Ein Holzofen, ein Tischläufer mit passenden Platzdecken, Ableger von Aloe Vera, Bilderrahmen in verschiedenen Größen, eineinhalb Strohballen, ein gut erhaltenes Sofa. Das alles sind Dinge, die in der Facebook-Gruppe „Second Chance – Verschenken in Mering und Umgebung“ angeboten werden. Gegründet wurde die Gruppe 2020 von Dirk Spenger. Seitdem hat die Gruppe 3600 Mitglieder gewonnen.
Rund drei Viertel der Gruppenmitglieder sind Frauen und das zeigt sich auch in den Angeboten, findet Spenger. Viele verschenken die Klamotten oder Spielsachen ihrer Kinder oder Deko. Aber auch Männer können in der Gruppe ein paar Schätze entdecken. „Bürgermeister Florian Mayer ist eines unserer prominentesten Mitglieder“, verrät der Gründer.
Dank der Gruppe können Meringer ihre alten Gegenstände austauschen
Die Idee zum Namen „Second Chance“ kam Dirk Spenger, weil durch die Gruppe ausgemisteten Dingen ein zweites Leben geschenkt werden soll. „Es ist schade, wie viel die Leute heutzutage einfach wegschmeißen“, so Spenger. Manche Dinge lohnen sich nicht zu verkaufen, sind aber noch zu gut für den Wertstoffhof. Doch viele wissen gar nicht, wie sie Abnehmer für ihre ungebrauchten Gegenstände finden könnten. „Diese Nachfrage wollte ich mit der Gruppe abgreifen“, erklärt der Meringer.
Mit der Facebook-Gruppe will Spenger seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten
Sinn dahinter, die Gruppe auf Mering zu begrenzen, sei es auch, dass die Meringer die verschenkten Gegenstände einfach bei einem Spaziergang abholen könnten. „Wenn man zu weit fahren muss, um die Gegenstände abzuholen, dann ist es ja auch nicht mehr wirklich nachhaltig“, meint Spenger. Denn natürlich ist auch Nachhaltigkeit und Müllreduzierung einer der wichtigsten Gedanken hinter der Gruppe. Es gäbe immer „ein paar schwarze Schafe“, die aus München oder anderen Gebieten kommen. In diesen Fällen behält Spenger es sich vor, die Mitglieder zu entfernen. Schließlich gibt es auch in anderen Orten ähnliche Facebook-Gruppen.
Sinn der Gruppe ist es ebensowenig, dass ungebrauchte Gegenstände verkauft werden oder nur für eine Gegenleistung abgegeben werden. „Dafür gibt es Kleinanzeigen oder andere Gruppen“, findet Dirk Spenger. „Ist es nicht viel schöner, wenn man zum Beispiel eine gut erhaltene Couch verschenkt und dann unerwartet Pralinen zum Dank bekommt?“
„Second Chance“ hat sich inzwischen zum Selbstläufer entwickelt
Eine so große Facebook-Gruppe klingt nach einer Menge Arbeit, doch Dirk Spenger nimmt die Verantwortung gelassen. Die Gruppe sei inzwischen ein Selbstläufer. Außerdem hat er Unterstützung von Co-Moderatorin Astrid Mayer. Sollten doch mal Posts mit Angeboten zum Verkauf oder mit kaputten Gegenständen in der Gruppe gepostet werden, kommt Spenger seinen Pflichten als Moderator nach und kontaktiert die Anbieter oder nimmt den Post selbst runter. Außerdem sorgt er dafür, dass der Ton in der Gruppe freundlich bleibt und Uneinigkeiten nicht eskalieren. Besonders freut es den Moderator aber, wenn er positives Feedback von den Nutzern bekommt: Mal hat jemand die zu klein gewordenen Klamotten der Kinder losbekommen, mal jemand zufällig beim Geschenke-Austausch einen alten Klassenkameraden wieder gefunden.
Einen Plan für Gruppentreffen oder Tauschbörsen nicht nur virtuell sondern in der echten Welt gibt es bisher nicht. Doch Dirk Spenger träumt insgeheim von einem Verschenkeregal auf dem neuen Wertstoffhof Kissing-Mering, inspiriert vom Wertstoffhof in Dasing. Dort gibt es bereits ein Fach, in dem gut erhaltene Gegenstände liegen, die noch umsonst vor dem Müll gerettet werden können. „Wäre es nicht schön, wenn man sein altes Playmobilpiratenboot dort abstellt und wenige Wochen später sieht, dass es weg ist“, sinniert Dirk Spenger. „Vielleicht hat ein Kind, das seinen Papa zum Sperrmüll begleitet hat, das Boot dort gesehen und deinem alten Spielzeug eine zweite Chance gegeben.“
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