In der Nacht auf Sonntag ist die Western-City Dasing in Flammen aufgegangen. Zum dritten Mal in vier Jahren. Was ging Ihnen durch den Kopf, als der Alarm gegen ein Uhr nachts einging?
Christian Happach: Kurz dachte ich: Nicht schon wieder. Als die Brandstufe Vier gemeldet wurde, war mir klar, dass das etwas Größeres sein muss. Wenn man dann aber losfährt und an dem Ort ankommt, ist der Kopf eher frei. Man macht dann einfach.
Gleichzeitig war es auch Ihr erster Großeinsatz im Amt des Kreisbrandrats. Wie haben Sie diese Herausforderung wahrgenommen?
Happach: Es war einer der größten Brände, die ich bisher miterlebt habe. Das gleich beim ersten großen Einsatz - das muss natürlich nicht gerade sein. Dass ich das Objekt gut kannte, hat es einfacher gemacht. Ich war regelmäßig bei Ortsbegehungen dort, das ist bei größeren Objekten so üblich. Außerdem hatte ich eine gewisse Routine durch die Übungen und Gespräche mit anderen Führungskräften. Man spielt solche Szenarien ja durch.
Insgesamt waren mehr als 400 Feuerwehrleute aus drei Landkreisen im Einsatz. Wie behält man da den Überblick?
Happach: Circa 35 Feuerwehren aus allen umliegenden Gemeinden waren vor Ort, teils auch aus dem Landkreis Dachau. Die musste ich zusammen mit einer Führungsgruppe delegieren. Ich hatte eine Art Konzept im Kopf. Das arbeitet man in solchen Fällen Stück für Stück ab, um die Lage einzuschätzen. Man stellt sich die Fragen: Welche Feuerwehren sind schon da? Wo schicke ich sie hin? Dann gelten Regeln wie die, Mensch- und Tierleben zuerst zu schützen. Außerdem habe ich zu Beginn mit dem Betreiber darüber geredet, wo besonders große Gefahr bestehen könnte.
Wo drohte in Dasing eine solche Gefahr?
Happach: Da stand ein Gastank auf dem Gelände. Das Feuer war ganz in der Nähe. Das war nicht ganz ungefährlich. Wir haben den Tank dann mit Wasser gekühlt.
Wie weit fortgeschritten war der Brand, als Sie in der Western-City eintrafen?
Happach: Das Feuer hatte sich in fünf bis sechs Gebäude ausgebreitet - drei davon standen schon voll in Flammen. Bei diesen war uns schnell klar: Bei denen hilft nicht mehr viel. Wir haben uns dann auch darauf konzentriert, das Wohnhaus und die Pferdeställe vor dem Funkenflug zu schützen. So ist das Feuer zum Glück nicht übergesprungen und es hat dort keine großen Schäden gegeben - nur die Fenster sind wegen der Hitze gesprungen.
Die Feuerwehren hatten Probleme, genügend Löschwasser zu kommen - das war beim letzten Brand im vergangenen November ähnlich. Woran lag dies und wieso war die Western-City diesmal nicht besser gewappnet?
Happach: Die gesetzlich vorgeschriebene Menge an Löschwasser war vorhanden. Es gibt einen Pool, aus dem die Feuerwehr das Wasser ziehen kann. Aber für diesen großen Brand war das einfach zu wenig. Wir mussten dann sechs Leitungen zur Paar legen, die etwa einen Kilometer entfernt verläuft. Außerdem haben Löschtankwagen Wasser aus einem Hydranten am Bauernmarkt geholt. Wir haben einen Pendelverkehr eingerichtet. Für die Wasserförderung war also viel Manpower nötig - mehr als bei allen anderen Aufgaben. Den Brand selbst hat nur ein kleiner Teil der Einsatzkräfte gelöscht. Gegen vier Uhr morgens hatten wir das Feuer im Griff.
Wieso wurde die Wasserversorgung nicht verbessert seit dem letzten Brand?
Happach: Wir können als Feuerwehr nur darauf hinweisen. Der Betreiber hat den gesetzlichen Rahmen ja eingehalten. Ich hoffe, dass sich in Zukunft trotzdem etwas ändern wird. Das muss man wahrscheinlich mit verschiedenen Ämtern abklären.
Offenbar hat sich Heu in einem Lager entzündet. Wie gehen Sie der Ursache des Brands auf die Spur?
Happach: An der Ursachensuche sind wir als Feuerwehr nicht beteiligt. Das ist Sache der Polizei - spezielle Brandfahnder sind im Einsatz. Diese reden mit dem Betreiber sowie Einsatzkräften und anderen Zeugen, die früh vor Ort waren. Die Spezialisten versuchen, durch das Brandbild die Ursache zu ergründen. Sie versuchen zum Beispiel herauszufinden: Wo brennt es am meisten? Wie ziehen die Flammen?
Immer wieder berichten Rettungskräfte von Schaulustigen, die Einsätze behindern. Haben Sie am Wochenende ähnliche Erfahrungen gemacht?
Happach: In dieser Hinsicht war es von Vorteil, dass der Einsatz nachts stattgefunden hat. Die Polizei hat recht schnell alles großräumig abgesperrt. Ein paar Schaulustige waren natürlich schon da - so etwas spricht sich schnell herum und viele haben die Sirenen gehört.
Steckt Ihnen der Einsatz am heutigen Montag noch in den Knochen?
Happach: Ein bisschen. Ich war am Sonntagvormittag bis um Viertel nach 10 Uhr im Einsatz. Danach habe ich mich erst einmal hingelegt. Man erholt sich aber schneller, wenn es - in Anführungsstrichen - "nur" gebrannt hat. Gibt es Verletzte, dauert es länger, den Kopf freizubekommen.
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