Startseite
Icon Pfeil nach unten
Friedberg
Icon Pfeil nach unten
Mering
Icon Pfeil nach unten

Finanzen in Mering: Wie knapp bei Kasse ist Mering wirklich?

Finanzen in Mering

Wie knapp bei Kasse ist Mering wirklich?

  • |
  • |
  • |
    Vieles was gut für Mering wäre, kann sich die Kommune nicht leisten.
    Vieles was gut für Mering wäre, kann sich die Kommune nicht leisten. Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

    Mering boomt und ist als Wohnort gefragt wie nie. Dennoch sind die Finanzen der Kommune knapp. Immer wieder müssen wünschenswerte Vorhaben zurück stehen, weil das Geld nicht reicht. Prominentestes Beispiel ist die Neugestaltung des Meringer Ortskerns. Im Rahmen der Vision 2025 erstellten die Planer ein Grobkonzept, das viele begeisterte. Doch der Gemeinderat musste die bittere Entscheidung fällen, dass sich die Kommune maximal das Teilprojekt Rathaus-Neubau leisten kann, nicht jedoch den Veranstaltungssaal.

    „Bei uns wachsen die Bäume nicht in den Himmel“, stellt Merings Bürgermeister Hans-Dieter Kandler nüchtern fest. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass Mering tatsächlich eine finanzschwache Kommune ist. Am frappierendsten ist dabei eine Kennzahl: die Steuerkraft pro Einwohner. Für Mering gibt das bayerische Landesamt für Statistik das Steueraufkommen pro Person 2019 mit 890,64 Euro an.

    Mering ist bei den größeren Orten das Schlusslicht

    Damit liegt die Marktgemeinde auf dem 18. Platz im Vergleich der 24 Kommunen im Landkreis Aichach-Friedberg. Betrachtet man nur die vier größeren Orte, dann bildet Mering sogar das Schlusslicht nach Friedberg (Platz 7), Aichach (Platz 8) und Kissing (Platz 9). Angesichts dessen ist der Bürgermeister eigentlich ganz zufrieden, mit dem, was in den vergangenen Jahren voran gegangen ist. Er verweist auf die Eduard-Ettensberger-Halle, die Bücherei, die Kindergärten und ganz besonders den Abbau der Schulden von rund 18 Millionen Euro 1996 auf derzeit ungefähr 9,2 Millionen. Doch jedes Vorhaben, bei dem die Kosten 10 Millionen übersteige, binde die Finanzen auf Jahre hinaus.

    Meringer Freibad ist der einzige Luxus

    Wie Kämmerer Stefan Gillich erläutert, bleiben in Mering nach Tilgung der Zinsen für die laufenden Kredite jährlich etwa zwei bis drei Millionen Euro, die für Investitionen zur Verfügung stehen. Zum Verhältnis: Der Vermögenshaushalt, der vereinfacht gesagt die anstehenden Investitionen der Kommune enthält, umfasst 2019 rund 11 Millionen Euro. Laut dem Kämmerer besteht bei den Ausgaben nicht viel Spielraum. Sowohl bei den laufenden Kosten als auch bei den Investitionen handelt es sich zum großen Teil um Pflichtaufgaben. Der einzige Luxus, den sich Mering gönnt, ist das Freibad. „Würden wir das schließen, hätten wir jährlich vielleicht 150.000 Euro mehr in der Kasse – und einen Volksaufstand. Das will keiner“, sagt Gillich.

    Größter Posten ist in Mering der Anteil an der Einkommenssteuer, der für 2019 mit über 11 Millionen Euro veranschlagt ist. Diese Einnahmen haben mit dem Wachstum der Kommune stetig zugenommen. Das Problem: damit steigen aber auch die Ausgaben für die Infrastruktur. So muss Mering in nächster Zeit zwei neue Horte bauen und eine der beiden Grundschulen erweitern.

    Ein Problem ist, dass in Mering im Verhältnis zum Ort das Gewerbe nicht entsprechend mitgewachsen ist. Im Gegenteil: Große Betriebe haben in den vergangenen Jahren aufgehört – ohne dass entsprechende Neuansiedlungen nachkamen. Dazu zählen etwa die Firmen Thorey, Krauser, Lipp Keramik oder zuletzt der Leuchtenhersteller Ludwig, der seine Produktion in die Nähe von Dresden verlegt hat.

    Andere Kommunen nehmen deutlich mehr Gewerbesteuer ein

    Während Mering stetig wächst, stagnieren daher die Gewerbesteuereinnahmen laut Gillich seit zehn Jahren auf einem Niveau von durchschnittlich etwa 2,4 Millionen Euro. Für 2019 sind 3 Millionen Euro angesetzt. Zum Vergleich: Kissing hat rund 2000 Einwohner weniger, erwartet jedoch heuer 4,4 Millionen Euro an Gewerbesteuer. Noch deutlicher ist der Unterschied zu Friedberg. Die Stadt hat gut doppelt so viele Bürger wie Mering, die Gewerbesteuereinnahmen sind jedoch gut fünf mal so hoch. Für 2019 rechnet Friedberg mit 15,2 Millionen.

    Entsprechend hatte Merings Bürgermeister zunächst große Hoffnungen auf den derzeit entstehenden Gewerbepark Mering West gesetzt. Nachdem sich die Ansiedlung eines großen Logistikers jedoch auch wegen der massiven Proteste zerschlug, hat er seine Erwartungen zurück geschraubt. „Wir veräußern jetzt kleinteilig. Da wird der Gewerbepark unsere Finanzsituation nicht wesentlich verbessern“, meinter.

    Dabei hätte Mering laut Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag eigentlich beste Voraussetzungen. Schwaben und Oberbayern seien eine absolute Boom-Gegend. Seit Jahren entwickle sich auch der Finanzausgleich vorteilhaft für die Kommunen. „Die Gemeinden bekommen jedes Jahr mehr Geld“, sagt Schober. Und trotzdem hakt es in Mering: „Dann muss es örtliche Gründe haben. Sonst ist es nicht nachvollziehbar“, meint Schober.

    Bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem Newsletter der Friedberger Allgemeine.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden