Heftige Unwetter: Über 50 Millionen Euro Schaden in Friedberg nach Hochwasser
Das Hochwasser richtet in Friedberg 50 Millionen Euro Schaden an. Die Stadt sieht sich gut aufgestellt, wird sich aber weiter rüsten – auch gegen Erdrutsch.
Die Felder rund um die Friedberger Südumfahrung, den Bressuire-Ring, waren beim Hochwasser überflutet. Die Schotten der Ach wurden hier dicht gemacht, damit weniger Wasser durchkam.Foto: Kreisbrandinspektion Aschaffenburg
200 Millimeter Niederschlag binnen 48 Stunden Anfang Juni – das ist ein Viertel des Jahresniederschlags von Friedberg. Das Hochwasser richtete immensen Schaden an, wie Bürgermeister Roland Eichmann in einer ersten Bilanz im Stadtrat berichtete. Insgesamt sind es rund 50 Millionen Euro an Privathäusern, Unternehmen und städtischer Infrastruktur. Trotzdem kann er sagen: "Wir waren sehr gut aufgestellt und leistungsbereit." Nun gelte es, sich für die Zukunft zu rüsten. Problempunkte gibt es mehrere, einer davon ist der Hang der Lechleite.
Die Stadt hat hier nur wenige Messstellen, eine liegt beim Salzkarrner-Turm an der Stadtmauer. Dieser hat sich in den wenigen Tagen um vier Millimeter bewegt, Richtung Westen, hangabwärts. Das müsse man dringend untersuchen und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten, so der Bürgermeister. Sonst sei man nicht weit von einem Szenario wie im Ahrtal entfernt. Klar sei aber auch: "Hangsicherung ist teuer."
Die Wassermassen ziehen sich zurück, die Schäden durch das Hochwasser werden im Wittelsbacher Land immer deutlicher. Die Bilder aus dem Landkreis.
Viel Geld wird es auch kosten, die Schäden des Unwetters zu beseitigen. Folgende bislang geschätzten Schadenssummen nannte Eichmann für Friedberg:
Schäden an Haus und Grund sowie Hausrat: 37,5 Millionen Euro (750 betroffene Haushalte).
Schäden an Betrieben: zehn Millionen Euro (50 Betriebe).
Schäden an öffentlicher Infrastruktur 1,5 bis 2 Millionen Euro.
Schäden bei Land- und Forstwirtschaft: Hier liegen keine Zahlen des Bauernverbandes aufgeschlüsselt für Friedberg vor.
450 Mal waren die Feuerwehren im Einsatz. Noch immer laufen Aufräumarbeiten, werden Sandsäcke eingesammelt, einige Keller stehen noch unter Wasser, manche Häuser sind ohne Strom, Wege zerstört. "Für viele Menschen war es ein traumatisches Ereignis", so Eichmann. Die Folgen des Hochwassers werden die Stadt noch lange beschäftigen.
Hochwasser: Schutzmaßnahmen an Paar und Eisbach erfolgreich
Auch wenn vieles gut gelaufen sei, sich Hochwasserschutzmaßnahmen wie die Rückhaltebecken an Paar und Eisbach, das Flutmuldensystem zwischen Afraseen und Fachmarktzentrum, die Schotten für die Ach am Bressuire-Ring (Südumfahrung) die Spezialausstattung der Feuerwehren bewährt haben: Es gibt viel zu tun.
Der Stadtrat hatte bereits vor der Katastrophe beschlossen, ein Sturzflutkonzept für die südlichen Ortsteile erstellen zu lassen. In Bachern und auch Rohrbach habe sich das Rückhaltebecken am Eisbach positiv ausgewirkt. Doch es soll untersucht werden, warum Rinnenthal so hoch unter Wasser stand wie nie zuvor. "Wir brauchen eine genaue Aufarbeitung, denn das Wasser kam nicht nur vom Eisbach."
Auch andere Phänomene gilt es zu klären, so stiegen und sanken die Paar-Pegel in Mering und Friedberg nicht im Einklang. Auch stieg das Wasser im Friedberger See stark an, in Friedberg-West jedoch nicht. Da das Grundwasser ein riesiges Problem darstellte, das nicht in den Griff zu bekommen war, müsse man die Grundwasserströme genauer untersuchen.
Das Wasser im Friedberger See stieg nach dem Regen stark an.Foto: Jutta Metzger
Insgesamt brauche es mehr Messstellen, die Hochwasserkarte der Ach (sie trat bei Stätzling über die Ufer) müsse aktualisiert werden, so der Bürgermeister. Es brauche aber auch ganz praktische Dinge, etwa mehr Messgeräte, mit denen die Feuerwehr feststellen kann, ob überflutete Keller unter Strom stehen.
Unwetter: Bürger müssen in Friedberg für Feuerwehreinsätze nicht zahlen
Während und nach der Katastrophe sei die Nachbarschaftshilfe groß gewesen, hob Eichmann hervor. In vielen Fällen konnte jedoch nur die Feuerwehr helfen. Während des Katastrophenfalls sind Einsätze für die Bürgerinnen und Bürger kostenfrei. Dieser K-Fall wurde am Abend des 10. Juni vom Landkreis beendet. Da waren noch längst nicht alle Keller ausgepumpt bzw. durften nicht ausgepumpt werden, um die Gebäudestabilität nicht zu gefährden. Um schnell und unbürokratisch helfen zu können, hatte der Bürgermeister daher in einer Dringlichkeitsentscheidung festgelegt, dass den Betroffenen diese Kosten erlassen werden.
Das Hochwasser wirkt sich aber auch auf die Personal-Ressourcen aus. "Feuerwehren und Bauhof müssen erst wieder zu Kräften kommen", so Eichmann, der ihnen für ihr großartiges Engagement bis an die Belastungsgrenze dankte. Er wies darauf hin, dass bei Bauhof und Verwaltung viele tausend Arbeitsstunden angefallen seien. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung waren zum Beispiel im Krisenstab tätig, der gleich am Samstag in der Feuerwehrzentrale eingerichtet worden war. Sie bestückten den Live-Ticker und die Friedberg-App, saßen aber auch am Bürgertelefon der Stadt.
Diese Stunden fehlen nun woanders. "Es wird dieses Jahr nicht mehr alles gehen", kündigte der Bürgermeister an.