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Aichach-Friedberg: Nachbarschaftshilfe: Gemeinsam gegen Corona

Aichach-Friedberg

Nachbarschaftshilfe: Gemeinsam gegen Corona

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    Geholfen werden kann in der Corona-Krise auf die unterschiedlichste Art und Weise. In Friedberg, Mering und Kissing bilden sich mehrere Initiativen der Nachbarschaftshilfe.
    Geholfen werden kann in der Corona-Krise auf die unterschiedlichste Art und Weise. In Friedberg, Mering und Kissing bilden sich mehrere Initiativen der Nachbarschaftshilfe. Foto: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

    Manchmal lösen kurze Begebenheiten viel aus. So ging es einer Friedbergerin, die vor Edeka in der Stadtmitte eine weinende alte Frau mit Gehwagen traf. Der Grund für die Tränen: Toilettenpapier, Hefe und 0,5-Liter-Wasserflaschen waren aus, sie konnte sie nirgends anders besorgen, die Tochter wohnt in München. Die Jüngere lief zum Müllermarkt – Toilettenpapier Fehlanzeige.

    Schließlich holte sie welches aus ihrem Büro. „Ich bin fassungslos“, schrieb sie auf Facebook. Aus Geschichten wie diesen entstanden in den vergangenen Tagen mehrere Helferinitiativen. Eine davon gründeten Felix und Anton, zwei Schüler aus Friedberg.

    Felix aus Friedberg: "Wir helfen, wo es nötig ist"

    Felix Ehrenberg ist 16 Jahre, besucht die 10. Klasse der Mittelschule. Als er und sein Freund Anton Niedermowwe erfuhren, dass sie ab Montag schulfrei haben, überlegten sie: „Warum sollen wir die Zeit nicht nutzen, um anderen zu helfen?“ Auf ihren Facebook-Post hin entstand die Facebook Gruppe „Du kommst aus Friedberg, wo Nachbarschaftshilfe kein Fremdwort ist“.

    Einkaufen, zur Apotheke gehen, Kinder betreuen: „Wir wollen überall helfen, wo es nötig ist“, sagt Felix. Damit alte Menschen sich keine Sorgen machen müssen, dass sie hereingelegt werden, wollen die Schüler mit Code-Wörtern arbeiten.

    Die beiden Jungs koordinieren die Hilfe und werden dabei unter anderem unterstützt von Edeka-Betreiber Michael Wollny. Noch machen sich seine älteren Kunden keine großen Sorgen wegen der Ansteckungsgefahr, hat Wollny erlebt. Aber wenn sich die Lage verschärft, könne sein Team keinen Lieferservice leisten. „Ältere Mitarbeiter haben schon aus Angst vor Ansteckung Urlaub genommen; wie sind beschäftigt, die Regale nachzufüllen“, berichtet er. Dabei seien Hamsterkäufe nicht nötig. „Die Versorgung mit Waren, auch aus „gesperrten“ Ländern, ist gesichert.“

    Felix Ehrenberg initiierte die Corona-Nachbarschaftshilfe in Friedberg.
    Felix Ehrenberg initiierte die Corona-Nachbarschaftshilfe in Friedberg. Foto: Felix Ehrenberg

    255 Mitglieder hatte die Friedberger Facebook-Gruppe Montagnachmittag. Bei der Stadtpfarrei St. Jakob haben sich ebenfalls über 30 Menschen gemeldet, die für andere einkaufen gehen, Transporte und Botengänge übernehmen wollen. Nun werde es darum gehen, wie man die Menschen, die Hilfe brauchen, erreicht, sagt Stadtpfarrer Steffen Brühl ebenso wie Schüler Felix Ehrenberg.

    Anton Niedermowwe  initiierte die Corona-Nachbarschaftshilfe Friedberg.
    Anton Niedermowwe initiierte die Corona-Nachbarschaftshilfe Friedberg. Foto: Anton Niedermowwe

    „Die Menschen sind zurückhaltend, wenn es darum geht, Hilfe anzunehmen“, weiß Brühl. Außerdem nehme Internet-Affinität mit steigendem Alter ab. Daher wollen beide Gruppen Plakate und Flugblätter drucken und verteilen. Sie haben zentrale E-Mail-Adressen und Telefonnummern eingerichtet.

