1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Geburtshilfe in Aichach steht auf der Kippe

Klinik

06.11.2018

Geburtshilfe in Aichach steht auf der Kippe

Der Landkreis bemüht sich, die Geburtshilfe am neuen Aichacher Krankenhaus zu erhalten.
Bild: Erich Echter

Kreis lässt sich Sicherung der Entbindungsstationen eine Viertelmillion Euro kosten. Ob dadurch der Standort Aichach gesichert werden kann, ist aber noch offen.

Wie lassen sich die Geburtsstationen an den Kliniken an der Paar dauerhaft sichern? Der zuständige Werkausschuss des Kreistags hat dazu jetzt ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das auch mit Hebammen und Frauenärzten abgestimmt ist. Landrat Klaus Metzger betonte gestern den guten Willen aller Beteiligten, wies aber auch auf Unsicherheiten hin. So ist weiterhin nicht ausgeschlossen, dass die Geburtshilfe in Aichach mittelfristig geschlossen werden muss.

Hohe Prämien für Versicherung

Wie berichtet, war die Entbindungsstation in der Kreisstadt im Sommer bereits einige Wochen dicht, weil es dort nicht genügend Hebammen gibt. Auch in Friedberg kursierten Gerüchte um eine Schließung zum Jahresende, weil Belegärzte offenbar an eine Kündigung dachten. Hintergrund ist hier wie dort: Geringe Vergütungen machen für die Hebammen die Arbeit im Kreißsaal uninteressant. Die Mediziner klagen hingegen über rasant steigende Beiträge für die Haftpflichtversicherung. Während für die Hebammen bis zu 60 Prozent der Versicherungsprämien erstattet werden können, gehen die niedergelassenen Mediziner bislang leer aus. Jeder der drei Gynäkologen, die als Belegärzte am Friedberger Krankenhaus tätig sind, müssen zunächst einmal 120 Entbindungen leisten, um das Geld für die Versicherung zu erwirtschaften. Erst dann beginnen sie, Geld für ihre Praxis zu verdienen.

Inzwischen wurde die Geburtshilfe am Friedberger Krankenhaus, wo jährlich etwa 700 Entbindungen stattfinden, in ein staatliches Förderprogramm aufgenommen. Die kleinere Station in Aichach bleibt dabei zunächst zwar außen vor. Weil der Landkreis die Kliniken an der Paar allerdings als ein Krankenhaus mit zwei Standorten ansieht, sollen die Zuschüssen beiden Häusern zugutekommen. Folgende Maßnahmen hat der Werkausschuss nun einstimmig beschlossen:

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Hebammen Der Landkreis gibt die staatlichen Fördermittel von 40 Euro pro Geburt an die Hebammen weiter und stockt diese um weitere 40 Euro aus eigener Kasse auf. Das Geld gibt es künftig auch, wenn Aushilfen am anderen Standort geleistet werden. Neue Hebammen erhalten zusätzlich zu den 5000 Euro, die der Freistaat bezahlt, 10000 Euro vom Landkreis als Starthilfe.

Frauenärzte Die Belegärzte erhalten 60 Prozent (maximal 30000 Euro) der auf die Geburtshilfe entfallenden Haftpflichtbeiträge erstattet; hier ist die rechtliche Prüfung aber noch nicht ganz angesprochen.

Ausbildung Der Landkreis bemüht sich um die Gründung einer Hebammenschule am Aichacher Krankenhaus. Vom Schuljahresbeginn 2020 soll es dort mindestens 18 Ausbildungsplätze geben. Bis der Status einer staatlich anerkannten Schule erteilt wird, trägt der Landkreis das Defizit.

Geld allein löst das Problem nicht

Rund 250000 Euro legt der Kreis für dieses Maßnahmenpaket im Jahr künftig drauf. „Aber mit Geld allein können wird das Problem nicht heilen“, sagte Landrat Metzger. Wichtig ist, dass auch das Personal zur Verfügung steht. Derzeit gibt es in Aichach drei Belegärzte und fünf Hebammen, in Friedberg drei Mediziner und neun Geburtshelferinnen. An beiden Standorten könnte aus Sicht der Politik noch aufgestockt werden.

Die Hebammen haben sich zu einem Probelauf bis März 2019 bereit erklärt. Laut Metzger sind sie mit dem Angebot des Landkreises sehr zufrieden. Wenn sich herausstellt, dass dennoch die Entbindungsstation in Aichach nicht am Laufen gehalten werden kann, sehen die Kreisräte nur noch eine Option: In Friedberg würde dann in Zusammenarbeit mit der Uniklinik eine neue Hauptabteilung für Geburtshilfe mit fest angestelltem Personal eingerichtet, was in Aichach aber wegen der weitaus geringeren Fallzahlen – 2016 gab es 318 und im folgenden Jahr 376 Geburten – nicht in Frage kommt.

Nur noch geplante Kaiserschnitte in Aichach

Es bliebe in der Kreisstadt höchstens eine gynäkologische Belegabteilung übrig, in der geplante Kaiserschnitte vorgenommen werden. Dann wäre vermutlich aber auch die Hebammenschule hinfällig, weil der Kreis nicht auf eigene Kosten das Personal für auswärtige Krankenhäuser ausbilden will, deutete Metzger an.

Lesen Sie einen Hintergrundbericht zur Lage der Geburtshilfe.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren