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Friedberg

14.01.2020

Hospiz in Friedberg: Mit dem Tröstebär durch die Trauer

Christine Schwarz-Marinkovic (links) bietet zusammen mit ihrem fünfköpfigen Team an Trauerbegleiterinnen die neue Kindertrauergruppe „BärenStark“ an. Darüber freuen sich auch Trauerkoordinatorin Manuela Lang und Christine Neukäufer, Gesamtleiterin im St. Afra Hospiz (erste und zweite von rechts).
Bild: Heike John

Speziell ausgebildete Begleiter des St.-Afra Hospizes bieten Mädchen und Buben, die einen nahen Angehörigen verloren haben, Unterstützung. Die Kartei der Not hilft.

Trauer gehört zum Leben und auch Kinder können nicht davor bewahrt werden. Doch sie trauern anders als Erwachsene und oft fehlt es ihnen an Ansprechpartnern in ihrem großen Leid. Hier setzt das St.-Afra-Hospiz mit seinem neuen Angebot an. Der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst im Caritasverband Aichach-Friedberg hat eine Kindertrauergruppe ins Leben gerufen.

Hospiz: Kinder wissen oft nicht, wohin mit ihrer Trauer

„Das war schon lange mein großer Wunsch und nun konnten wir das längst überfällige Hilfsangebot endlich realisieren“, freut sich Christine Schwarz-Marinkovic. Die Koordinatorin der Friedberger Ortsgruppe im St.-Afra-Hospiz rief zusammen mit fünf weiteren Trauerbegleitern die neue Gruppe ins Leben.

Unter dem Motto „BärenStark“ richten sie sich mit einem Zyklus von sechs Terminen vor und nach den Osterferien an Mädchen und Jungen zwischen sechs und elf Jahren, die einen Elternteil oder eine andere wichtige Bezugsperson verloren haben. Als Kleingruppe trifft man sich im 14-tägigen Rhythmus an Freitagnachmittagen, um im spielerischen Tun mit der eigenen Trauer umzugehen zu lernen. Die Kindertrauergruppe findet statt in den Friedberger Räumen des Caritas-Verbandes Aichach-Friedberg in der Hermann-Löns-Straße 6.

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„Wir sehen schon lange den Bedarf, der uns auch immer wieder durch unser Team signalisiert wird“, so bestätigt Christine Neukäufer. Sie ist die Gesamtleiterin des St. Afra Hospizes und bekommt oft Rückmeldung, wenn ein Mensch am Ende seines Lebenswegs durch die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) Linderung erfährt. Nach dem Tod eines Elternteils bleiben manchmal Kinder zurück, die oft genug nicht wissen wohin mit ihrer Trauer.

Kinder können Verlust nicht immer allein bewältigen

Nicht selten ist der verbleibende Ehepartner so sehr mit seiner eigenen Trauer beschäftigt, dass er keine Kraft mehr hat, die Trauer des Kindes aufzufangen. „Eine nahe stehende Person zu verlieren, gehört zu den schwersten Einschnitten im Leben eines Menschen. Für Kinder kann dieser Verlust eine Lücke aufreißen, die sie aus eigener Kraft nicht schließen können“, weiß auch Manuela Lang. Sie ist die Trauerkoordinatorin im St. Afra-Hospiz, das mit Aichach, Friedberg und Mering drei Ortsgruppen unterhält.

Jede Gruppe bietet bereits verschiedene Trauerangebote an, wie etwa das monatliche Trauercafé in Aichach und in Mering oder auch die im vergangenen Jahr in Friedberg gestarteten zweimonatlichen Trauertreffen unter dem Titel „Lichtblicke in der Trauer“. Ortsübergreifend wie diese ist auch das neue Angebot der Kindertrauergruppe. Hierbei handelt es sich jedoch um eine feste Gruppe von maximal acht Kindern, die sich ab 6. März insgesamt sechs Mal treffen wird. Dafür nahmen neben Christine Schwarz-Marinkovic fünf weitere Trauerbegleiterinnen an einer speziellen Schulung an der Trauerakadamie Landsberg teil.

Kinder sollen in Friedberg nach Trauer auch wieder Freude erfahren

An zwei intensiven Wochenenden jeweils am Samstag und am Sonntag haben auch Claudia Dreyer, Christiane Lobinger, Resi Nawrath, Angelika Moll und Cornelia Königsberger die Zusatzqualifikation als spezielle Kindertrauerbegleiterinnen erworben. Die letzteren beiden verfügen zudem über Erfahrung im Projekt „Hospiz macht Schule“, das bereits in mehreren Grundschulen im Landkreis durchgeführt wurde. Was haben Kinder für eine Vorstellung vom Tod? Ist er eine Person? Welche Möglichkeiten gibt es, sich im gemeinsamen Tun mit der Trauer auseinanderzusetzen? Wissen darüber erwarben die Trauerbegleiter für ihr Klientel, trauernde Kinder im erweiterten Grundschulalter. In Gruppenstunden erleben diese, dass auch andere Kinder Trauer haben und sie lernen, ihren Schmerz zuzulassen und zu verarbeiten.

Dabei dürfen auch Spiel und Spaß nicht zu kurz kommen. „Die Kinder sollen Schritt für Schritt auch wieder Freude in ihrem Leben erfahren“, erklärt Christine Schwarz-Marinkovic. Dank einiger Spenden stehen dafür Boxen mit vielerlei Materialien bereit, die eigens für die Arbeit mit trauernden Kindern angeschafft wurden. Ein Schwungtuch, Bälle, Bastelmaterialien, spezielle Kinderbücher und auch für jedes teilnehmende Kind einen sogenannten Tröstebär.

Kartei der Not unterstützt Arbeit an Friedberger Hospiz

Diese Knuddelteddys wurden von der Kartei der Not, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, zur Verfügung gestellt und gaben der Kindertrauergruppe auch ihren Namen „BärenStark“. „Wir wollen Kinder spielerisch, aber professionell in ihrer Trauer begleiten, aber wir sind keine Therapiegruppe“, erklärt Christine Schwarz-Marinkovic das neue Angebot. Wichtig ist ihr deshalb vor der Teilnahme an dem im Übrigen kostenlosen Gruppenangebot auch ein Vorgespräch mit dem trauernden Kind gemeinsam mit einer Bezugsperson zum gegenseitigen Kennenlernen.

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