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Premiere

11.11.2019

Wenn die Erde aus dem Takt gerät

Sonne, Mond, Venus, Mars und Saturn (gespielt von Christina Maurer, Jasmine Jandir, Jaspreet Jandir, Giovanni Barrata und Denise Bitter) ärgern sich beim Stück „Weltuntergang“ im Dachtheater Mering, weil die Erde irgendwie ziemlich aus dem Takt geraten ist.
Bild: Edigna Menhard

Die Jugendgruppe Neons des Neuen Theater Mering präsentiert ihr Stück „Weltuntergang“ im Dachtheater und überzeugt mit der Satire ihr Publikum. Es gibt noch Karten

Ein Komet wird bald die Erde vernichten – und die Zuschauer im Dachtheater der Schlossmühle Mering amüsieren sich. Wie passt das zusammen? Bei der Premiere des Stücks „Der Weltuntergang oder Die Welt steht auf kein´ Fall mehr lang“ brachte die Jugendgruppe des Neuen Theater Mering (NTM Neons) die Zuschauer zum Lachen, aber auch zum Nachdenken.

Die Jungschauspieler zeigten bei der Premiere am Freitagabend das Werk des jüdischen Schriftstellers Jura Soyfer. Dabei gelang es den 14- bis 20-jährigen Akteuren, das anspruchsvolle Bühnenstück leicht verdaulich und kurzweilig darzustellen, obwohl fast alle in mehrere Rollen schlüpften.

Regisseurin Simone Seitz, die Leiterin der Jugendgruppe, erklärt: „Wir haben ein offenes Konzept. Jeder kann mitreden und sich selbst für seine Rollen entscheiden.“ Auch das Stück wurde von den sogenannten Neons selbst ausgesucht, berichtet sie. Sie habe den Schülern drei Stücke zur Auswahl vorgeschlagen und man habe sich einheitlich für den „Weltuntergang“ entschieden. Das verwundert nicht, denn das satirische Schauspiel, das bereits im Jahr 1936 uraufgeführt wurde, ist immer noch erstaunlich aktuell.

Wenn die Erde aus dem Takt gerät

Es beginnt mit der Sonne, dem Mond, der Venus, dem Mars und dem Saturn (gespielt von Christina Maurer, Jasmine Jandir, Jaspreet Jandir, Giovanni Barrata und Denise Bitter), die sich ärgern, weil die Erde aus dem Takt geraten ist. „Die Erde hat Menschen“, stellen die Planeten verächtlich fest. Um die Sphärenharmonie wieder herzustellen, wird der Komet Konrad (Gabriel Gärtner) losgeschickt, der die Erde in einem Monat von dieser „Plage“, diesem „Ungeziefer“ befreien soll.

Wie setzen sich die Menschen mit der bevorstehenden Katastrophe auseinander? Hier liegt der Charme des Stücks, denn es hält frech den Politikern, der Gesellschaft, der Wirtschaft und den Medien einen Spiegel vor.

Während etwa Professor Guck (Karl König) als einziger die Bedrohung erkennt und technikgläubig eine Maschine entwickeln will, um das Unglück zu verhindern, ignoriert der Führer (Gabriel Gärtner) die Gefahr: „Der Weltuntergang ist eine völkische Erfindung!“ Wortgewandt schwafeln dagegen die zwei Diplomaten (Katharina Bader und Lara Bitter): „Sie werden verstehen Monsieur, dass unter dem Weltuntergang keinesfalls das europäische Gleichgewicht leiden darf.“ Doch unternehmen möchten die beiden dann lieber nichts. Denn das sei immer das Sicherste.

Die Wirtschaft freut sich über den famosen Weltuntergang: „Konsumenten kaufen, kaufen, kaufen – zahlen, ohne zu zählen!“ Selbst der Prediger – verkörpert von Regisseurin Simone Seitz – warnt zwar vorm Weltuntergang, will aber eigentlich nur einen patentierten Kragenknopf verkaufen. Die gutgläubige Jungfer (Aileen Berger) ist zuversichtlich: „In der Zeitung ist heut´ schwarz auf weiß gestanden, die patriotischen kleinen Sparer werden im Weltuntergang geschützt werden.“

Andere, wie der Wachmann (Denise Bitter), verschließen sich vor der Wahrheit: „I glaub net dran, sag i! Es is noch keinerlei Dienstorder diesbezüglich ausgebn worn.“

Auf Nummer sicher gehen dagegen Amerikas 50 Superreiche, die sich für 30 Millionen Dollar einen Platz in einem Weltraumschiff sichern. Mr. Rockford (Leopold König) wendet sich in einem Presse-Statement an alle Amerikaner und Amerikanerinnen: „Wir beneiden euch, die ihr beim großen Ereignis zurückbleiben dürft! Seid stolz darauf! Ihr werdet später einmal euren Kindern und Kindeskindern sagen können: Auch ich bin dabei gewesen! Haltet durch! Ihr sterbet für die USA! Solange aber noch Zeit ist, zeichnet Weltuntergangsanleihen!“

Da freut sich das Publikum umso mehr, als sich das Weltraumschiff als Schwindel entpuppt. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn Komet Konrad sorgt für ein Happy End. Er hat sich in die Erde verliebt und verschont sie deshalb.

Weitere Aufführungen des Bühnenstücks finden am 16. und 17. November statt. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

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