Schon mit seiner Ankündigung, bei der regulären Wahl im Jahr 2020 nicht mehr anzutreten, hatte Kissings Bürgermeister Manfred Wolf Opposition und Parteikollegen überrascht. Seit Freitag ist bekannt, dass der 62-Jährige noch früher seinen Schreibtisch im Rathaus räumen wird. Aus gesundheitlichen Gründen geht Wolf ab Januar in den Ruhestand. Seit über 22 Jahren ist er im Amt. „Das war eine großartige Zeit, die ich gerne im Dienste für unsere Bürgerinnen und Bürger verbracht habe“, sagt er. Er wolle sich bei den Kissingern für das Vertrauen in all den Jahren bedanken. Zudem gelte sein Dank den Mitgliedern des Gemeinderats und den Kollegen in der Verwaltung. „Durch ihre Arbeit und Engagement ist es gelungen, für Kissing in den über zwanzig Jahren unglaublich viel zu erreichen und damit für uns alle die Lebensbedingungen zu verbessern.“
Schon bei der Bürgerversammlung wählt Wolf persönliche Worte
Schon bei der Bürgerversammlung hatte Wolf sehr persönliche Worte an die Zuhörer gerichtet und über seine gesundheitlichen Beschwerden gesprochen. „Ich hatte eine sehr schmerzhafte Gürtelrose und die Schmerzen sind mir geblieben.“ Er sei bei Spezialisten in Behandlung.
Nun hat der Gemeinderat am vergangenen Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung Wolfs Antrag zugestimmt, ab Januar in Ruhestand zu gehen. Seine Stellvertreterin Silvia Rinderhagen wird die Geschäfte im nächsten Jahr übernehmen, bis am Sonntag, 24. März, die Neuwahlen stattfinden. Rinderhagen, die wie der Bürgermeister in der SPD ist, sagte am Freitag: „Wir bedauern sehr, dass er gezwungen ist, sein geliebtes Amt aufzugeben.“ Aber es sei eine nachvollziehbare Entscheidung. „Er hat sein Amt mit großer Leidenschaft, viel Enthusiasmus und als Visionär ausgeübt.“ Es sei Wolfs Verdienst, dass sich Kissing in den vergangenen 20 Jahren zu einer sehr attraktiven Gemeinde entwickelt habe. Wer sich in der SPD um seine Nachfolge bewirbt, stehe noch nicht fest. „Wir werden in Klausur gehen und beraten und dann bei einer Entscheidung die Öffentlichkeit informieren.“
Auch die Sprecher der anderen Fraktionen im Kissinger Gemeinderat äußern Bedauern über Wolfs Entscheidung. Peter Wirtz von der Freien Wählergemeinschaft sagt: „Es ist verständlich, dass er geht, die Gesundheit geht vor.“ Im Kissinger Gemeinderat herrsche ein gutes Klima und es werde konstruktiv gearbeitet. „Man hat zwar auch seine Meinungsverschiedenheiten, aber man entscheidet zusammen im Sinne der Gemeinde.“ Das sei auch Wolf zu verdanken. Ob die Freie Wählergemeinschaft einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl ins Rennen schickt, stehe laut Wirtz noch nicht fest. Bereits im Hinblick auf die Wahl 2020 habe er sich bei der letzten Mitgliederversammlung umgehört. „Die Resonanz war nicht so groß“, sagt Wirtz. Für sich selbst schließt der 67-Jährige aus, anzutreten. „Das muss jemand machen, der jünger ist.“
Bürgermeisterwahl in Kissing: Wer tritt an?
Katrin Müllegger-Steiger, die Sprecherin der Grünen, sagt: „Mir tut es sehr leid für ihn, er hätte ja gerne die Amtszeit noch zu Ende gebracht.“ Wolf habe sehr viel für die Gemeinde bewegt. „Auch wenn er mit unserer Fraktion nicht immer einer Meinung war.“ Mit dem Bürgermeister gehe eine Ära zu Ende. Im Hinblick auf die Neuwahlen sagt die 41-Jährige: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, zu kandidieren.“ Darüber müsse aber erst im grünen Ortsverband abgestimmt werden, schließlich gebe es auch noch weitere fähige Kandidaten. Dennoch fühle sich Müllegger-Steiger durch ihr langjähriges Engagement in der Lokalpolitik für das Amt gewappnet. Als Oppositionspolitikerin könne sie auch neue Impulse mitbringen.
Reinhard Gürtner, Ortsvorsitzender der CSU und Gemeinderat, bedauert ebenfalls, dass Bürgermeister Wolf aus Krankheitsgründen nun vorzeitig gehen muss. „Er hat die Entwicklung Kissings mitgeprägt.“ Die CSU sei bei den Haushaltsverhandlungen immer mit ihren Projekten zum Zug gekommen. „Die Frage der Umsetzung ist natürlich eine andere“, sagt Gürtner. Dennoch bezeichnet auch er die Zusammenarbeit im Gemeinderat als konstruktiv. Bei der letzten Bürgermeisterwahl war Gürtner bereits gegen Wolf angetreten. Er könne sich vorstellen, wieder zu kandidieren. „Ich stehe bereit.“ Darüber müsse aber die Ortshauptversammlung der CSU entscheiden. Ein Termin soll demnächst festgelegt werden. Dass die Neuwahl bereits im März stattfindet, werde in seiner Fraktion allerdings nicht befürwortet. Die CSU hätte sie lieber parallel zur Europawahl im Mai ausgerichtet. „Das wäre besser gewesen, allein aus Kostengründen“, sagt Gürtner. Seiner Fraktion sei aber in der Gemeinderatssitzung von der Verwaltung versichert worden, dass an dem Termin im März kein Weg vorbeiführe.
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