Mering Die Anwohner am Paarbogen in Mering sind entsetzt. Statt Ein- bis Zweifamilienhäuser sollen auf dem Areal direkt neben ihnen nun bis zu neun Doppelhäuser mit jeweils sechs Wohnungen entstehen, sieben wurden bereits beantragt (siehe Artikel unten). Die Gemeinde hat keine Handhabe, weil es der Bebauungsplan hergibt, erklärt Bürgermeister Hans-Dieter Kandler. Und Bauträger Gerhard Beutelrock versteht die Aufregung nicht. Er hält seine Planung auch nicht für massiver, als es in der Nachbarschaft bereits der Fall ist.
Volker und Daniela Sindel gehören zu den 28 Familien, die mit einer Unterschriftenliste ihre Bedenken beim Gemeinderat vorgebracht haben. Sie wohnen in einer Doppelhaushälfte. Ihr Grundstück haben sie 2004 erworben, damals von der Firma WSW. Zu diesem Zeitpunkt gab es einen Bebauungsplan für das Gebiet am Paarbogen. Demnach hätten auf dem knapp 6000 Quadratmeter großen Areal zwischen Ahornweg, Paarangerweg und Langwiedweg auch Ein- und Zweifamilienhäuser entstehen müssen.
„Unter diesen Voraussetzungen sind wir hierher gezogen“, erklärt Volker Sindel. Doch inzwischen ist der damalige Bauträger insolvent gegangen. Der Nachfolger GSW hat den Gemeinderat dazu bewegt, den Bebauungsplan zu lockern. Dieser vertraute auf das vorgelegte Konzept, nach dem auf dem Areal 26 Häuser, einzelstehend oder als Doppelhaushälften entstehen sollten. Doch GSW verkaufte nun ohne Rücksprache mit der Gemeinde an die Firma Beutelrock. Und Gerhard Beutelrock hat ganz andere Pläne, wie die Bautafeln zeigen, die bereits angebracht sind.
Der Ahornweg ist verkehrsberuhigt. Am Nachmittag sind dort viele Kinder zu sehen, unterwegs mit Rollern, Fahrrädern oder einfach beim Spielen. Rund 50 Kinder haben die Anwohner bereits jetzt in dem Gebiet gezählt. Wenn nun nebenan statt 26 Wohneinheiten die bislang beantragten 42, oder gar die maximal angedachten 54 hinzukommen, wird der Verkehr zunehmen. Daniela Sindel macht das Sorgen. „Ich will meine Kinder nicht an die Hundeleine nehmen müssen“, fügt Nachbarin Birgit Kroiß hinzu. Volker Sindel, ebenso Stefan Schweigstetter und Ulrich Tietz befürchten, dass die eher städtisch anmutende Bebauung in der Nachbarschaft den Wert ihrer Häuser mindern wird. Vom Bürgermeister sind sie enttäuscht. Sie haben den Eindruck, dass er sich hinter rechtlichen Vorschriften verschanzt. „Wer nicht kämpft, hat doch schon verloren“, sagt Volker Sindel.
„Ich beurteile das nach Recht und Gesetz und wir haben das Vorhaben unter allen Gesichtspunkten geprüft“, sagt Bürgermeister Kandler. Er sieht keine Handhabe. Die Skepsis gegenüber dem Bauträger versteht er. „Beutelrock ist ein Meister des Optimierens“, sagt er. Sehr verärgert ist er über die Firma GSW, die einfach verkauft hat, ohne die Gemeinde zu informieren. „So hatten wir keine Chance mehr zu reagieren“. Dass der bestehende Bebauungsplan im Vertrauen auf das Konzept der Firma geändert wurde, habe sich nun als Fehler erwiesen, gibt Kandler zu.
Seine Lehre daraus sei es, in Bebauungsplänen strengere Vorgaben zu machen. Außerdem wolle er sich bemühen, dass die Gemeinde künftig Wohngebiete nicht einfach ausweist, sondern sich bemüht, die Grundstücke selbst zu erwerben und zu vermarkten. Auch am Paarbogen hätte Mering beim Verkauf an Beutelrock streng genommen noch ein Vorkaufsrecht gehabt. Die Gemeinde hätte jedoch den Kaufpreis des Bieters zahlen müssen. „Das wären mindestens 1,2 Millionen Euro gewesen. Das war so auf die Schnelle unmöglich!“, erklärt der Bürgermeister.
Gerhard Beutelrock sieht die Angelegenheit aus Unternehmersicht. „Wir halten uns an den Bebauungsplan. Und wenn dieser hier strenger geregelt wäre, hätten wir vermutlich gar nicht erst gekauft“, sagt er. Für Ein- und Zweifamilienhäuser wie sie ursprünglich hier vorgesehen waren, gebe es derzeit kaum einen Markt, weil diese zu teuer sind. Seine Wohnungen seien jedoch sehr gefragt. Was die zugelassene Geschossflächenzahl betreffe, liegen seine Pläne noch weit unter der im Bebauungsplan zulässigen Grenze, sagt er. „Statt drei Reihen Doppelhäuser hätte ich hier auch drei Riegel hochziehen können mit Tiefgarage darunter“, stellt er klar. Mering gehöre zum Münchner Einzugsgebiet und es sei eine völlig normale Bauweise. Während er die Anwohner in gewisser Weise verstehen könne, sei er ärgerlich über den Bauausschuss. „Dass sie das vertagt haben, obwohl sie ganz genau wissen, dass es rechtens ist, das nehme ich ihnen übel“, sagt er. Dadurch könne er den geplanten Baustart nicht einhalten und das bringe auch die beauftragte Baufirma in Schwierigkeiten. "Kommentar Seite 1