In den 80er Jahren war der Brunnenhof mit Einkaufspassage, Hotel und Wohnungen ein Prestigeobjekt in Friedberg. Jetzt sieht es im Ladenbereich eher trist aus, die Tiefgarage wurde unlängst für viel Geld saniert – und die Eigentümergemeinschaft hadert mit der Stadt Friedberg. Diese ordnete als Bauaufsichtsbehörde eine Reihe von Brandschutzmaßnahmen an. So müssen Eigentümer ausgebaute Dachspitze wieder räumen. Türen in der Tiefgarage wurden neu eingestellt, so dass Rollstuhlfahrer sie jetzt nicht mehr öffnen können.
Außerdem muss in der Garage eine neue Brandmeldeanlage eingebaut werden. Die Eigentümer, die gerade erst viel Geld in die Betonsanierung der Tiefgarage gesteckt haben, sind darüber alles andere als begeistert. Ulf Goger ist Sprecher des Verwaltungsbeirates und sagt: „Es geht um wahnsinnig viel Geld.“ Die Stadt setze dazu viel zu kurze Fristen. „Aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen.“
Kosten im sechsstelligen Bereich
Steffen Haase, Immobilienverwalter des Objekts, bestätigt, dass die Maßnahmen sicherlich im sechststelligen Bereich liegen werden. Genaueres lasse sich noch nicht abschätzen, weil das Brandschutzkonzept des Gebäudes gerade nochmals überarbeitet wird. Die Ursachen für das Dilemma reichen teilweise Jahrzehnte zurück und spitzten sich schließlich zu, so dass die Stadt Friedberg handeln musste, wie Bürgermeister Roland Eichmann erklärt: „Die Stadt war als Bauaufsichtsbehörde verpflichtet, verschiedene Maßnahmen kurzfristig anzuordnen, um Gefahren für Leib und Leben von Besuchern und Bewohnern abzuwenden.“
Eichmann listet eine ganze Reihe von Defiziten auf, die bereits beim Bau begannen. Diverse Auflagen von damals seien nie umgesetzt worden. Sicherheitstechnische Anlagen seien nicht regelmäßig kontrolliert worden. Später seien Nutzungsänderungen ohne Baugenehmigung durchgeführt wurden, wie Goger bestätigt: Aus einer Bank wurde ein Laden, aus einem Geschäft eine Praxis. Goger zufolge müssen Türen und Fenster nachgerüstet, Fluchttreppen mit Handläufen versehen werden. Einige Eigentümer müssen Wintergärten wieder abreißen und Wohnbereiche räumen. Aufgrund der dramatischen Situation wurde unlängst eine außerordentliche Eigentümerversammlung einberufen, um das weitere Vorgehen zu planen.
Wohnungen, Geschäfte und Garagen
Neben den Eigentümern der 14 Wohnungen, zwölf Geschäftseinheiten und des Hotels ist auch eine Tochter der Stadt von deren Anordnungen betroffen: Den Stadtwerken Friedberg gehört über die Hälfte der rund 140 Stellplätze in der Garage West und sie müssen einen Großteil der Renovierungskosten zahlen – Geld, das als Posten im Haushalt nicht vorkommt. Werkleiter Holger Grünaug erklärt: „Wir haben immer einen Anteil für so etwas eingeplant, aber nicht 100000 Euro.“
Wie Goger berichtet, befürchteten die Eigentümer sogar zeitweise die Schließung der Tiefgarage oder der gesamten Wohn- und Geschäftsanlage aus Sicherheitsgründen – ähnlich wie in Dortmund, wo im September ein Wohnkomplex mit 800 Bewohnern evakuiert worden war. In der Tat bestätigt Eichmann: „Sofortmaßnahmen zur Abwehr der akuten gefahren für Leib und Leben mussten innerhalb weniger Tage bzw. Wochen getroffen werden, um eine weitere Nutzung der Anlage zu ermöglichen.“
Stadtmitarbeiter bemerkt Störung beim Parken
Aufgekommen war die Problematik offenbar eher zufällig. Eichmann zufolge hatte ein Mitarbeiter der Bauaufsicht im Dezember beim Parken eine akustische Störung der Brandmeldeanlage bemerkt. Als die Hausverwaltung nicht die daraufhin geforderte Wartungsbescheinigung schickte, stellten Stadt und Feuerwehr selbst „gravierende Störungen“ an der Anlage fest, besichtigten danach die gesamte Anlage und ordneten dann die nötigen Maßnahmen an. Insgesamt versuche die Stadtverwaltung bereits seit 2016, über die Hausverwaltung Maßnahmen umsetzen zu lassen – ohne Erfolg, betont der Bürgermeister.
Wie Goger dagegen hält, seien die Eigentümer nicht unwillig. Doch Umfang und Kosten der Maßnahmen seien so groß, dass man sie nur nach und nach bewältigen könne. Außerdem sorge in der Tiefgarage eine funktionierende Sprinkleranlage für Sicherheit. Die Eigentümer haben sich nun einen Anwalt genommen. Dieser wies laut Goger darauf hin, dass im Fall eines Brandes Strafverfahren drohen und die Versicherung nicht zahlen würde.