Todtenweis-Sand Rudolf und Manuela Baier haben eine Vision: „Wir möchten zusammen mit der befreundeten Baufirma Maurus solche Häuser errichten, die mit Photovoltaikanlagen zu fast 100 Prozent beheizt werden können.“ Um dieses Konzept der sogenannten „Sonnenhäuser“ in Zukunft zu verwirklichen, hat der 40-jährige Chef der Firma „Solartechnik Baier“ viel Erfindungsreichtum an den Tag gelegt. Rudolf Baier hat eine Steuerung namens „thermacon“ entwickelt, die es ermöglichen soll, mit einer Photovoltaikanlage nicht nur Strom, sondern auch Wärme – und das im großen Ausmaß – zu erzeugen.
Durch seine Arbeit als Energieberater bei den Stadtwerken Augsburg entdeckte Baier seine Leidenschaft für die Solarenergie. 2008 baute er sich mit seinem Familienbetrieb in Sand ein zweites Standbein auf. Seitdem vertreibt er Photovoltaikanlagen, berät seine Kunden und gibt Angebote ab – ein Montageteam ist als Subunternehmer für die Installation zuständig. Seine Kunden kommen aus der Region und sind ausnahmslos Besitzer von Einfamilienhäusern. „Pro Jahr rüsten wir etwa 40 bis 50 Häuser mit Photovoltaikanlagen aus“, sagt Baier. Die Tendenz sei steigend. Sein neues „thermacon“-Konzept solle seinen Kunden nun ermöglichen, dass sie bis zu 100 Prozent des produzierten Stroms auch selbst verbrauchen können – momentan sei nur ein Eigenverbrauch von bis zu 30 Prozent möglich.
Die Idee dazu kam Baier vor einem Jahr im Schlaf. „Ich wachte nachts auf und dachte mir: Man kann mit einer Photovoltaikanlage auch anderes machen, als nur Strom zu erzeugen und zu verkaufen.“ Der 40-Jährige will mit seinem Konzept für Photovoltaikanlagen nicht nur die Strom-, sondern auch die Heizkosten in den betreffenden Haushalten auf ein Minimum senken. „Der von der Photovoltaikanlage erzeugte Strom wird über eine Heizpatrone in Wärme umgewandelt, ähnlich einem Tauchsieder“, erläutert Baier die Technik.
Die von ihm entwickelte „thermacon“-Steuerung solle nun verhindern, dass der Heizstab Strom aus dem öffentlichen Netz bezieht, wenn die Photovoltaikanlage nicht genügend Energie erzeugt – dies sei nämlich sehr teuer. „Der Heizstab bekommt durch unsere Steuerung nur den Strom von der Photovoltaikanlage auf dem Dach, im Keller des Hauses ist ein Wärmespeicher eingebaut“, erklärt Baier. Ist dieser Pufferspeicher voll, wird die überschüssige Energie ins öffentliche Netz eingespeist. Da man für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde eine Prämie vom Staat bekomme, lohne sich sein Konzept auch finanziell, so Baier. „Nach drei bis fünf Jahren hat man die Kosten für die Umrüstung wieder reingeholt“. Seine „thermacon“-Steuerung könne zudem auch bei Windkraftanlagen eingesetzt werden.
Zusammen mit dem Ingenieurbüro Dalog aus Neusäß hat Baier seine Idee ein halbes Jahr lang konzipiert und einen Prototyp bauen lassen. Dieser sieht aus wie ein kleiner Schaltschrank – ähnlich einer „Blackbox“. Seit fünf Monaten hält Baier die dazugehörige Gebrauchsmusteranmeldung in den Händen, im April 2012 wird er voraussichtlich das Patent für seine Erfindung erhalten. „Die Entwicklung hat insgesamt etwa 100000 Euro gekostet, die Patentkosten werden sich auf 30000 Euro belaufen“, sagt Baier.
Die Auslieferung des fertigen Produkts „thermacon“ erfolge wahrscheinlich Ende Oktober diesen Jahres. Die Kosten für die Umrüstung der bestehenden Photovoltaikanlage beziffert Baier auf etwa 6000 Euro. Wenn das Konzept aufgeht, möchte der 40-Jährige die Marke „thermacon“ gerne weltweit vertreiben. „Es wäre toll, wenn sich in Zukunft jeder Haushalt autonom versorgen könnte“, sagt Manuela Baier. Dank der erneuerbaren Energien könne man Gutes für die Umwelt tun und damit auch noch viel Geld sparen.
Im Internet
www.thermacon.de