    Laut Brühl können sich Menschen melden, die Hilfe bieten, Hilfe suchen – und solche, die jemanden kennen, der Unterstützung benötigen könnte. Dabei gehe es nicht nur um Besorgungen. „Wir wollen auch Gespräche, vor allem natürlich am Telefon, anbieten, wenn sie jemand braucht“, sagt der Stadtpfarrer. Dieser Schritt soll drohender Vereinsamung und Ängsten in Zeiten von Corona vorbeugen.

    Mering: Facebook-Gruppe mit Angeboten in der Corona-Krise

    Zwei ähnliche Initiativen sind in Mering und Kissing entstanden. Wie die Mitinitiatorin Julia Stöckel aus Mering berichtet, hat sie die Idee von Friedberg für Mering übernommen, Kissing folgte. Auch hier soll der Kontakt über Facebook (Corona Nachbarschaftshilfe Mering, Corona Nachbarschaftshilfe Kissing), Handynummern und E-Mail-Adressen laufen. Stöckel ist überrascht, wie viele Menschen mitmachen wollen.

    Corona-Nachbarschaftshilfe

    Egal, ob Sie helfen möchten, Hilfe brauchen oder jemanden kennen, der wegen Corona Unterstützung nötig hat: An folgende Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Facebook-Gruppen können Sie sich wenden.

    Friedberg

    Telefon: 0821/57089787 Mail: nachbarschaft-friedberg@web.de, Facebook: Du kommst aus Friedberg (Bayern), wo Nachbarschaftshilfe kein Fremdwort ist.

    Friedberg/Stadtpfarrei

    Telefon: 08 21/5 88 68 61, Mail: info@sankt-jakob-friedberg.de, Website: sankt-jakob-friedberg.de/corona-hilfe, Facebook: Pfarrei Sankt Jakob Friedberg.

    Mering

    Telefon 0176/74592305, Mail: nachbarschaftshilfe.mering.kissing@gmx.de, Facebook: Corona Nachbarschaftshilfe Mering.

    Kissing

    Telefon: 0176/74592305, Mail: nachbarschaftshilfe.mering.kissing@gmx.de, Facebook: Corona Nachbarschaftshilfe Kissing.

    Ried

    Telefon: 0173/ 87 29 509.

    Kissing/Mehrgenerationenhaus

    Einkaufsdienst: 0157/87948972, andere Hilfe und Unterstützung: 08233/2120125.

    Friedberg/Bürgernetz

    Telefon: 0821/21 70 24 89 (Fahrdienst und Botengänge)

    Friedberg/Wasserwacht

    Mail: friedberg@wasserwacht.org, Telefon: 0821/601588, Internet: www.wasserwacht-friedberg.de (Einkaufsdienst in Friedberg (ohne West), Rinnenthal, Dasing und Neukissing)

    Merching

    Mobil: 0157/30162857,

    Dasing

    Mobil: 0157/30619213 und 0176/16592003

    E-Mail: helfen@aktive-buerger-dasing.de.

    Kissing: Jetzt muss man die Angebote kanalisieren

    Die Kissinger Gruppe hatte Montagnachmittag 270, die Meringer 295 Mitglieder. „Hallo, wir helfen gerne“ ist in verschiedenen Varianten der häufigste Post. „Wichtig wird es sein, die Aktionen zu kanalisieren“, sagt Stöckel. Wie all dies über die Bühne gehen soll, überlegen die verschiedenen Gruppen gerade noch. Ebenso, wie man die Lebensmittel oder anderen Dinge übergibt, ohne sich gegenseitig zu gefährden. Eines ist jedoch schon klar: Die Corona-Krise führt im Wittelsbacher Land auch zu einem neuen Wir-Gefühl.

    Felix Ehrenreich sagt: „Ich bin froh, Friedberger zu sein, weil wir alle zusammenhalten.“ Ähnliche Worte findet Pater Brühl: „Diese Situation kann ein bleibendes Gefühl des Zusammenrückens hinterlassen.“

    Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

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