Mouhammad Balsha stöbert in den Regalen der Meringer Bücherei. Der Flüchtling aus Syrien hat die Marktgemeinde, ihre Einrichtungen und ihre Bürger schätzen gelernt. Vor Kurzem wurde sein Asylantrag positiv beschieden. Nun will er so schnell wie möglich sein in der Heimat unterbrochenes Wirtschaftsstudium wieder aufnehmen. Doch zuallererst muss er aus der Flüchtlingsunterkunft ausziehen und sucht deshalb eine Wohnung. Das erweist sich als ausgesprochen schwierig. Denn er ist bei Weitem nicht der Einzige, der jetzt schnell ein eigenes Dach über dem Kopf braucht.
Allein in Mering gibt es 58 Flüchtlinge, deren Asylanträge in jüngster Zeit positiv entschieden wurden. Und damit sind sie verpflichtet, aus den Asylbewerberunterkünften auszuziehen. Gelingt das nicht, sprechen die Behörden daher von sogenannten Fehlbelegern. In der Marktgemeinde ist ihre Zahl so hoch wie nirgends sonst im Landkreis. Laut Simone Losinger liegt es daran, dass hier besonders viele Syrer untergebracht sind. Wegen der hohen Bleibeperspektive werden deren Anträge besonders rasch abgearbeitet, erklärt die Leiterin der Ausländerbehörde am Landratsamt Aichach-Friedberg.
Die zweitgrößte Zahl an Wohnungssuchenden muss Friedberg bewältigen. Dort zählt das Landratsamt bisher 51 Fehlbeleger. In Friedberg ist es besonders schwierig, Wohnraum zu finden. Darum riet Stadtpfarrer Pater Markus Hau im dortigen Asylkoordinationsrat Helfern davon ab, zu viel Energie in die Wohnungssuche zu stecken. Fündig werde man derzeit fast nur über private Kontakte.
Das war nicht absehbar
Insgesamt sind es im Landkreis 226 Fehlbeleger. „Dass es so schnell so viele sind, war für uns nicht absehbar“, sagt Simone Losinger. Eigentlich wären diese anerkannten Flüchtlinge nicht ihr Problem, weil sie rechtlich nicht mehr unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen. Theoretisch könnte die Ausländerbehörde die Betroffenen sogar vor die Türe setzen. Für Obdachlose wiederum sind die Gemeinden zuständig und verpflichtet, diese unterzubringen. Viele Kommunen halten daher eine kleine Anzahl an Wohnungen oder Wohncontainer vor. Aber bei einer Größenordnung von 58 Flüchtlingen, wie im Falle Merings, bieten die vorgehaltenen Räume nicht annähernd ausreichend Kapazitäten.
Das ist auch der Ausländerbehörde bewusst. „Natürlich schmeißen wir die Leute nicht einfach raus. Die Gemeinden haben uns schon oft geholfen, und wir sind auf die gute Zusammenarbeit angewiesen“, sagt Simone Losinger. An diese appellierte auch Landrat Klaus Metzger in einem Brief, den er nun an alle Bürgermeister verschickte. Wie er auch beim Politischen Aschermittwoch erklärte, sind die Probleme seiner Ansicht nach nur über den sozialen Wohnungsbau zu lösen.
Auch viele andere suchen
So sehen das auch die Helfer, die derzeit meist vergebens versuchen, mit den Flüchtlingen auf dem regulären Mietmarkt etwas zu finden. „Es sind ja nicht nur unsere Asylbewerber auf der Suche, sondern auch viele andere Leute. Und denen hilft keiner“, sagt die Meringer Asylkoordinatorin Maureen Lermer. Ihrer Ansicht nach müsste hier die Regierung tätig werden und Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Sie befürchtet, dass die Konkurrenz um Wohnraum die ohnehin schon angespannte Stimmung in der Gesellschaft weiter verschärft. In Mering sei es bisher nur zwei Bewohnern aus den Unterkünften gelungen, eine Wohnung zu finden. Und bei einem zählt der Vermieter selbst zum Helferkreis.
Glücklich über syrische Mieter
Auch in Friedberg sind solche Vermittlungen bislang eher Ausnahmefälle. Doch wenn es mal klappt, hätten dort Vermieter positive Erfahrungen gemacht mit anerkannten Asylbewerbern. Davon berichtet die städtische Asylbeauftragte Ulrike Proeller. Ein Vermieter sei richtig glücklich über seine neuen Mieter, eine syrische Familie.
Wie sich die 226 Flüchtlinge, die jetzt auf Suche sind, am Ende verteilen, ist schwer abzuschätzen. Denn 95 bis 98 Prozent dürfen ihren Wohnsitz in ganz Deutschland frei wählen. Nur bei einem geringen Anteil ist der Flüchtlingsstatus so, dass sie den Landkreis ohne Genehmigung nicht verlassen dürfen.
Mouhammad Basha möchte wie viele der anderen dortigen Flüchtlinge am liebsten in Mering bleiben. Mit einer Wohnung zur Untermiete wären sie dabei zufrieden und würden beispielsweise auch bei der Gartenarbeit behilflich sein.
Die anerkannten Flüchtlinge haben alle auch die Erlaubnis, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. „Wenn ein anerkannter Asylbewerber kein eigenes Einkommen oder Vermögen hat, kommt das Jobcenter für die Unterkunftskosten auf“, erklärt Simone Losinger.
Wer eine Wohnung anbieten möchte, wird gebeten, sich mit der Asylkoordinatorin Merings unter ihrer E-Mail-Adresse mlermer@gmx.net oder mit dem Asylhelfer Siegfried Schwab unter it@siggi-schwab.de bzw. mit dem Asylhelferkreis am jeweiligen Ort in Verbindung zu setzen.