Als Mathias Gruners Eltern in den 1960er Jahren ihr Juweliergeschäft an der Bahnhofstraße eröffneten, war diese in Friedberg Top-Lage. Es gab einen Herrenausstatter ebenso wie ein Haushaltswarengeschäft und mehrere Lebensmittelläden; viele Kunden waren unterwegs. Davon kann keine Rede mehr sein. Auch wenn es viele schöne Häuser gibt, ist das Pflaster marode, der Straßenzug wirkt teilweise heruntergekommen, Geschäfte stehen leer, nur wenige Fußgänger verlieren sich auf den Gehsteigen.
Gruner sagt: „Ich hab das Geschäft vor 26 Jahren übernommen. Seitdem heißt es, es muss etwas getan werden und nichts ist passiert.“ Das soll sich ändern. 2018 will die Stadt einem Beschluss des Bauausschusses zufolge den Umbau angehen. Geschäftsleuten macht das Hoffnung.
Kaum Laufkundschaft
So Willi Weißgerber. Er selber ist Chef des Altstadtcafés gegenüber der Kirche, seine Frau betreibt seit einem Jahr das Geschenkegeschäft Kleinigkeiten um die Ecke. „Wir haben den Unterschied an Laufkundschaft 20 Meter weiter völlig unterschätzt“, sagt Weißgerber. Er hofft, dass sich nach dem Umbau wieder ein „Schnelldreher“ ansiedelt, der Waren für den täglichen Bedarf anbietet und viele Kunden anzieht.
Ähnlich geht es Manuela Wenzl vom Teegarten. Die vielen Leerstände tun ihr im Herzen weh; auch sie würde sich einen Bäcker oder ein Lebensmittelgeschäft wünschen. Doch wer soll hinziehen? Inzwischen gebe es das alles ja schon an der Ludwigstraße, sagt sie.
Mathias Gruner würde deshalb eher auf eine andere Branche setzen: Cafés und Lokale, die auch im Freien bewirten. Davon gebe es in Friedberg noch zu wenige, meint er. Und sie würden die Menschen dazu bringen, sonntags einen Schaufensterbummel zu machen und dann zum Einkaufen zurückzukehren. Gruner sagt: „Es ist mehr als überfällig, die Straße herzurichten. Doch es gibt viele Parameter, an denen man drehen müsste.“ Dazu zähle auch der viel diskutierte Steg nach Friedberg-Süd. Doch im Gegensatz zu diesem habe die Stadt nicht alles selber in der Hand. „Es ist die Frage, ob ein Umbau der Straße Eigentümer dazu bringt, ihre Häuser zu renovieren.“
Hohe Mieten?
Einen anderen Faktor nennt Weißgerber. Er selber habe einen fairen Vermieter, habe aber von Hausbesitzern gehört, die Preise verlangen, die man im kleinen Einzelhandel nicht mehr erwirtschaften kann – gerade in dieser Lage. „Viele haben nicht verstanden, dass der Einzelhandel gefühlte 30 Prozent Umsatz ans Internet verloren hat.“
Einige Geschäftsleute und Anwohner wünschen sich mehr Informationen zu dem Umbau von der Stadt oder wollen in die Diskussion einbezogen werden. Hauseigentümer denken dabei an die Straßenausbau-Beiträge, die sie zahlen müssen, Geschäftsinhaber an die Erreichbarkeit ihrer Läden während der Bauphase, alle ans Parken.
Allzu viele Informationen hat Bürgermeister Roland Eichmann noch nicht zu bieten, verspricht aber auf jeden Fall, dass die Betroffenen im ersten Quartal 2017 auf einer Versammlung informiert werden und ihre Meinung einbringen können. Danach wird geplant und 2018 soll der Umbau über die Bühne gehen – rechtzeitig vor dem Altstadtfest; die Kosten lassen sich laut Eichmann noch nicht abschätzen. Sein Ziel: „Ein Aufwertung um die frühere Funktion als Einkaufsstraße zurückzuholen. Wir brauchen mehr fußläufige Frequenz.“
Was geplant ist
Momentan gebe es nur einen Beschluss des Bauausschusses, der im Haushalt verankert werden muss. „Intern überlegen wir außerdem, wie wir den Umbau planerisch und beitragsrechtlich gut rüberbringen“, sagt er. Festgelegt sei noch nichts. Zwar hat der Bürgermeister selber sich dafür ausgesprochen, das Konzept der abgesenkten Bordsteine aus der Ludwigstraße nicht fortzuführen („Das ist gescheitert.“). Viele Stadträte sind allerdings anderer Ansicht. „Hier ist nichts entscheiden, wir wollen das noch mit den Anwohnern diskutieren“, sagt Eichmann. Bei Bürgern ist auch die Verkehrsführung ein heißes Thema. Eichmann dazu: „Ich sehe keinerlei Mehrheit im Stadtrat, sich hier festzulegen.“