal an Pokal. Im Kamin in der Ecke lodert ein Feuer. Daneben ist ein Waschbecken. Das Haus ist alt, klein – gemütlich. „Schnupfedamen fertig machen“, sagt Trainer Greppmeir. Er ist seit 30 Jahren Trainer des SC. Sein Onkel Andreas war Gründungsmitglied im Verein, seine Tochter Julia ist in der Damenmannschaft. Greppmeir achtet drauf, dass seine Leute die richtige Technik anwenden. Ganz wichtig: nur schieben, nicht ziehen. Und die Dose möglichst nah unter die Nase halten, damit der Tabak zurück in das Gefäß fällt, nicht auf das Latzerl. Was einmal auf das weiße Papier fällt, ist verloren. Fatal, vor allem im Wettkampfbereich. Denn hier zählt jedes Gramm: Die Topleute schnupfen mehr als 4,9 Gramm. Bei den Wettkämpfen wird aufs Tausendstel gemessen.

    Den Schnupfclub gibt es seit 1965. Damals gründeten ihn 20 Männer – als eine Art Dorfstammtisch. Heute gibt es im Verein zwischen 20 und 30 aktive Schnupfer und Schnupferinnen. Die jüngste ist 18, der älteste 90 Jahre alt. Als mitgliederstärkster Verein in Tattenhausen und Ziegelbach hält er die Dörfer am Leben: Steckerlfischessen an Karfreitag, Maibaum aufstellen, Jubiläen, Fahrten und Feste. „Das Schnupftraining jeden Freitagabend ist der Aufhänger, das man sich regelmäßig trifft.“

    Ausgeschnäuzt wird auf dem Friedhof

    Das Latzerl fängt den Tabak auf, der es nicht in die Nase geschafft hat. Die Creme hilft gegen das Brennen in der Nase.
    Das Latzerl fängt den Tabak auf, der es nicht in die Nase geschafft hat. Die Creme hilft gegen das Brennen in der Nase. Foto: Mareike König

    „Auf die Plätze fertig los.“ Eine Minute haben die Schnupferinnen Zeit, sich das braune Pulver in die Nase zu drücken. Danach wird das übrig gebliebene Pulver mit einem Pinsel vom Latzerl zurück in die Dose gekehrt. Und der Inhalt gewogen. Um den Tabak wieder rauszuprusten aus der vollgestopften Nase weichen die Schnupfer auf den Friedhof nebenan aus. Da gibt es einen Wasseranschluss. „Die waren doch alle auch mal Mitglied“, kommentiert Maria Glück und lacht. Tattenhausen und Ziegelbach gehören zum Schnupfclub und umgekehrt

    Kein Wunder, dass der SC vor allem im Team punkten kann. „So einen richtigen Topmann oder eine richtige Topfrau haben wir nicht“, sagt Rudi Greppmeir. Schnupfen ist übrigens ein vergleichsweise günstiges Hobby. Pro Durchgang braucht der Wettkampfschnupfer fünf Gramm. Die kosten 27 Cent. In die Nasen kommt Pöschl Schmalzler D, laut Hersteller mit „fruchtig-würziges Tabakaroma mit einer leichten Kakaonote“. Glaubt man den Aktien, dann sind solche sensorischen Versprechungen kein Grund, mit dem Wettkampfschnupfen anzufangen. Und auch nicht, weil es sich besonders schön anfühlt oder besonders angenehm ist.

    Früher haben die Damen zusammen Fußball gespielt

    Gemeinsam Spaß haben, das ist eigentlich die Motivation, verraten die Damen. Bevor sie sich jeden Freitag im Vereinsheim hinter der Kirche trafen, haben viele von ihnen gemeinsam Fußball gespielt. „Da war aber ständig jemand verletzt“, erzählt Glück. Beim Schnupfen gebe es jetzt höchstens mal eine brennende Nase. Obwohl – ein gewisse Portion Ehrgeiz ist auch bei den Wettschnupferinnen dabei: Das Frauenteam hat einen Titel zu verteidigen: Seit 2012 sind die Frauen bayerische Meisterinnen.

    Termin Die 50. Bayerische Schnupfmeisterschaft findet am Samstag, 24. Oktober, um 18 Uhr im Gasthof Asum in Dasing-Laimering statt.

    In Dasing gibt es es ein reges Vereinsleben. Im Ortsteil Laimering hat der Burschenverein heuer ein großes Fest organisiert. Zum politischen Abend kam sogar Innenminister Horst Seehofer. Lesen Sie hier die Geschichte.

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