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Mering: Seniorenzentrum: Mittels Headset bleiben sie in Kontakt

Mering

Seniorenzentrum: Mittels Headset bleiben sie in Kontakt

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    Durch die Scheibe der Cafeteria getrennt können Angehörige mittels Headset und Mikrofon mit den Bewohnern in St. Agnes sprechen.
    Durch die Scheibe der Cafeteria getrennt können Angehörige mittels Headset und Mikrofon mit den Bewohnern in St. Agnes sprechen. Foto: Heike John

    Wenn Hannelore Schubert draußen vor der Scheibe steht, dann strahlt Charlotte Bothfeld drinnen in der Cafeteria des Seniorenzentrums St. Agnes in Mering über das ganze Gesicht. Die 97-Jährige trägt Kopfhörer und kann durch ein Mikrofon mit ihrer Tochter sprechen, die ebenso mittels Headset verkabelt ist.

    In Zeiten des Besuchsverbots in Pflegeheimen ist diese Art der Kommunikation zwischen Bewohnern und ihren Angehörigen sehr wertvoll. Das Gefühl, ausgesperrt zu sein, und den Vater, die Oma oder den Bruder aus Angst vor der Verbreitung des Coronavirus nicht mehr besuchen zu dürfen, ist für viele Menschen fast unerträglich. Und in den Heimen fühlen sich manche Bewohner verlassen und verstehen nicht, warum der Sohn oder die Enkelkinder nicht mehr zu Besuch kommen.

    Klaus Mayinger leitet das Pflegeheim St.Agnes in Mering. 
    Klaus Mayinger leitet das Pflegeheim St.Agnes in Mering.  Foto: Gönül Frey (Archiv)

    Noch bevor die Schutzmaßnahmen verschärft wurden, machte sich Einrichtungsleiter Klaus Mayinger bereits Gedanken, was in dieser Situation hilfreich sei. Als passionierter Musiker, der immer wieder gerne zur Unterhaltung in seiner Einrichtung am Keyboard aufspielt, verfügt er über das passende Equipment. „Ein kleiner Mixer, zwei Headsets, zwei Kopfhörer, die Kabel über die Seitentür der Cafeteria rausgelegt und fertig war die Sprechanlage“, erklärt Mayinger.

    Das Angebot in Mering findet gute Resonanz

    „Das Angebot findet gute Resonanz“, freut er sich. „Unsere Verwaltung macht bis zu 40 Gesprächstermine pro Woche aus.“ Teilweise habe es sogar Freudentränen gegeben, als Bewohner ihre Angehörigen durch die Scheibe wiedersahen. „Was kostet das, was müssen wir bezahlen, haben sie mich gefragt.“

    Die Begeisterung über die für die Krisenzeit geschaffene Sprechstelle kann Hannelore Schubert nur teilen. „Ich finde diese Idee einfach klasse“, sagt die Vorsitzende der Bewohnervertretung. „Es ist doch etwas ganz anderes für unsere Senioren, wenn sie ihre Angehörigen beim Sprechen auch sehen können. Und diese wiederum haben die Gewissheit, meinem Vater oder meiner Tante geht es gut“, sagt Schubert. Zweimal die Woche hat sie nun durch die Scheibe und verkabelt Kontakt zu ihrer 97-jährigen Mutter. „Beim ersten Mal hat meine Mutter geweint, als sie mich wiedersah“, erinnert sich Hannelore Schubert gerührt. „Anfangs fand sie es schon etwas komisch, Kopfhörer aufzusetzen und in ein Mikrofon zu sprechen, aber jetzt hat sie sich dran gewöhnt.“

    Charlotte Bothfeld berichtet ihrer Tochter, was es im Heim zu essen gab, und diese wiederum erzählt ihr von den Enkeln und den bereits vier Ururenkeln. „Einmal hat meine Mutter eine Banane mitgebracht, die sie mir schenken wollte. Das ging natürlich nicht.“ Im Eingangsbereich des Seniorenzentrums stehen Kisten und Körbe, in die Angehörige Kleidung, Süßes oder andere Dinge hineinlegen können, die sie ihren Lieben bringen möchten.

    Der Sprechkontakt durch die Scheibe muss mit einigen Tagen Vorlauf angemeldet werden. Daraufhin werden Sprechzeiten bis zu einer halben Stunde vergeben. Das Zeitfenster liegt zwischen 10.30 Uhr und 15 Uhr, wenn auch die Mitarbeiter in der Verwaltung anwesend sind. Sprechmöglichkeiten via Headset gibt es aber sieben Tage die Woche, das heißt, auch am Wochenende sind Mitarbeiter der Verwaltung anwesend.

    Meringer Senioren schätzen den Sichtkontakt

    „Die Pfleger bringen unsere Bewohner zum gewünschten Termin nach unten in die Cafeteria und ein Verwaltungsmitarbeiter sorgt für die Verkabelung und auch die anschließende Desinfektion aller Gerätschaften. Das ist ein Sonderaufwand für alle Beteiligten, den wir sehr honorieren“, lobt Hannelore Schubert.

    Voll des Lobes ist auch Wolfgang Huber. „Ich finde das eine super Idee.“ Zunächst telefonierte er täglich mit seiner knapp 92-jährigen Mutter, doch das Sprechen mit Sichtkontakt sei für einen alten Menschen weitaus besser, findet er. „Senioren tun sich oft schwer, mit dem Handy umzugehen und die kleinen Tasten zu bedienen. Und vom Fenster aus dem dritten Stock herunterzurufen, geht auch nicht unbedingt.“ Klaus Mayinger habe sich wirklich eine gute Lösung für diesen Krisenfall einfallen lassen, lobt er.

    „Durch die Gesangsanlage mit Verstärker hört meine Mutter fast noch besser, als wenn ich direkt neben ihr sitzend gesprochen habe“, findet er. „Und selbst an den Osterfeiertagen war immer jemand von der Verwaltung da, um uns zu verkabeln. Meist sogar Herr Mayinger persönlich. Die Cafeteria als Konferenzzimmer ist wirklich eine gute Lösung, denn wenn betagte Menschen von ihren Angehörigen nichts mehr hören, fühlen sie sich verlassen und ihnen fehlt irgendwann der Lebenswille“, ist er überzeugt.

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