Aichach-Friedberg Anleger setzen in der heutigen Zeit auf moderne Finanzinstrumente wie Derivate. Auch manche Kommunen und Städte erhoffen sich dadurch einen Gewinn. In Zeiten der Finanzkrise sind solche Geschäfte aber sehr risikoreich. Die Stadt Landsberg hat, wie berichtet, auf diese Weise über drei Millionen Euro bei „Zinswetten“ verloren. Im Wittelsbacher Land setzt man im Bereich Finanzen dagegen nach wie vor auf traditionelle Anlagen und Darlehen.
Kreiskämmerer Josef Grimmeiß hat die Berichterstattung über die Derivataffäre in Landsberg nach eigener Aussage „ganz ruhig“ verfolgt. Der Landkreis setze nicht auf diese Art, aus dem Risiko anderer Kapital zu schlagen. „Wir haben ganz konservative Darlehen mit Festzinslage. Wie die Häuslebauer.“ Im Hinblick auf Geldanlagen werde das meiste kurzfristig als Tagesgeld angelegt, der restliche kleinere Teil als Festgeld. Natürlich habe man sich bereits vor Jahren auch im Finanzausschuss des Kreistags mit den modernen Geldgeschäften beschäftigt, so Grimmeiß. Am Ende habe man sich dagegen entschieden. Er begründet: „Diese Produkte sind sehr kompliziert und man ist abhängig von der Beratung Dritter.“
Damit keine Gemeinde riskante Derivatgeschäfte abschließt, werden ihre Geldgeschäfte geprüft. Laut Pressesprecher Wolfgang Müller vom Landratsamt werden die Gemeinden mit bis zu 5000 Einwohnern von der staatlichen Rechnungsprüfstelle im Landratsamt überwacht, Gemeinden mit mehr Einwohnern vom kommunalen Prüfungsverband. Müller erklärt: „Jede Gemeinde wird alle vier bis fünf Jahre überprüft. Die Mitarbeiterin ist dann direkt vor Ort und schaut, wie das Geld angelegt wurde.“ Wenn eine Gemeinde mit Derivaten handle, werde das selbstverständlich beanstandet, so Müller. „Im Gemeinderat wird dann über die kommenden Schritte beschlossen. Ob es dann persönliche Strafen gibt, hängt immer davon ab, in welchem Ausmaß Derivatgeschäfte abgeschlossen worden sind“, sagt Müller. Denn im Landkreis gebe es ein generelles Verbot von Derivathandel.
Ganz so klar ist die Sache aber nicht: „Es gibt Derivatkonstruktionen, die durchaus den Vorschriften der Gemeindeordnung entsprechen“, sagt Wolfgang Schuß. Der Friedberger Finanzreferent erklärt aber, dass Geschäfte dieser Art dennoch für die Stadt nicht infrage kämen. Auch habe sie derzeit kaum Luft, überhaupt Anlagen zu tätigen: „Derzeit fragen wir uns nicht, wohin mit dem Geld, sondern eher, woher das Geld kommen soll.“ Wenn allerdings ein Haushaltsüberschuss da sein sollte, würde Schuß die Summe bei einer „einlagengesicherten deutschen Großbank“ anlegen.
In Kissing hat man den Handel mit Derivaten zwar geprüft, aber davon auch schnell wieder Abstand genommen. „Ich war damals auf dem gleichen Seminar über diese Geschäfte wie der Landsberger Kollege. Aber letztlich waren sie uns einfach zu riskant“, erzählt der Gemeindekämmerer Klaus Metzger. „Da wir derzeit auf Schulden sitzen, arbeiten wir vornehmlich mit Darlehen, bei denen wir versuchen, vergünstigte Zinssätze mit den Banken auszuhandeln. Auch 2012 müssen wir wieder eines aufnehmen.“
„Bei uns waren solche Geschäfte niemals ein Thema“, sagt Ludwig Hainzinger, Bürgermeister von Schmiechen. „Unsere Kassenüberschüsse werden haushaltsrechtlich einwandfrei in die allgemeine Rücklage zurückgeführt.“ Diese bestehe rein aus sichereren Festgeld- und Geldmarktkonten.
Normale Festgeldkonten bei den Hausbanken unterhält auch die Gemeinde Eurasburg. „Derivatgeschäfte gibt es und gab es bei uns nicht. Da habe ich ein reines Gewissen“, sagt Bürgermeister Erwin Os-terhuber.