Ein großes Rätsel in der Geschichte Kissings bleiben bis heute die Gänge unter der St. Peterskirche. Wer einmal genauer darüber nachlesen will, welchem Vermutungen hinter diesem Geheimnis liegen oder sich dafür interessiert, auf welchen Zeitraum die urkundliche Erwähnung von „kisingas“ zurückgeht, der hat ab sofort einen einfachen Zugang zu Kissings Ortsgeschichte. Denn vergangene Woche hat Simone Seidler von der Gemeinde neue Seiten auf der Homepage kissing.de freigeschaltet, die umfangreich über die Historie Auskunft geben. Die Sachgebietsleiterin Haupt- und Personalverwaltung ist auch für die Pflege des Internetauftritts der Gemeinde verantwortlich. Deshalb freute sie sich zusammen mit Bürgermeister Reinhard Gürtner besonders, dass nach rund zweijähriger Vorbereitungszeit nun endlich die Internetseiten mit viel Wissenswertem zur Ortshistorie gefüllt werden konnten.
Nachschlagewerk für Alteingesessene Kissinger und Neubürger
Zwischen den Suchkategorien „Schulen und Kinderbetreuung“ sowie Tourismus findet sich im Inhaltsverzeichnis ein umfangreicher Informationsblock zum Thema „Ortsgeschichte“. In 16 übersichtlichen Kapiteln geht es nicht nur um die erste urkundliche Erwähnung Kissings, sondern auch um die verschiedenen Epochen, angefangen von der Steinzeit oder dem Kissing der Jesuiten bis zu seinem Wandel im 20. Jahrhundert, als durch den Bau einer Vertriebenensiedlung Neukissing entstand. Unterkapitel mit weiterführenden Informationen und Quellenangaben für weitere Recherchen machen das Angebot als Nachschlagewerk für alteingesessene Kissinger und historisch interessierte Neubürger attraktiv.
Die beiden Autoren der Kissinger Ortschronik sind Heinz Schmidt und Dr. Peter Münch-Heubner, die sich in ihren beschriebene Interessensgebieten perfekt ergänzen. Heinz Schmidt aus Kissing berichtet über die Zeit des Jurameers bis zum Mittelalter. Er war bis zu seinem Ruhestand als Versuchsingenieur und Leiter der Technischen Erprobung für Erdbewegungs- und Straßenbaumaschinen tätig. Privat beschäftigt er sich viel mit Erdgeschichte und der Archäologie der Vor- und Frühgeschichte. Sein besonderes Interesse gilt der Dynamik der Flusssysteme und Landschaftsformen des Voralpenlandes, insbesondere von Lech und Paar seit ihrer Entstehung, sowie der Besiedlungsgeschichte unserer Region. Vor fünf Jahren war er maßgeblich an der Aufstellung des Römersteins an der B2 beteiligt. „Meine Recherchen sind noch nicht abgeschlossen“, betont der Vater der Kissinger Archivarin Petra Scola begeistert.
Die Arbeit zur Ortsgeschichte in Kissing geht weiter
Diese wiederum ist das Bindeglied zwischen den beiden Autoren. Bereits vor vier Jahren arbeitete sie mit dem Münchner Historiker Dr. Peter L. Münch-Heubner im Rahmen einer Forschungsarbeit für das Haus des Deutschen Ostens intensiv zusammen. Münch-Heubner lehrt als Privatdozent an der Universität Augsburg und als Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr in München/Neubiberg. Für Kissing habe er in den letzten Jahren geschichtswissenschaftlich starke Heimatgefühle entwickelt, sagt er. Vor allem die Recherche rund um die Siedlungsgeschichte der Heimatvertriebenen nach dem Krieg lasse ihn nicht mehr los. So gut wie der eine, Heinz Schmidt, mit seinen Einführungen unter geomorphologischer Sicht zu den Themen des anderen, Peter Münch-Heubner, seit der ersten urkundlichen Erwähnung Kissing überleitet, so gut harmoniert das Autorenduo mit dem Schreiber der Kissinger Ortsgeschichte, Toni Mahl. Dieser arbeitet an der Fortsetzung der Ortshistorie Kissings im Buch und die Autoren für den historischen Internetauftritt konnten auf viele einzigartige Fotos aus dessen Archiv zurückgreifen. Bürgermeister Reinhard Gürtner ist dabei als Verfechter ^lpdes europäischen Gedankens besonders stolz, dass die beiden Autoren auf ihren Kissinger Seiten auch dazu einen Bezug herstellen.
Vorträge: Begleitend zur Veröffentlichung der Ortsgeschichte im Internet finden zwei Vorträge der Autoren in der Bücherei Kissing statt. Teil 1: Samstag, 2. November, 17 Uhr: Vom Jurameer zum Gunzenlee. Referent: Heinz Schmidt. Teil 2: Samstag, 23. November, 17 Uhr: Von der Diskussion um die erste urkundliche Erwähnung bis ins Heute. Referent: P.D. Dr. Peter L. Münch-Heubner